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Bildung

Jeder auf seine Eigene Art

1945 1960 1980 2000 2020
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Die Verschiedenheit ist Reichtum. Der Kindergarten der Franziskanerinnen ist anders als jener der Schotten oder in der Neulandstiftung. (Schwester Petronilla)

Natürlich kann sich Vielfalt reiben, aber wir haben die Chance, Reibung in Nestwärme umzuwandeln. Wenn das gelingt, profitiert jeder davon. (Martin Pfeiffer)

Vor dem Haus in der Apostelgasse 5 im dritten Wiener Gemeindebezirk steht eine Menschentraube. Es sind überwiegend Männer, die zur täglichen "Armenausspeisung" gekommen sind und darauf warten, dass sich das große Tor ins Schulzentrum St. Franziskus öffnet. Im Durchgang ist auf einfachen Tischen das Essen gerichtet: Gemüsesuppe und Topfenstrudel mit Vanillesauce. "In den letzten Jahren sind immer mehr Menschen gekommen", erzählt Sr. Petronilla Herl im Vorübergehen. Aber die Nöte der Zeit zu sehen und jedem Menschen wertschätzend und auf Augenhöhe zu begegnen, gehöre eben zum Gründungsauftrag der "Schulschwestern vom 3. Orden des heiligen Franziskus".

Nicht nur gegenüber den Armen und Ausgegrenzten, auch in der pädagogischen Arbeit mit Kindern versucht der Frauenorden diese individuelle Wertschätzung zu leben. Rund 1500 Kinder und Schüler werden an drei Wiener Standorten begleitet, die Verwaltung hat 2001 ein eigener Schulverein übernommen, dem Sr. Petronilla vorsteht. Allein am Standort in der Apostelgasse sind u. a. ein Kindergarten, eine Volksschule mit Hort und ein Neue Mittelschule untergebracht. Ein paar Meter weiter, im "Haus Leo", hat man im vergangenen Herbst noch einen weiteren Kindergarten übernommen.

"Jedes Kind bringt etwas mit"

Gemüsesuppe und Topfenstrudel mit Vanillesauce stehen auch hier bereit; doch noch sind die Kinder damit beschäftigt, ihren je eigenen Handabdruck auf einem Osterei-Plakat zu finden, das in der Karwoche affichiert werden soll. Vor dem Essen wird auch noch gebetet. Dabei ist die Vielfalt unter den 20 Kindern fast so bunt wie auf dem Plakat: Viele von ihnen haben Migrationshintergrund, sie sprechen neben deutsch auch serbokroatisch, rumänisch, russisch, polnisch, arabisch oder ungarisch. Auch unterschiedliche Konfessionen und Religionen sind vertreten. "Vielfalt kann anstrengend sein", sagt die Elementarpädagogin Miroslava, die selbst aus der Slowakei stammt. "Aber sie ist auch eine Bereicherung, weil jedes Kind etwas Eigenes mitbringt." Um mit der zunehmenden kulturellen und religiösen Vielfalt gut umgehen zu können, orientiert man sich am interdiözesanen Leitfaden "Glaubwürdig und kulturreich", der von der KKTH mitentwickelt wurde, sowie am "Religionspädagogischen Bildungsrahmenplan", den die Wiener St. Nikolausstiftung und die Caritas Linz gemeinsam konzipierten.

"Einheit in der Vielfalt": Dieses Motto prägt nicht nur religiös sensible Kindergärten wie jenen in der Apostelgasse, sondern auch jene Organisation, zu der er gehört. Als 2009 in Wien der Gratiskindergarten eingeführt wurde, schlossen sich 26 Erhalter verschiedener Orden, kirchlicher Institute und ordensnaher juristischer Personen zur "Vereinigung Katholischer Kindertagesheime" (KKTH) zusammen.

Einheit in der Vielfalt

Wie bei der St. Nikolausstiftung, in der ebenfalls 2009 die Pfarrkindergärten der Erzdiözese Wien zusammengeführt wurden, wollte man dadurch die Kooperation mit der Stadt Wien erleichtern. Zugleich sollte den einzelnen Standorten aber größtmögliche Autonomie gelassen werden -zumal angesichts der unterschiedlichen Ordens-Charismen. "Diese Verschiedenheit ist wirklich ein Reichtum, den wir auch fördern", erklärt Sr. Petronilla, die von Beginn an im Vorstand der KKTH vertreten war. "Der Kindergarten bei den Franziskanerinnen ist anders als jener bei den Schotten oder in der Neulandstiftung."

Rund 6000 Wiener Kinder zwischen ein und 14 Jahren besuchen heute die Einrichtungen der KKTH. Zwei Drittel von ihnen sind katholisch, ein Drittel sind Angehörige anderer christlicher Konfessionen oder Religionen bzw. ohne religiöses Bekenntnis.

