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FlÜCHTIGES AUFATMEN

In Österreich steht die Wissenschaft an ers ter Stelle. Das jedenfalls geht aus der Selbstbezeichnung des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft hervor. Die Integration der Wissenschaft in einem neuartigen Ministerienkonvolut hat nach der letzten Regierungsbildung für Aufsehen gesorgt. Befürchtet wurde, dass die Forschung unter die Räder der Wirtschaft kommen würde und im ohnehin belasteten Budgetrahmen zum Stiefkind degradiert werden könnte. Daran vermochte auch der innovationsträchtige Titel des neuen Ministeriums nichts zu ändern.

Es folgte das große Warten -wobei die ärgsten Befürchtungen erst vor kurzem entkräftet wurden. Um 300 Millionen Euro soll das Wissenschaftsbudget für 2016-2018 laut Finanzministerium aufgestockt werden. Angesichts dessen zeigt sich der Wissenschaftsfonds FWF, der vor einem Kahlschlag in der Forschungsfinanzierung gewarnt hat, zufrieden: Damit gebe es endlich "Planungssicherheit", so FWF-Präsidentin Pascale Ehrenfreund. Sonst hätte es ab 2016 einen Bewilligungsstopp für Anträge gegeben. Auch die Akademie der Wissenschaften darf aufatmen, bei der ohne Zusatzmittel 150 Forscher ihren Job verlieren hätten können.

Das aber sollte nicht über die virulenten Probleme im Wissenschaftsbereich hinwegtäuschen, die von der jeweiligen Regierung mit einer "Vogel Strauß"-Taktik vor sich her gewälzt werden: etwa langfristige Unsicherheit für den wissenschaftlichen Nachwuchs, die Gefahr des "Brain Drain" oder die chronische Unterfinanzierung der Universitäten mit teils horrenden Betreuungsrelationen.

Wenn man es ernst meint, sollte man einen Weg suchen, den Bildungsbereich aus den Sparmaßnahmen auszuklammern, sagt die Psychologin Barbara Schober im aktuellen FURCHE-Interview (S. 22). Warum sollte das nicht auch für den Wissenschaftsbereich gelten? Schließlich sind Bildung und Wissenschaft unbestritten Eckpfeiler für die Zukunftsfähigkeit des Landes. Anstatt immer nur die Not zu verwalten, darf man hier durchaus Visionen einfordern - nicht jene, angesichts derer man den Arzt aufsuchen sollte (© F. Vranitzky), sondern jene, die für Innovation und Wirtschaftswachstum sorgen.

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