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Tag der Arbeit

Ameisen - © Foto: Pixabay
Bildung

Flexibel wie die Ameisen

1945 1960 1980 2000 2020

Die Wirtschaftskrise erfordert ein mutiges Erkunden von neuen Modellen, um Menschen in prekären Arbeitssituationen Perspektiven zu öffnen. Plädoyer für ein neues Arbeitsdenken.

1945 1960 1980 2000 2020

Die Wirtschaftskrise erfordert ein mutiges Erkunden von neuen Modellen, um Menschen in prekären Arbeitssituationen Perspektiven zu öffnen. Plädoyer für ein neues Arbeitsdenken.

Fischernetzen merkt man es weniger an, Spinnennetzen oder dem Internet schon eher: Netzwerke sind hochflexible, anpassungsfähige Strukturen, die sich, wie das neuronale Netz im Gehirn, auf neue Gegebenheiten mitunter erstaunlich schnell einstellen und selbst nach schwerwiegenden Störungen - Schlaganfällen etwa - ihren Aufgaben noch weitgehend nachkommen können. "Graceful degradation" oder locker übersetzt "nachsichtig gegenüber Ausfällen" nennt das die Netzwerkforschung. Wäre es denkbar, auch das Soziale Netz in dieser Weise zu weben?

Was das Soziale Netz aktuell zu leisten hätte, ist leicht erklärt, aber schwer zu gewährleisten. Die Wirtschaftskrise lässt einen starken Anstieg an Erwerbslosigkeit in diesem und im nächsten Jahr erwarten. Die Betroffenen benötigen sozialen Schutz. Die Gesellschaft braucht Impulse des Zusammenhalts, um von der Krise nicht in gefährlicher Weise polarisiert zu werden. Und die Wirtschaft benötigt, um wieder in Schwung zu kommen, Innovationen, die neue Erwerbsfelder erschließen. Das Soziale Netz müsste also zum einen so dicht gewebt sein, dass niemand durch seine Maschen fallen kann. Zugleich sollte es aber die Bewegungsfreiheit derjenigen, die, weil arbeitslos, über Zeit und, weil entsprechend sozial gesichert, dann auch über hinreichendes Auskommen verfügen, nicht so weit einschränken, dass in deren Vorstellungswelt nichts anderes als "Normalarbeit" Platz hat.

Normalarbeit als Auslaufmodell

Diese "Normalarbeit" nämlich könnte ein Auslaufmodell sein. Sie entstammt einer Zeit, als Arbeit von Nicht-Arbeit noch ohne Probleme unterschieden werden konnte; weil Arbeit Zwecken diente und Werte generierte, die von den meisten geteilt wurden; weil sie an speziellen, vom Wohnort getrennten Arbeitsplätzen stattfand; weil sie zu ganz bestimmten, und nur diesen Zeiten am Tag, während der Woche, während des Jahres und während des Lebens verrichtet wurde; weil Qualifikationen für sie in der Jugend erworben wurden und ihren Wert ein Arbeitsleben lang behielten; weil sie aufgrund eher lokal orientierter Beteiligter vor billiger Konkurrenz bewahrt werden konnte; weil Löhne für sie bezahlt wurden und Garantien dafür vorlagen, die mächtige Gewerkschaften zu verteidigen imstande waren; und weil sie damit in der Regel mehr als nur kurzfristige Orientierungen bot.

Auch für die Arbeit scheint die Zeit stabiler Bezugspunkte aber zu Ende. Weder ihre Formen noch ihre Rahmenbedingungen - von sozialrechtlichen, steuergesetzlichen bis hin zu ausbildungsrelevanten Regelungen - haben mehr als nur mehr temporären Bestand. Die "langen Verträge" verschwinden, und das betrifft heute nicht mehr nur Unternehmensanstellungen, sondern nahezu alle Vertrautheiten, die zu Zeiten der "Normalarbeit" die Arbeitswelt formten - auch und nicht zuletzt solche der Bildung. Selbst Hochqualifizierte können sich ihres Arbeitsplatzes nicht mehr sicher sein. Auch Manager, Vorstandsmitglieder und sonstige "Führungskräfte" werden von einem Tag auf den anderen nicht mehr gebraucht. Und Studierende erleben immer öfter, dass sich trotz bedachter Wahl des Studiums schon während dessen Verlauf die Nachfragen wieder verändern und sie auf ihrem Qualifikationsniveau keinen Erwerbsarbeitsplatz finden. Wenn sie es "billiger geben", drängen sie die um eine Stufe geringer qualifizierten aus dem Bewerb.