Ein Standort, an dem die Vielfalt schon immer besonders groß war, ist das Schulzentrum Friesgasse im 15. Wiener Gemeindebezirk, das im Geiste der "Schulschwestern von Unserer Lieben Frau" geführt wird. "Vielfalt ist nicht easy-going, sie erfordert Arbeit an der eigenen Position -und das kann Angst machen", weiß Sr. Karin Kuttner, langjährige Leiterin des Schulzentrums und nun Nachfolgerin von Sr. Petronilla im Vorstand der KKTH. "Gerade Bildungseinrichtungen wie die unsere haben deshalb immer bewusst ent-ängstigend gearbeitet."

"Man muss Vielfalt auch wollen"

Im Bildungszentrum Kenyongasse im siebten Wiener Bezirk hat man sich diesen Ansatz zum Vorbild genommen. "Vielfalt ist unsere Stärke" lautet das Motto des Zentrums, das von Kindern unterschiedlichster Religionen besucht und von der Kongregation der "Schwestern vom Göttlichen Erlöser" geführt wird. Schon die 1814 geborene Ordensgründerin, Elisabeth Eppinger, hat in ihrer Heimat Elsass zwischen Katholiken und Protestanten vermittelt -und wurde so zu einer frühen Botschafterin der Diversität. "Vielfalt ist etwas enorm Belebendes", betont Martin Pfeiffer, Geschäftsführer des Bildungszentrums und ebenfalls im KKTH-Vorstand vertreten. "Aber sie braucht Voraussetzungen und man muss sie auch wollen."

Ein großes Ziel -in Kindergärten ebenso wie in der gesamten Gesellschaft, in der Vielfalt immer mehr als Bedrohung und Störfaktor empfunden wird. Die Ordensgemeinschaften Österreichs haben deshalb -bestärkt durch ihre eigenen unterschiedlichen Charismen -das Motto "#VielfaltStärkt" ausgegeben. "Natürlich kann sich Vielfalt auch reiben, aber Reibung passiert auch in Monokulturen", meint Martin Pfeiffer dazu. "In der Vielfalt haben wir aber auch die Chance, Reibung in Nestwärme umzuwandeln. Wenn das gelingt, profitiert jeder davon."

Diese Seite eNtstannd in Kooperation mit den Ordens-Gemeischaften Österreichs. Die Redaktionell Verantwortung liegt bei Der Furche.

Die Verschiedenheit ist Reichtum. Der Kindergarten der Franziskanerinnen ist anders als jener der Schotten oder in der Neulandstiftung. (Schwester Petronilla)

Natürlich kann sich Vielfalt reiben, aber wir haben die Chance, Reibung in Nestwärme umzuwandeln. Wenn das gelingt, profitiert jeder davon. (Martin Pfeiffer)

Vor dem Haus in der Apostelgasse 5 im dritten Wiener Gemeindebezirk steht eine Menschentraube. Es sind überwiegend Männer, die zur täglichen "Armenausspeisung" gekommen sind und darauf warten, dass sich das große Tor ins Schulzentrum St. Franziskus öffnet. Im Durchgang ist auf einfachen Tischen das Essen gerichtet: Gemüsesuppe und Topfenstrudel mit Vanillesauce. "In den letzten Jahren sind immer mehr Menschen gekommen", erzählt Sr. Petronilla Herl im Vorübergehen. Aber die Nöte der Zeit zu sehen und jedem Menschen wertschätzend und auf Augenhöhe zu begegnen, gehöre eben zum Gründungsauftrag der "Schulschwestern vom 3. Orden des heiligen Franziskus".

Nicht nur gegenüber den Armen und Ausgegrenzten, auch in der pädagogischen Arbeit mit Kindern versucht der Frauenorden diese individuelle Wertschätzung zu leben. Rund 1500 Kinder und Schüler werden an drei Wiener Standorten begleitet, die Verwaltung hat 2001 ein eigener Schulverein übernommen, dem Sr. Petronilla vorsteht. Allein am Standort in der Apostelgasse sind u. a. ein Kindergarten, eine Volksschule mit Hort und ein Neue Mittelschule untergebracht. Ein paar Meter weiter, im "Haus Leo", hat man im vergangenen Herbst noch einen weiteren Kindergarten übernommen.

