Miteinander statt Machtgehabe

Projekte wie "Junior Company", die auch die Sozialkompetenzen fördern, hängen häufig vom Engagement einzelner Lehrkräfte ab. "Die Vermittlung sozialer Kompetenz an den Schulen wird noch zu stark dem Zufall überlassen", kritisiert Franz Hofmann, Professor für Bildungswissenschaft, Schulforschung und Schulpraxis an der Uni Salzburg. Denn ob und wie soziale Kompetenz unterrichtet wird, ist von Schule zu Schule unterschiedlich. An den humanberuflichen Schulen und den Handelsakademien gibt es das Fach "Persönlichkeitsbildung und soziales Lernen". An den AHS wird es nur vereinzelt in Rahmen der schulautonomen Stundengestaltung angeboten. Ob man also an allen Schultypen ein solches Fach einführen sollte? Bei den Lehrern bestünde die Gefahr der Delegationsmentalität, meint Hofmann: "Also, dass etwa Mathematiker meinen, sie müssten sich nicht um Sozialkompetenzen bemühen, weil es dafür eh ein Fach gibt." Der Schulexperte hält es für eine wichtige Schulentwicklungsaufgabe, dass der gesamte Lehrkörper ein gemeinsames Programm zur Förderung sozialer Kompetenzen erstellt. Denn der Umgangston unter den Schülern ist rauer geworden. "Der Hang zur Selbstdarstellung hat dank Selfie-und Youtube-Kultur klar zugenommen. Da geht es oft nicht mehr um das Miteinander, sondern um Macht", sagt Hofmann.

In punkto Macht müssten auch die Pädagogen, die meist als Einzelkämpfer im Schulsystem agieren, umdenken und reflektieren, wie sie mit ihrer eigenen Macht und mit Konflikten umgehen. Der Aufgabe des sozialen Lernens könne sich die Schule jedenfalls nicht entziehen, nachdem im Unterricht unweigerlich soziale Prozesse ablaufen: "Da braucht es nicht einmal eigene Methoden", weiß Hofmann, "denn was in den Stunden oder in den Pausen passiert, bietet viel Stoff, um zu zeigen, wie man mit Macht und Ohnmacht integrativ umgehen kann, ohne Sündenböcke zu produzieren."

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