In diesem System ist niemand davor gefeit, selbst in den Sog der Prekarisierung gerissen zu werden. In ihm aber ist es oft das Vereinende, das nachhaltig trennt. Gerade weil sich alle permanent auf der Suche nach neuen Aufträgen, Projekten, Einkommensquellen befinden, sind in der Regel auch alle nur allzu bereit, sich gegenseitig - und nicht selten um jeden Preis - die knappen Ressourcen streitig zu machen. Wer mit seinen Aufträgen als Buchhalter oder Steuerberaterin, mit seinen Therapie- oder Nachhilfestunden gerade einmal so über die Runden kommt, ist einerseits gezwungen, seine spezifische Leistung gegen alle anderen als "die Beste" zu preisen. In der "Ökonomie der Aufmerksamkeit" wird visibility zum wertvollen Asset und die Form nicht selten wichtiger als der Inhalt. Zum anderen wird wachsam darauf geachtet, sich mit Konkurrenten, die Ähnliches bieten, nicht zu stark zu alliieren. Wer so arbeiten muss, lässt sich schlecht organisieren. Die Einigkeit des Proletariats, die es zu seinen Kampfmaßnahmen befähigte, ist für das Prekariat nicht mehr zu haben.

Und all dies dürfte sich in der Krise verschärfen. Die Aufgaben für das soziale Netz werden sich mit seiner Klientel diversifizieren. Neben denen, die an Unterbrechungen ihrer Erwerbsbiografien bereits leidvoll gewöhnt sind, werden Menschen betroffen sein, die bisher das Glück eines festen Arbeitsplatzes hatten. Sie wieder zurück in die "Normalarbeit" zu bringen, wird nicht immer gelingen. Das soziale Netz wird mehr und zugleich anderes als bisher zu leisten haben. Seine Eigenheit, eng um die "Normalarbeit" gewebt und damit zum größeren Teil als Versicherung zu fungieren, deren Prämien sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen, und nur den vergleichsweise kleinen Rest der aus dem Normalarbeitsspektrum Herausfallenden mit bedürftigkeitsgeprüfter Sozialhilfe zu schützen, wird ihm nun zum Verhängnis. Denn mit den Bedürftigkeiten multipliziert sich auch der Kontrollaufwand. Selbst einer Zeit entsprungen, in der sich Daseinssituationen und Bedürfnisse hinreichend ähnelten, die Ehe noch ein vielerorts stabiles Konzept war, die verbleibende Lebensdauer nach Ende des Arbeitslebens eher gering und außer dem Sozialstaat, mit dem Bismarck den Sozialisten den Wind aus den Segeln nahm, noch Verwandte, Dorfgemeinschaft und Kirche bereitstanden, um vor den Unbilden der Arbeit zu schützen, wird es sich umstellen müssen, wenn es nicht selbst Krisenopfer werden will. Die Normalarbeit, auf die es die Betroffenen bislang hinzutrimmen versuchte, ist nicht mehr zu haben. Gefragt sind flexible Anpassung bei gleichzeitig hoher Robustheit.

Flexible Robustheit und neue Arbeitsformen

In einer Situation, da Neues dringend benötigt wird, da mutige Erkundungen und Experimente angesagt wären, um Menschen in prekären Situationen Perspektiven und der Wirtschaft neue Aktivitätsfelder zu geben, scheint es daher der falsche Weg, Auskommensmöglichkeiten weiterhin nur gegen Bedarfsfeststellungen und regelmäßige Arbeitswilligkeitsdemonstrationen zu gewähren. Einigen ist damit geholfen. Viele andere aber werden als Normalarbeitsausgeschlossene stigmatisiert und oftmals erst damit zur Untätigkeit getrieben.

