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Notizen

Das Kulturamt der Stadt Linz, das für Ende Mai eine Woche moderner Kunst mit repräsentativen Veranstaltungen plant, hat die „g r u p p e junger autoren“ eingeladen, ihr zweites Dreiländertreffen im Rahmen dieser Woche in Linz abzuhalten. Auf der Tagung werden bekannte deutsche und österreichische Autoren zu ihren jungen Kollegen aus Deutschland, der Schweiz und Oesterreich sprechen. So hat Rudolf Henz bereits zugesagt, ein Referat über „Dichtung und Reportage“ zu halten. Hans Weigel hat sich für das Thema „Warnung vor dem Film“ entschieden. Eine Reihe österreichischer Verlage sowie zwei Rundfunkstationen haben ihre Teilnahme fest zugesagt.

Die „Grüne Front“, die bekanntlich für die Erhaltung und den Wiederaufbau der Wälder unserer Heimat, für den Schutz der Gewässer sowie für alle Maßnahmen zur natürlichen Landschaftserhaltung eintritt, führte kürzlich mit prominenten Wissenschaftlern, Wirtschaftsexperten und Vertretern des kulturellen Lebens Besprechungen, deren Gegenstand die Bildung eines „Obersten Landschaftsrates“ ist. Der Zweck dieser Institution soll sein, über die Erhaltung der Landschaft au wachen und die Kontrolle über die Bewirtschaftung jenes Nationalvermögens, das in Form der Naturschätze des Landes vorhanden ist, derart auszuüben, wie dies verfassungsrechtlich zum Beispiel der Rechnungshof hinsichtlich der finanziellen Gebarung aller staatlichen Institutionen vollzieht. Die Notwendigkeit eines „Obersten Landschaftsrates“ wird von der „Grünen Front“ mit dem Hinweis begründet, daß gegenwärtig die biologischen Daseinsgrundlagen ohne Rücksichtnahme auf die Lebensnotwendigkeiten künftiger Generationen skrupellos ausgebeutet und verbraucht werden und damit der „Mord an der Zukunft“ bereits zur Tatsache geworden ist.

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Thornton Wilder, der unter allen modernen amerikanischen Schriftstellern wohl am tiefsten der abendländisch-europäischen Tradition verbunden ist, gab bei seinem Deutschland-Besuch in München „Sechs Ratschläge für junge A u t o r e n“. Diese Handwerksregeln für Schriftsteller, die selbstverständlich klingen, sich aber keineswegs alle von selbst verstehen, lauten: 1. Führe stets ein Tagebuch! (Zum eigenen Gebrauch, nicht zur Veröffentlichung!) — 2. Versuche nicht, originell zu sein! — 3. Suche deine Freundschaften und Stoffe unter möglichst verschiedenen Menschen, keinesfalls nur in Schriftstellerkreisen! — 4. Laß dich bei der Arbeit nicht von Verzweiflung übermannen! — 5. Schreibe nur über Gegenstände, die du souverän beherrscht! — 6. Schließe beim Schreiben alles aus, was Einflüsterung von außen ist, also Rücksicht auf Erfolg, Publikum, literarische Mode!

Ein Jugendrichter in Frankfurt am Main verpflichtete in seinem Urteil einen wegen Diebstahl angeklagten Jugendlichen zum Besuch von vier guten Theatervorstellungen bis zum 1. Juni dieses Jahres. Der Jugendliche, der nach Ablauf dieser Frist dem Richtet Bericht zu erstatten hat', gab an, durch den Besuch von Kriminalfilmen zu dem Diebstahl angeregt worden zu sein.

