medienkompetenz - © Foto: iStok/AntonioSolano (Bildbearbeitung: Rainer Messerklinger)

Die "Digitale Grundbildung" und ihre Schatten

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Corona galt auch für Schulen als Digitalisierungsturbo. Für die Zehn- bis 14-Jährigen wurde nun ein neues Fach eingeführt. Eine Antwort auf gegenwärtige Herausforderungen?

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Corona galt auch für Schulen als Digitalisierungsturbo. Für die Zehn- bis 14-Jährigen wurde nun ein neues Fach eingeführt. Eine Antwort auf gegenwärtige Herausforderungen?

Eine negative Schlagzeile aus einem Internetmedium. Auf den ersten Blick scheint es am Wahrheitsgehalt der Meldung keinen Zweifel zu geben. Zweifel, die auch bei den Schüler(inne)n der Klasse von Martin Ebner* nicht aufkommen. Der Lehrer an einem Wiener Realgymnasium hat seine 11- bis 12-Jährigen Schüler(innen) bewusst hinters Licht geführt, um ihnen wenig später aufzuzeigen, wieso es sich bei der Meldung um eine Falschmeldung handelt. Fake News im Unterricht, genauer im Fach „Digitale Grundbildung”.

Seit Herbst 2022 gibt es das Fach als Pflichtgegenstand an Neuen Mittelschulen und Allgemeinbildenden höheren Schulen (AHS) österreichweit. Volksschulen sollen mit einer passenden „Medienbildung“ 2023 nachziehen. Abseits der Vermittlung von technischem Know-how soll Schüler(inne)n ein kritischer Zugang zu Themen der Medienwelt und Digitalisierung vermittelt werden. „Die Jugendlichen werden zu politischen Menschen ausgebildet“, erklärt Ebner.

Schwierige Lebensrealitäten

Der Weg zur „Digitalen Grundbildung” lief technisch wie inhaltlich nicht friktionsfrei. Die nötige Hardware für den digitalen Unterricht haben die Schüler(innen) gegen einen sozial gestaffelten Nutzungsbeitrag bereits ab dem Schuljahr 2021/22 vom Staat Österreich erhalten. Rund 1.500 Schulen nahmen bundesweit an der Bildungsinitiative teil und mussten für den Erhalt der Geräte ein Digitalisierungs- und Nutzungskonzept ausarbeiten. Dazu kamen Auslieferschwierigkeiten: Im Sommer 2022 warteten immer noch rund ein Viertel der bezugsberechtigten Kinder auf ihre Notebooks bzw. Tablets.

Im Unterricht wurde die „Digitale Grundbildung“ bisher in den meisten Fällen als Querschnittthematik in anderen Fächern wie etwa Deutsch oder Geschichte behandelt und so das neue Pflichtfach vorbereitet. Die Umsetzung seitens der zuständigen Behörden erfolgte dennoch zum Wechsel des letzten Schuljahres binnen weniger Monate. Die Folge: Die Lehrkräfte wurden ohne einschlägige Ausbildung in das neue Unterrichtsfach gestoßen. Ebner sieht das gelassen: „Die Unterrichtsinhalte übersteigen meine Kompetenz bisher noch nicht.“

Allgemein bieten die Pädagogischen Hochschulen Fortbildungen und Online-Kurse für den schnellen Einsteig an, ab dem Schuljahr 2023/2024 soll zudem ein eigenes Lehramtsstudium starten.

Inhaltlich sollen sich die Unterrichtsthemen des neuen Pflichtfaches schon jetzt an den Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen orientieren. Keine ganz leichte Aufgabe, wie Ebner aus seinem Arbeitsalltag schildert. Man habe es mit einem „Digital Divide”, also einer digitalen Kluft, zu tun. „Während bei manchen eine Aufgabe schon innerhalb weniger Minuten erledigt ist, haben andere in diesem Zeitraum noch nicht mal den Laptop hochgefahren“, erklärt Ebner, ein Problem, dass sich nicht zuletzt durch den Fernunterricht während Corona verstärkt habe.

Dazu komme: „Viele Kinder sind mit der Informationsflut über WhatsApp komplett überfordert. Teilweise erhalten sie bis zu 1000 Nachrichten an einem Tag, von denen 95 Prozent aus Emojis bestehen, die bei nichts weiterhelfen”, meint Ebner.

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