Was also wäre zu tun? Orientierung könnte zum Beispiel die selbstorganisierte Effizienz sozialer Insekten gewähren, denen kein zentralistisch administriertes Arbeitskonzept den Weg zur Nahrungsquelle weist. Der Ameisenstaat "finanziert" vielmehr Variabilität, indem er Ausschwärmen in unterschiedlichste Richtungen erlaubt und damit den Irrtum zulässt, der die Anpassungsfähigkeit seiner Versorgung gewährleistet. Und auch das neuronale Netz unseres Denkapparates scheint sich in ähnlicher Weise zu organisieren. Keine fest-verdrahtete Vorgabe - und auch kein laissez faire - sorgen hier für Effizienz, sondern ein im Hinblick auf Variabilität üppiger Rahmen, in dem bewusst riskiert wird, einen Teil der Aktivitäten danebenliegen zu lassen, sprich für den Moment völlig unbrauchbare Signale zu generieren. Erst mit dieser Inkaufnahme von Irrtümern wird jene Streuung ermöglicht, die das Neuronennetzwerk unter hoch-dynamischen Bedingungen anpassungsfähig und ausfallssicher machen, wie wir dies in den stürmischen Gegebenheiten unseres Daseins benötigen.

Ein Soziales Netz, das sich an solchen Vorgaben orientiert, würde sich hüten, die Arbeit in einer Weise engzuführen, die jegliche Möglichkeit, Neues zu testen, von vornherein untergräbt. Angesichts der aktuellen Krise wäre es geraten, von überzogenen Bedarfsorientierungen und Kontrollen abzusehen und, wenn sich schon eine bedingungslose Einkommensbasis nicht durchsetzen lässt, so doch zumindest Betroffenen, die ein wie auch immer geartetes Tätigkeitskonzept vorlegen, eine Auskommensbasis zur Verfügung zu stellen, auf der - "nachsichtig gegenüber Ausfällen" ausprobiert werden kann, welche innovativen Aspekte sich daraus ergeben.

Der Autor ist Dozent für Sozialwissenschaft an der Universität Wien

Fischernetzen merkt man es weniger an, Spinnennetzen oder dem Internet schon eher: Netzwerke sind hochflexible, anpassungsfähige Strukturen, die sich, wie das neuronale Netz im Gehirn, auf neue Gegebenheiten mitunter erstaunlich schnell einstellen und selbst nach schwerwiegenden Störungen - Schlaganfällen etwa - ihren Aufgaben noch weitgehend nachkommen können. "Graceful degradation" oder locker übersetzt "nachsichtig gegenüber Ausfällen" nennt das die Netzwerkforschung. Wäre es denkbar, auch das Soziale Netz in dieser Weise zu weben?

Was das Soziale Netz aktuell zu leisten hätte, ist leicht erklärt, aber schwer zu gewährleisten. Die Wirtschaftskrise lässt einen starken Anstieg an Erwerbslosigkeit in diesem und im nächsten Jahr erwarten. Die Betroffenen benötigen sozialen Schutz. Die Gesellschaft braucht Impulse des Zusammenhalts, um von der Krise nicht in gefährlicher Weise polarisiert zu werden. Und die Wirtschaft benötigt, um wieder in Schwung zu kommen, Innovationen, die neue Erwerbsfelder erschließen. Das Soziale Netz müsste also zum einen so dicht gewebt sein, dass niemand durch seine Maschen fallen kann. Zugleich sollte es aber die Bewegungsfreiheit derjenigen, die, weil arbeitslos, über Zeit und, weil entsprechend sozial gesichert, dann auch über hinreichendes Auskommen verfügen, nicht so weit einschränken, dass in deren Vorstellungswelt nichts anderes als "Normalarbeit" Platz hat.

