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„Menschen wollen Freiräume ”

DIEFURCHE: Die Grünen haben zweimal den Sprung in den oberösterreichischen Landtag nicht geschafft W2s macht Sie so optimistisch, daß das Liberale Forum es schaffen wird? FlSCHER-KoRP: Ich merke, daß uns im Land sehr viel Sympathie entgegenkommt, daß wir mit unseren Ideen und unserem politischen Gestal tungswillen das treffen, was die Menschen brauchen. Es macht mich sehr zuversichtlich, daß ich überall orte, daß die Menschen in diesem Land auch eine Opposition wollen. Für die Verfilzung von Rot und Schwarz kann doch jeder Beispiele nennen. Wir wollen die Abschaffung der Proporzregierung, eine Straffung der Landesverwaltung und eine Durchforstung des Kompetenzdschungels. Wir wollen in vielen Bereichen Kntpolitisie-rung, die Politik muß Bahmenbedin-gungen vorgeben, den Menschen aber Freiheit bei den Entscheidungen und Raum für ihre Kreativität lassen.

Christa Fischer-Korp

über die Chancen des Liberalen Forums, neue Wege in der Lehrlingsausbildung und ihre Ablehnung des Kinderbetreuungsschecks.

DIEFURCHE Gesetzt den Fall, das Liberale Forum erreicht sein Ziel - Opposition-Sein im Landtag, das allein ist ja noch kein Programm. Um Ideen durchzusetzen, braucht eine kleine Partei Verbündete.

FISCHER-KORP: Unsere Verbündeten sind die guten Ideen, die konstruktiven Vorschläge, die wir auch im Landtag einbringen werden und an denen die Regierung nicht vorbeikommen wird. Auf Bundesebene werden Ideen des Liberalen Forums auch zuerst abgeschmettert, aber später dann doch aufgegriffen, ohne freilich immer die Urheberschaft deutlich zu machen. Gute Ideen brauchen Zeit, bis sie mehrheitsfähig sind.

DIEFURCHE: Wo sehen Sie in der Politik des Landes Oberösterreich wesentliche Punkte, die sie ändern möchten' FlSCHER-KoRP: Unser größtes Problem ist derzeit der Lehrstellenmangel. Hier hat man von Seiten der Politik jahrelang versäumt, durch bessere Rahmenbedingungen und neue Ideen gegenzusteuern. Jetzt versucht man wieder nur ein Umpumpen von Geldflüssen. Wir wollen eine gravierende Reform der Lehrlingsausbildung, damit Unternehmen wieder Gestaltungsraum haben.

DIEFURCHE: Wie soll die Lehrlingsausbildung künftig aussehe/P FlSCHER-KoRP: Erstens: Flexibilisierung von Arbeitszeit und Ausbildungsinhalten nach den Erfordernissen der einzelnen Branchen, auch die Möglichkeit, ein Lehrverhältnis leichter wieder lösen zu können, wenn der Lehrling nicht den Leistungsan forderungen entspricht. Mit den überzogenen Kündigungsbestimmungen - auch bei der Behindertenbeschäftigung - ruiniert man das System.

Zweitens: Unsere lehrlingsausbil dung entspricht zum Großteil nicht mehr den Anforderungen der Praxis und der Wirtschaft. Eine Änderung der Berufsbilder ist ein zäher Kampf mit den Kammern. Dabei haben wir in Osterreich gute Beispiele von Unternehmen, die das für ihren Bereich gemacht haben und mit Erfolg „Lehrlinge nach Maß” ausbilden, die sie dann auch behalten.

Drittens: Wir wollen die Lehre aufwerten als dritte Säule der Bildungspolitik. Sie soll durch Ausbildungsmodule fortgesetzt werden können bis zur Fachhochschul- oder Universitätsreife. Dazu gehört aber eine umfassendere Ausbildung in der Berufsschule, zum Beispiel auch Fremdsprachen. Die Ausbil-dung in der Schule gehört geblockt, wie das in manchen Branchen schon üblich ist. Der Unternehmer weiß dann, zu welcher Zeit er den Lehrling zur Verfügung hat, und er ist während der Schulzeit finanziell nicht für ihn verantwortlich.