Nach dem in Bonn erscheinenden „Hochschuldienst“, der Informationen aus dem wissenschaftlichen Leben zusammenstellt, werden heute innerhalb Deutschlands 760 wissenschaftliche Zeitschriften publiziert, wodurch der Bestand an wissenschaftlichen Zeitschriften im Jahre 193? noch um 13% unterschritten wird. Gegenwärtig ist nach Erhebungen der Deutschen Forschungsgemeinschaft in vielen Fächern eine Ueber-besetzung mit Zeitschriften zu beobachten, während in manchen Gebieten noch ein ausgesprochener Mangel herrscht. Von den 867 vor dem Kriege erschienenen Zeitschriften wurden 410, also 47%, nicht wieder aufgenommen. Mit ihnen sind viele Blätter von jahrzehnlanger Tradition für immer verlorengegangen. Nach den Darlegungen des „Hochschuldienstes“ haben die medizinischen Fachgebiete verhältnismäßig günstig abgeschnitten; nur 26% der früheren medizinischen Zeitschriften werden nicht mehr verlegt. Inzwischen erfolgte Neugründungen haben aber das medizinische Zeitschriftenwesen wieder auf seinen alten Stand gebracht. In den Geisteswissenschaften, den Naturwissenschaften und der Technik ist rund die Hälfte der früheren Publikationen nicht mehr aufgenommen worden. Am stärksten betroffen wurden die landwirtschaftlichen Publikationen, von denen über 60% nicht mehr neu verlegt werden. Eine Reihe von Fächern verfügt jedoch heute über eine größere Zahl von Zeitschriften als vor dem Kriege.

Der bulgarische Ministerpräsident Valko Tscherwenkoff sprach auf einer Tagung von Funktionären über die „Arbeit an der kulturellen Fron t“. Tscherwenkoff betonte, daß auch hier Mißstände herrschen. Insbesondere die Ausbildung von Kadern für die Wirtschaft lasse zu wünschen übrig. Durch diesen Mangel sei die organisatorische Arbeit auf allen Gebieten erschwert. Ferner sei insbesondere die Intelligenz noch nicht ganz frei von der bürgerlichen Ideologie. Die theoretische marxistisch-leninistische Ausbildung müsse daher verbessert und intensiviert werden. Den Künstlern wird vorgehalten, daß sie den Sinn der Kritik noch nicht erfaßt hätten; es seien Fälle vorgekommen, daß zum Beispiel Dichter, deren Werke kritisiert wurden, sich in Schweigen hüllten, statt mit doppeltem Eifer an die Umarbeitung ihrer Werke zu gehen.

Vom 8. bis 11. Alärz tagten in Rom die Vertreter von 31 internationalen katholischen Organisationen. Diese Konferenz, die mehrere gemeinsame Dienste, wie das „Secretariat permanent“, geschaffen hat, ist selbst eine bedeutende zwischenstaatliche Institution, deren Statuten vom Heiligen Stuhl bestätigt sind. Ihr gehören u. a. an die „Union Mondiale des Organisations Feminines Catholiques“ mit 36 Millionen Mitgliedern und die „Föderation Internationale des Jeunesses Feminines Catholiques“ mit 10 Millionen Mitgliedern, ebenso aber auch zahlenmäßig vergleichsweise begrenzte, jedoch höchst einflußreiche Institutionen wie die „Commission Permanente des Editeurs de Journaux Catholiques“. Wie uns unser geschätzter Mitarbeiter, der bewährte Leiter des „Secretariat permanent“, Jt P. Dubois-Dumee berichtet, waren in Rom von der Television bis zu den christlichen Hilfswerken alle Gebiete in dem weiten Gesamtrahmen vertreten. Ihrem Zusammenwirken dient die alljährliche große Konferenz. Im Mittelpunkte der diesjährigen Tagung standen u. a. die großen Zeitprobleme des Friedens, der materiellen Not, der Kirchenverfolgungen, des Priestermangels und der Folgen der fortschreitenden Industrialisierung.

Eine in der Militärgeschichte wohl ohne Beispielt dastehende Meldung stellt der Widerruf einer Siegesmeldung nach über zehn Jahren dar. Das italienische Verteidigungsmini-sterium korrigierte eine Sondermeldung aus dem Jahre 1942, wonach Kapitän Eozo Grossi mit seinem U-Boot die beiden amerikanischen Schlachtschiffe „Mississippi“ und „Maryland“ versenkt haben sollte. Die Besatzung hatte sich vermutlich infolge der schlechten Sichtverhältnisse geirrt, sagt . das Ministerium, und stornierte die dem Kommandanten verliehenen Orden.

Die kommunistische Pariser Abendzeitung „Ce Soir“ hat ihr Erscheinen eingestellt, nachdem ihre Auflage von 600.000 im Jahre 1946 auf 107.000 gefallen war. In diesem Zusammenhang wird bekannt, daß gegenwärtig nur noch 16 der 30 nach dem Kriege gegründeten Zeitungen der KP Frankreichs erscheinen.

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