Digital In Arbeit

Einladung zum Ehe-Betrug?

Früher, als Heiraten noch die Regel war, wussten Frauen, dass sie sich damit wirtschaftlich in die Abhängigkeit vom Ehemann begaben. Bei einer Scheidung wurde es oft sehr hart für sie. Daher wurde mit Recht auf eine Änderung der Gesetzeslage gedrängt. Eine Frau zu verstoßen, wurde für Männer immer teurer. Darin darf man wohl einen der Gründe sehen, warum heute junge Männer das Heiraten gern hinauszögern.

Berufstätigkeit hat inzwischen auch Frauen erfreulich selbstbewusst gemacht. Als Lebensversicherung braucht man keine Ehemänner mehr. Daher sind heute auch viele Frauen nicht mehr so heiß aufs Heiraten. Lebensabschnittspartner finden sich auch ohne Ehering. Freilich wurde der Ruf immer lauter, der Staat, der früher ein Ehe-und Beistandsgelöbnis als Entlastung eigener Kassen sah und mit Vorteilen honorierte, sollte doch auch nichteheliche Gemeinschaften mit solchen ausstatten. Wenn dieser großteils längst erfüllte Wunsch einmal zur Gänze verwirklicht ist, wird man sich fragen (oder auch nicht), warum dann nicht gleich geheiratet werden kann. Wo bleibt die Logik?

Logikunterricht erteilt jetzt die katholische Kirche. In der löblichen Absicht, Menschen aus gescheiterten Ehen zu helfen, empfiehlt man ihnen, doch prüfen zu lassen, ob ihre Ehe überhaupt gültig war. Wenn die Reife fehlte oder der Kinderwunsch oder die Bereitschaft, lebenslange Treue zu halten, kann man - nach entsprechender Intimschnüffelei des kirchlichen Ehegerichts - die Ehe annullieren lassen und kirchlich noch einmal heiraten. Wer sich also heute den Weg in eine spätere Zweitehe offen halten möchte, gehe die erste mit stillem Untreuevorbehalt ein!

So weit kommt es, wenn die "Gesellschaft" oder auch die Kirche Gesetze so lange malträtieren, bis sich diese ad absurdum führen.

Der Autor ist freier Publizist.

FURCHE-Navigator Vorschau