Ein weiteres wichtiges Thema ist die Flexibilisierung der Arbeitszeiten. Auch in Hinblick auf die beruflichen Chancen der Frauen. Aber auch die Wirtschaft braucht die Flexibilität nach Auftragslage mit Durchrechnungszeiten innerhalb eines Jahres. Es soll mir keiner erzählen, daß das, was für den Betrieb gut ist, für den Arbeitnehmer immer schlecht ist.

DIEFURCHE: Ihre persönlichen Interessenschwerpunkte im Wahlkampf sind Vzrkehrspolitik, Gesundheit und Frauenpolitik Gesundheit und Frauen sind Bereiche, die man meist den weiblichen Politikern zuschreibt, warum aber gerade Verkehr? FlSCHER-KoRP: Jeder, der mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, sieht, wie wenig attraktiv diese sind, und wer mit dem Auto ständig im Stau steckt, weiß auch, daß auf dem Sektor Verkehr etwas passieren muß. In Oberösterreich hat der Individual-verkehr die größte Zuwachsrate, der öffentliche Verkehr stagniert. Hinter der Einführung des Verkehrs Verbundes, die mit größeren Schwierigkeiten angelaufen ist, stand keine politische Entscheidung, sich die besten Laute für diese Arbeit zu holen. Ich habe die Forderung gestellt, ein unabhängiges Verkehrsbüro zu schaffen, das Vorschläge für regionale Strukturen aufbauen soll. Ich halte etwa den Parallelverkehr von Schiene und Bus für einen Unsinn, wie es bei der Mühlkreisbahn der Fall ist. Busse sollten vielmehr die Zulieferung zur Schiene machen, die Leute zur Bahnstation und bis möglichst nahe vor die Haustüre bringen.

DIEFURCHE: Ihre Vorstellungen im Gesundheitswesen?

FISCHER-KORF: Ich habe mich schon lange dafür eingesetzt, daß das lei-stungsbezogene Abrechnungssystem kommt, mit einem Gesamtkonzept für ganz Oberösterreich. Niemand hat die einzelnen Krankenhäuser aufgeklärt, wie ökonomisch gewirtschaftet und sinnvoll gespart werden soll. Wir wollen, daß endlich so Politik gemacht wird, daß die Menschen mit den Vorgaben auch zurechtkommen.

Ich halte es auch für den falschen Weg, nur auf das Abschieben der Menschen in Pflegeheime zu setzen.

Die Lebensqualität der zu Pflegenden oder von älteren Menschen nimmt dadurch ab. Man müßte vielmehr die vielen bestehenden, gut und kostengünstig arbeitenden Privatinitiativen in ein Gesamtkonzept von Gesundheits-, Pflege- und Altenbetreuungssystem einbinden. Wir Liberale wehren uns massiv gegen den Staatsdirigismus. Wir glauben, daß die Gesellschaft sich selbst organisieren kann, denn Freiheit und Verantwortung gehören für uns untrennbar zusammen.

DIEFURCHE: In der Frauenpolitik wird derzeit über den Kinderbetreuungsscheck diskutiert Was halten Sie davon?

FISCHER-KORP: Dem stehe ich skeptisch bis ablehnend gegenüber. Wir wollen für den einzelnen die wirkliche Freiheit der Wahl in der Art der Kinderbetreuung. Natürlich bin ich dafür, daß Frauen auch zu Hause bleiben können, wenn sie wollen. Uns schwebt da eher ein Modell der Grundsicherung vor, das auf eine Negativsteuer hinausläuft und das wir im November vorstellen wollen. Wir wollen nicht, daß der einzelne in Abhängigkeit von Institutionen und Staat kommt. Das unterbindet andere Initiativen. Für Frauen mit Kindern wollen wir eine flexible Arbeitszeit politisch umsetzen und die Möglichkeit einer flexiblen Kinderbetreuung, die auch über Privatinitiativen läuft.

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