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Ein kleiner Crash of Cultures"

Christoph Kratky, Präsident des Wissenschaftsfonds, FWF, über die Anlauf-schwierigkeiten in Gugging und die Exzellenz-Initiative.

Die Furche: Im Kuratorium des "Institute for Science and Technology - Austria" sollen nun zur Hälfte Wissenschafter vertreten sein. Zufrieden?

Christoph Kratky: Es ist nicht so, dass mich irgend etwas zufrieden stellen muss, aber ich halte das für eine ganz gute Lösung. Es ist wichtig, dass hochkarätige, unabhängige Leute im Kuratorium vertreten sind. Insgesamt beginnt aber jetzt erst die Arbeit. Die wirklich starken Universitäten sind ja auch in Jahrzehnten gewachsen. Das funktioniert nicht mit einem Federstrich.

Die Furche: Die SPÖ hat ihr Ja zu Gugging mit der Forderung nach 30 Millionen Euro für den FWF junktimiert - was nun beschlossen wurde. Wie werden Sie dieses Geld verwenden?

Kratky: Der Rat für Forschung und Technologie-Entwicklung, der das bereits im Dezember eingefordert hat, hat dazu klare Vorgaben gemacht: Das Geld soll dazu verwendet werden, um die Genehmigungsquoten zu verbessern. Bisher mussten ja mehr als zwei Drittel aller Projekte abgelehnt werden, was problematisch ist, weil junge Forscher unter Umständen nicht den Atem haben, dieses Verfahren durchzustehen. Daneben haben wir dem Rat, der in seiner "Strategie 2010" eine umfassende Exzellenzstrategie gefordert hat, auch ein Programm für "Exzellenz-Cluster" vorgelegt. Wir hoffen sehr, dass die Bundesregierung das auch finanziert.

Die Furche: Was ist das Konzept dieser Exzellenz-Cluster?

Kratky: Es sollen für einige Bereiche im österreichischen Hochschulsystem, die bereits jetzt hervorragend wissenschaftlich ausgewiesen sind, Rahmenbedingungen geschaffen werden, die jenen an der "Elite-Universität" entsprechen. Wobei das nur Forschungsgebiete betrifft, wo es notwendig ist, eine kritische Masse zu bilden. In den Geisteswissenschaften ist es ja auch möglich, dass eine einzelne Person international Spitzenleistungen erbringen kann.

Die Furche: In Deutschland verfolgt man mit der Förderung von "Spitzenuniversitäten" schon jetzt eine ähnliche Philosophie. Für manche die klügere Variante zu Gugging ...

Kratky: Es wäre extrem kurzsichtig, das als Alternativen darzustellen. Die "Elite-Universität" macht ja die bestehende Exzellenz an den bestehenden Institutionen nicht unnötig. Außerdem kosten die Universitäten im Jahr zwei Milliarden Euro, das ISTA wird nur einige Prozent davon kosten. Andererseits gibt es aber Bereiche, wo die Universitäten den Hinweis auf Gugging für sich nutzen können. So hat das ISTA etwa die gesetzliche Zusicherung, dass die so genannten "Overheads" zu hundert Prozent abgegolten werden: Man bekommt also nicht nur die unmittelbar entstehenden Kosten abgegolten, sondern auch indirekte Kosten für die Nutzung von Geräten, für technisches Personal, Sekretariate oder Heizung. Die Unis wären gut beraten, zu gegebener Zeit zu sagen: Genau das wollen wir auch.

Die Furche: Sie können sich also als Vertreter einer "Bottom-up"-Fördereinrichtung mit dem "Top-down"-Ansatz in Gugging anfreunden?

Kratky: Natürlich sind wir grundsätzlich glücklicher, wenn Spitzenforschung "von unten" her entsteht. Aber es ist klar, dass eine Universitäts-oder Institutsneugründung "top down" entstehen muss. Wobei das ursprüngliche Konzept von Anton Zeilinger aber sehr offen gegenüber dem ist, was am Ende herauskommt. Es geht darum, brillante Forscher nach Gugging zu holen - die dann schon das Richtige forschen werden. Wir werden sehen, ob das funktioniert.

Die Furche: Gelernte Österreicher könnten nach den Gugginger Anlaufschwierigkeiten daran zweifeln ...

Kratky: Es gab sicher einen kleinen "Crash of Cultures" zwischen den Welten der Politik und der Wissenschaft, das ist richtig. Aber man muss deshalb nicht gleich sagen: Weil es so gelaufen ist, ist es für alle Zeit verkorkst.

Das Gespräch führte Doris Helmberger.

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