Normalarbeit als Auslaufmodell

Diese "Normalarbeit" nämlich könnte ein Auslaufmodell sein. Sie entstammt einer Zeit, als Arbeit von Nicht-Arbeit noch ohne Probleme unterschieden werden konnte; weil Arbeit Zwecken diente und Werte generierte, die von den meisten geteilt wurden; weil sie an speziellen, vom Wohnort getrennten Arbeitsplätzen stattfand; weil sie zu ganz bestimmten, und nur diesen Zeiten am Tag, während der Woche, während des Jahres und während des Lebens verrichtet wurde; weil Qualifikationen für sie in der Jugend erworben wurden und ihren Wert ein Arbeitsleben lang behielten; weil sie aufgrund eher lokal orientierter Beteiligter vor billiger Konkurrenz bewahrt werden konnte; weil Löhne für sie bezahlt wurden und Garantien dafür vorlagen, die mächtige Gewerkschaften zu verteidigen imstande waren; und weil sie damit in der Regel mehr als nur kurzfristige Orientierungen bot.

Auch für die Arbeit scheint die Zeit stabiler Bezugspunkte aber zu Ende. Weder ihre Formen noch ihre Rahmenbedingungen - von sozialrechtlichen, steuergesetzlichen bis hin zu ausbildungsrelevanten Regelungen - haben mehr als nur mehr temporären Bestand. Die "langen Verträge" verschwinden, und das betrifft heute nicht mehr nur Unternehmensanstellungen, sondern nahezu alle Vertrautheiten, die zu Zeiten der "Normalarbeit" die Arbeitswelt formten - auch und nicht zuletzt solche der Bildung. Selbst Hochqualifizierte können sich ihres Arbeitsplatzes nicht mehr sicher sein. Auch Manager, Vorstandsmitglieder und sonstige "Führungskräfte" werden von einem Tag auf den anderen nicht mehr gebraucht. Und Studierende erleben immer öfter, dass sich trotz bedachter Wahl des Studiums schon während dessen Verlauf die Nachfragen wieder verändern und sie auf ihrem Qualifikationsniveau keinen Erwerbsarbeitsplatz finden. Wenn sie es "billiger geben", drängen sie die um eine Stufe geringer qualifizierten aus dem Bewerb.

In diesem System ist niemand davor gefeit, selbst in den Sog der Prekarisierung gerissen zu werden. In ihm aber ist es oft das Vereinende, das nachhaltig trennt. Gerade weil sich alle permanent auf der Suche nach neuen Aufträgen, Projekten, Einkommensquellen befinden, sind in der Regel auch alle nur allzu bereit, sich gegenseitig - und nicht selten um jeden Preis - die knappen Ressourcen streitig zu machen. Wer mit seinen Aufträgen als Buchhalter oder Steuerberaterin, mit seinen Therapie- oder Nachhilfestunden gerade einmal so über die Runden kommt, ist einerseits gezwungen, seine spezifische Leistung gegen alle anderen als "die Beste" zu preisen. In der "Ökonomie der Aufmerksamkeit" wird visibility zum wertvollen Asset und die Form nicht selten wichtiger als der Inhalt. Zum anderen wird wachsam darauf geachtet, sich mit Konkurrenten, die Ähnliches bieten, nicht zu stark zu alliieren. Wer so arbeiten muss, lässt sich schlecht organisieren. Die Einigkeit des Proletariats, die es zu seinen Kampfmaßnahmen befähigte, ist für das Prekariat nicht mehr zu haben.