"Jedes Kind bringt etwas mit"

Gemüsesuppe und Topfenstrudel mit Vanillesauce stehen auch hier bereit; doch noch sind die Kinder damit beschäftigt, ihren je eigenen Handabdruck auf einem Osterei-Plakat zu finden, das in der Karwoche affichiert werden soll. Vor dem Essen wird auch noch gebetet. Dabei ist die Vielfalt unter den 20 Kindern fast so bunt wie auf dem Plakat: Viele von ihnen haben Migrationshintergrund, sie sprechen neben deutsch auch serbokroatisch, rumänisch, russisch, polnisch, arabisch oder ungarisch. Auch unterschiedliche Konfessionen und Religionen sind vertreten. "Vielfalt kann anstrengend sein", sagt die Elementarpädagogin Miroslava, die selbst aus der Slowakei stammt. "Aber sie ist auch eine Bereicherung, weil jedes Kind etwas Eigenes mitbringt." Um mit der zunehmenden kulturellen und religiösen Vielfalt gut umgehen zu können, orientiert man sich am interdiözesanen Leitfaden "Glaubwürdig und kulturreich", der von der KKTH mitentwickelt wurde, sowie am "Religionspädagogischen Bildungsrahmenplan", den die Wiener St. Nikolausstiftung und die Caritas Linz gemeinsam konzipierten.

"Einheit in der Vielfalt": Dieses Motto prägt nicht nur religiös sensible Kindergärten wie jenen in der Apostelgasse, sondern auch jene Organisation, zu der er gehört. Als 2009 in Wien der Gratiskindergarten eingeführt wurde, schlossen sich 26 Erhalter verschiedener Orden, kirchlicher Institute und ordensnaher juristischer Personen zur "Vereinigung Katholischer Kindertagesheime" (KKTH) zusammen.

Einheit in der Vielfalt

Wie bei der St. Nikolausstiftung, in der ebenfalls 2009 die Pfarrkindergärten der Erzdiözese Wien zusammengeführt wurden, wollte man dadurch die Kooperation mit der Stadt Wien erleichtern. Zugleich sollte den einzelnen Standorten aber größtmögliche Autonomie gelassen werden -zumal angesichts der unterschiedlichen Ordens-Charismen. "Diese Verschiedenheit ist wirklich ein Reichtum, den wir auch fördern", erklärt Sr. Petronilla, die von Beginn an im Vorstand der KKTH vertreten war. "Der Kindergarten bei den Franziskanerinnen ist anders als jener bei den Schotten oder in der Neulandstiftung."

Rund 6000 Wiener Kinder zwischen ein und 14 Jahren besuchen heute die Einrichtungen der KKTH. Zwei Drittel von ihnen sind katholisch, ein Drittel sind Angehörige anderer christlicher Konfessionen oder Religionen bzw. ohne religiöses Bekenntnis.

Ein Standort, an dem die Vielfalt schon immer besonders groß war, ist das Schulzentrum Friesgasse im 15. Wiener Gemeindebezirk, das im Geiste der "Schulschwestern von Unserer Lieben Frau" geführt wird. "Vielfalt ist nicht easy-going, sie erfordert Arbeit an der eigenen Position -und das kann Angst machen", weiß Sr. Karin Kuttner, langjährige Leiterin des Schulzentrums und nun Nachfolgerin von Sr. Petronilla im Vorstand der KKTH. "Gerade Bildungseinrichtungen wie die unsere haben deshalb immer bewusst ent-ängstigend gearbeitet."

"Man muss Vielfalt auch wollen"

Im Bildungszentrum Kenyongasse im siebten Wiener Bezirk hat man sich diesen Ansatz zum Vorbild genommen. "Vielfalt ist unsere Stärke" lautet das Motto des Zentrums, das von Kindern unterschiedlichster Religionen besucht und von der Kongregation der "Schwestern vom Göttlichen Erlöser" geführt wird. Schon die 1814 geborene Ordensgründerin, Elisabeth Eppinger, hat in ihrer Heimat Elsass zwischen Katholiken und Protestanten vermittelt -und wurde so zu einer frühen Botschafterin der Diversität. "Vielfalt ist etwas enorm Belebendes", betont Martin Pfeiffer, Geschäftsführer des Bildungszentrums und ebenfalls im KKTH-Vorstand vertreten. "Aber sie braucht Voraussetzungen und man muss sie auch wollen."

Ein großes Ziel -in Kindergärten ebenso wie in der gesamten Gesellschaft, in der Vielfalt immer mehr als Bedrohung und Störfaktor empfunden wird. Die Ordensgemeinschaften Österreichs haben deshalb -bestärkt durch ihre eigenen unterschiedlichen Charismen -das Motto "#VielfaltStärkt" ausgegeben. "Natürlich kann sich Vielfalt auch reiben, aber Reibung passiert auch in Monokulturen", meint Martin Pfeiffer dazu. "In der Vielfalt haben wir aber auch die Chance, Reibung in Nestwärme umzuwandeln. Wenn das gelingt, profitiert jeder davon."

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