Niederösterreich ist Spitzenreiter

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Das Bundesland Niederösterreich ist bei Unternehmensgründungen absoluter Spitzenreiter. Theodor Zeh, Direktor der Wirtschaftskammer Niederösterreich nennt die Gründe des Aufschwungs.

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Das Bundesland Niederösterreich ist bei Unternehmensgründungen absoluter Spitzenreiter. Theodor Zeh, Direktor der Wirtschaftskammer Niederösterreich nennt die Gründe des Aufschwungs.

dieFurche: Niederösterreich befindet sich wirtschaftlich auf der Überholspur. Welche Gründe hat das?

Theodor Zeh: Ein Hinweis für den hervorragenden Wirtschaftsstandort Niederösterreich ist die Zahl der Gründungen von Unternehmen in den letzten zehn Jahren. Sie ist um 42 Prozent gestiegen. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 30 Prozent. Das heißt, die Unternehmensgründungen in Niederösterreich erfolgten überproportional. Das ist für uns natürlich ein Erfolgsnachweis. Die verschiedensten Maßnahmen, die wir gesetzt haben, etwa der Abbau von Bürokratie bei Unternehmensgründungen, kompetente Beratung und die verstärkte Zusammenarbeit mit der Landesregierung, greifen.

Natürlich, und da muß man auch ehrlich sein, ergibt sich das auch daraus, daß eine große Zahl von Unternehmen in Wien keine ausreichende Entwicklungsmöglichkeiten mehr haben und daher ins Umland ausweichen. Darum gehören auch die Bezirke Wien Umgebung, Schwechat und Mödling zu den wachstumsstärksten Regionen. Aber auch die Regionen St. Pölten und Amstetten haben sich hervorragend entwickelt. Insgesamt heißt das für uns, daß Unternehmen Niederösterreich als einen guten Standort schätzen.

Aber auch bei der Konjunkturentwicklung liegen wir rund 0,5 Prozent über dem Bundesschnitt. Nach Wirtschaftsprognose wird das Wachstum für 1998 in Niederösterreich über drei Prozent betragen.

Auch konnten wir letztes Jahr einen neuen Beschäftigungsrekord verzeichnen. Natürlich ist auch in Niederösterreich die Arbeitslosenrate leicht angestiegen, sie wird voraussichtlich erst 1999 wieder sinken. Der Grund für diese Differenz ist, daß immer mehr Menschen auf den Arbeitsmarkt strömen, etwa Frauen, Teilzeitarbeitskräfte und Ausländer mit entsprechender Beschäftigungsgenehmigung. Aber die absolute Beschäftigungszahl, die an und für sich die Dynamik eines Wirtschaftsraumes anzeigt, ist steigend.

Ähnlich ist es bei den Lehrstellen. Während in anderen Bundesländern, etwa in Wien, die Problematik eine hohe ist, ist bei uns das Angebot an offenen Lehrstellen um 590 höher als nachgefragte Lehrplätze. Wir haben damit ein Überangebot an Lehrstellen. Das heißt natürlich nicht, daß es in manchen Bereichen, etwa bei Automechanikern, Friseuren oder im Bereich Einzelhandelskaufmann, mehr Lehrstellensuchende gibt, als Plätze vorhanden sind, weil in diesen Modeberufen halt nicht alle unterkommen können. Aber auch hier beraten wir die jungen Menschen.

dieFurche: Lebenslange Weiterbildung wird immer wichtiger. Welchen Beitrag leistet die Wirtschaftskammer Niederösterreich dazu?

Zeh: Weiterbildung wird tatsächlich immer wichtiger. In unserem Wirtschaftsförderungsinstitut haben 1997 in ganz Niederösterreich rund 37.000 Teilnehmer die verschiedensten Kurse besucht. Das ist ein Anstieg gegenüber dem Vorjahr von 14 Prozent. Grund für diese gute Entwicklung ist, daß wir nicht nur in unserer Zentrale, dem Lehr- und Werkstättengebäude in St. Pölten, schulen, sondern wir haben in ganz Niederösterreich Niederlassungen. Wir gehen mit unseren Kursen zu den Mitgliedern, zu den Betrieben.

dieFurche: Welche Weiterbildungskurse werden von der Wirtschaftskammer angeboten?

Zeh: Wir bieten eine Vielzahl von Kursen an. Das beginnt mit EDV-Schulungen und geht bis hin zu Buchhaltungs- oder Personalverrechnungskursen. Daneben gibt es eine große Auswahl an praktischen Kursen. Um ausgefallene zu nennen: Stapler-, Kranführer- oder Schweißkurse. Es ist uns wichtig, daß die Unternehmen Mitarbeiter haben, die auf dem letzten Stand der Technik sind. Nicht alle Betriebe haben die Möglichkeit, Weiterbildung im eigenen Betrieb zu realisieren. Deshalb bieten wir solche Kurse gesammelt für ganz Niederösterreich an.

Das Gespräch führte Monika Kunit.

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