Und all dies dürfte sich in der Krise verschärfen. Die Aufgaben für das soziale Netz werden sich mit seiner Klientel diversifizieren. Neben denen, die an Unterbrechungen ihrer Erwerbsbiografien bereits leidvoll gewöhnt sind, werden Menschen betroffen sein, die bisher das Glück eines festen Arbeitsplatzes hatten. Sie wieder zurück in die "Normalarbeit" zu bringen, wird nicht immer gelingen. Das soziale Netz wird mehr und zugleich anderes als bisher zu leisten haben. Seine Eigenheit, eng um die "Normalarbeit" gewebt und damit zum größeren Teil als Versicherung zu fungieren, deren Prämien sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer teilen, und nur den vergleichsweise kleinen Rest der aus dem Normalarbeitsspektrum Herausfallenden mit bedürftigkeitsgeprüfter Sozialhilfe zu schützen, wird ihm nun zum Verhängnis. Denn mit den Bedürftigkeiten multipliziert sich auch der Kontrollaufwand. Selbst einer Zeit entsprungen, in der sich Daseinssituationen und Bedürfnisse hinreichend ähnelten, die Ehe noch ein vielerorts stabiles Konzept war, die verbleibende Lebensdauer nach Ende des Arbeitslebens eher gering und außer dem Sozialstaat, mit dem Bismarck den Sozialisten den Wind aus den Segeln nahm, noch Verwandte, Dorfgemeinschaft und Kirche bereitstanden, um vor den Unbilden der Arbeit zu schützen, wird es sich umstellen müssen, wenn es nicht selbst Krisenopfer werden will. Die Normalarbeit, auf die es die Betroffenen bislang hinzutrimmen versuchte, ist nicht mehr zu haben. Gefragt sind flexible Anpassung bei gleichzeitig hoher Robustheit.

Flexible Robustheit und neue Arbeitsformen

In einer Situation, da Neues dringend benötigt wird, da mutige Erkundungen und Experimente angesagt wären, um Menschen in prekären Situationen Perspektiven und der Wirtschaft neue Aktivitätsfelder zu geben, scheint es daher der falsche Weg, Auskommensmöglichkeiten weiterhin nur gegen Bedarfsfeststellungen und regelmäßige Arbeitswilligkeitsdemonstrationen zu gewähren. Einigen ist damit geholfen. Viele andere aber werden als Normalarbeitsausgeschlossene stigmatisiert und oftmals erst damit zur Untätigkeit getrieben.

Was also wäre zu tun? Orientierung könnte zum Beispiel die selbstorganisierte Effizienz sozialer Insekten gewähren, denen kein zentralistisch administriertes Arbeitskonzept den Weg zur Nahrungsquelle weist. Der Ameisenstaat "finanziert" vielmehr Variabilität, indem er Ausschwärmen in unterschiedlichste Richtungen erlaubt und damit den Irrtum zulässt, der die Anpassungsfähigkeit seiner Versorgung gewährleistet. Und auch das neuronale Netz unseres Denkapparates scheint sich in ähnlicher Weise zu organisieren. Keine fest-verdrahtete Vorgabe - und auch kein laissez faire - sorgen hier für Effizienz, sondern ein im Hinblick auf Variabilität üppiger Rahmen, in dem bewusst riskiert wird, einen Teil der Aktivitäten danebenliegen zu lassen, sprich für den Moment völlig unbrauchbare Signale zu generieren. Erst mit dieser Inkaufnahme von Irrtümern wird jene Streuung ermöglicht, die das Neuronennetzwerk unter hoch-dynamischen Bedingungen anpassungsfähig und ausfallssicher machen, wie wir dies in den stürmischen Gegebenheiten unseres Daseins benötigen.

Ein Soziales Netz, das sich an solchen Vorgaben orientiert, würde sich hüten, die Arbeit in einer Weise engzuführen, die jegliche Möglichkeit, Neues zu testen, von vornherein untergräbt. Angesichts der aktuellen Krise wäre es geraten, von überzogenen Bedarfsorientierungen und Kontrollen abzusehen und, wenn sich schon eine bedingungslose Einkommensbasis nicht durchsetzen lässt, so doch zumindest Betroffenen, die ein wie auch immer geartetes Tätigkeitskonzept vorlegen, eine Auskommensbasis zur Verfügung zu stellen, auf der - "nachsichtig gegenüber Ausfällen" ausprobiert werden kann, welche innovativen Aspekte sich daraus ergeben.

Der Autor ist Dozent für Sozialwissenschaft an der Universität Wien