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Die Schule als Hilfe zum Job

Die Schulwahl - ein Vorteil auf dem Arbeitsmarkt? Was sagt dazu Andreas Landgrebe, Personalberater bei der Firma Jean-Francois Jenewein?

dieFurche: Wenn sich jemand um eine Stelle bewirbt und Sie lesen seinen Lebenslauf - achten Sie dann darauf, welche Schule er besucht hat?

Landgrebe: Es gibt einige Privatschulen, die einen besonders guten Ruf haben. So etwas sticht ins Auge.

dieFurche: Haben solche Bewerber von vornherein einen Wettbewerbsvorteil?

Landgrebe: Wenn jemand bereits in die Praxis eingetaucht ist, kommt es auf seine Berufslaufbahn an, die Schule verliert an Bedeutung. Anders bei jungen Absolventen: Der Besuch einer guten Schule und danach ein guter Studienerfolg - das ergibt ein geschlossenes Bild und fällt positiv auf.

dieFurche: Was wird von solchen Absolventen erwartet - "nur" besonders gute Fachkenntnisse und Leistungsbereitschaft oder auch bestimmte Werthaltungen?

Landgrebe: Privatschulen vermitteln ihren Schülern sehr früh, in einer prägenden Zeit, bestimmte Grundphilosophien. Das erlaubt Rückschlüsse, muß aber hinterfragt werden. Die vermittelten Werthaltungen müssen nicht 1 : 1 übernommen worden sein, genauso gut kann der "Drill" in der Schule zu Gegenreaktionen, Protesthaltungen geführt haben. Das alles sind für uns wichtige Informativkriterien. Entscheidend ist aber, was letztlich aus all dem geworden ist. Nicht: Woher kommt dieser Mensch? Sondern: Wo will er hin und wo kann er hin?

dieFurche: Kann die christliche Prägung durch eine konfessionelle Schule bei der Stellensuche auch zum Nachteil werden, wenn sie nicht zur Weltanschauung des Arbeitgebers paßt?

Landgrebe: Das habe ich noch nie erlebt. Nach meiner Erfahrung gibt es in unserem Kulturkreis kaum jemanden, der mit einem soliden christlichen Weltbild Probleme hat - auch wenn es sich nicht mit seiner eigenen Weltanschauung deckt.

dieFurche: Aber gegen "Klosterschulen" gibt es das Vorurteil des Über-Behütetseins, der heilen Welt, des Abschottens von der Realität. Läßt das nicht an der Eignung für den "harten Berufsalltag" zweifeln?

Landgrebe: Im Gegenteil. Viele dieser Schulen sind Internatsschulen, und wer von dort herkommt, hat früh gelernt, sich in eine Struktur einzufügen und nicht um jeden Preis das Individuelle voranzustellen. Das ist eine enorme Zusatzqualifikation. Und daß sich der oder die Betreffende nicht "aus der Welt zurückgezogen" hat, erkennt man daran, daß er oder sie sich eben nicht fürs Klosterleben entschieden hat.

Das Gespräch führte Christine Kary.

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