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Pascha maß jetzt die Küche putzen

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Frauenministerin Helga Konrad will die Männer per Gesetz dazu verdonnern, im Haushalt endlich mehr anzupacken (siehe dazu auch Seite 10).

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Frauenministerin Helga Konrad will die Männer per Gesetz dazu verdonnern, im Haushalt endlich mehr anzupacken (siehe dazu auch Seite 10).

diefurche: Sie haben mit Ihrem Projekt, die Männer per Gesetz zu mehr Hausarbeit zu verpflichten, großen Wirbel ausgelöst Worum geht es genau?

Frauenministerin Helga Konrad: Es geht um eine konkretere, verpflichtende Verankerung der „Versorgungsarbeit” für den Ehegatten. Wenn beide Partner berufstätig sind, soll auch die Versorgungsarbeit gemeinschaftlich geteilt werden. Dazu gehört nicht nur die Hausarbeit, sondern auch die Pflege von Familienangehörigen und die Kindererziehung. Mit der Familienrechtsreform wurde das Prinzip der partnerschaftlichen Ehe zwar im Ehe- und Familienrecht verankert, doch die praktische Aufteilung hat sich in der Praxis noch nicht durchgesetzt. Mir ist aber klar, daß wir noch viele bewußtseinsbildende Maßnahmen setzen und eine Art öffentliche Diskussion führen müssen, denn es gibt noch viele Widerstände und viel Unverständnis. Der zentrale Punkt für mich ist: wenn sich nichts ändert, sondern die bezahlte und unbezahlte Arbeit so ungleich verteilt bleibt wie jetzt, dann ist das ein wirkliches Problem für die Frauen. \ Natürlich wird jetzt immer argumentiert, das sei ein privater Bereich, den sich die Partner selberregeln sollten. Da stimmt aber nicht, denn der private Bereich hat Auswirkungen auf den beruflichen und den öffentlichen Bereich. Wenn Frauen weiterhin doppelt und mehrfach belastet sind, dann bleiben sie sogenannte unsichere Arbeitnehmerinnen. Das hat wiederum Auswirkungen auf die gesamte Lebensbiographie von Frauen. Und genau das ist der springende Punkt.

DieFurche: Trotzdem - warum muß gleich gesetzlich geregelt werden, in welchen Bereichen der Mann nun mit anpacken muß?

KONRAD; Ja, wie denn sonst? Es gibt Gesetze zur Gleiehbehandlung wie-eines für die Privatwirtschaft oder das Bundesgleichbehandlungsgesetz. Trotzdem sind die Frauen in der Praxis nicht gleichberechtigt. Wenn sie zum Beispiel arbeiten gehen, dann suchen sie Teilzeitbeschäftigungen beziehungsweise Arbeitszeitformen, wo sie alles unter einen Hut bringen können, nämlich Kindererziehung und Hausarbeit.

Ich glaube, daß Gesetze auch Signalcharakter haben und eine Bewußtseinsveränderung bewirken. Sie haben eine normative Kraft, und darum versuche ich, das festzuschreiben.

dieFurche: Bewußtseinsbildung über die Rechtsordnung? Ist dieser juristische Ansatz nicht ein typisch männlicher?

KonraD: Ein Beispiel: Wir haben in Gesetzen festgeschrieben, daß wir gegen-Gewalt sind. Wir möchten nicht, daß es Gewalt in der Familie und bei der Erziehung gibt. Auch damals haben viele Männer gesagt: Wie ich mit meiner Frau und den Kindern zu Hause umgehe, ist meine Sache. Und auch damals hieß es: Soll die Polizei die Schlafzimmer überprüfen? So viel Gewalt gibt es in Wirklichkeit ja gar nicht in der Familie! Aber - eben weil wir das in Gesetzen festgehalten haben - änderte sich auf der einen Seite das Verhalten der Männer und auf der anderen Seite nehmen sich die Frauen auch den Mut, klar zu sagen, was sie sich nicht mehr gefallen lassen werden. Eine ähnliche Diskussion haben wir auch bei der Frage Vergewaltigung in der Ehe geführt. Man sieht: Wenn es ans Eingemachte geht, fangen wir immer mit solchen Diskussionen an.

Es stimmt natürlich schon, daß die Juristenkultur eine typisch männliche ist. Deshalb werden die ganzen gesetzlichen Änderungen auch von Juristinnen gemacht. Die sehen die praktische Problematik, ziehen sich nicht auf das rein Formale wie die Männer zurück. Die kämpfen in ihrem Bereich genau so gegen männlichen Sichtweisen wie in allen anderen Bereichen auch.

diefurche: Wieso wollen Sie darüber hinaus die männliche Bequemlichkeit im Haushalt auch als Eheverfehlung und damit als Scheidungsgrund bewertet wissen?

KonraD: Weil immer noch die gesetzliche Regelung so ist, daß Männer die Vernachlässigung des Haushaltes durch die Frau als Scheidungsgrund einbringen können.

diefurche: Ist das noch relevant? Gibt es nicht ohnehin schon Bestrebungen, die Verschuldensfrage bei Scheidungen abzuschaffen? Es soll nicht mehr festgestellt werden, wer von den beiden schuldiger ist als der andere. konrad: Natürlich kann man auch darüber diskutieren, ob man vom Verschuldensprinzip nicht weggehen soll. Aber das ist eine komplizierte Frage, denn da müßte man sozusagen unterhalb alles regeln, also Unterhaltszahlungen und ähnliches. Das ist eine sehr komplexe Sache, aber für diesbezügliche Diskussionen bin ich offen. Ich sage noch einmal, die Frage der Reteiligung an der partnerschaftlichen Haushaltsführung ist ja nur ein Punkt dessen, was ich vorhabe. Wir wollen in etlichen Paragraphen festschreiben, was unter partnerschaftlicher Lebensführung zu verstehen ist.

dieFurche: Sie versuchen also nicht,

Helga Konrad:

Es gibt noch sehr viele Widerstände gegen meine Pläne.Wir werden noch eine öffentliche Diskussion führen müssen.

schon jetzt ganz bewußt der Aufhebung der Verschuldensfrage gegenzusteuern? WIre das nicht für diejenigen Frauen, die tatsächlich schuldlos verlassen werden, wichtig? KonraD: Dazu kann ich Ihnen noch keine Antwort geben. Diese Frage wird erst diskutiert, da gibt es noch nichts Konkretes.

dieFurche: Wie konkret soll die Pflicht zur Haushaltsarbeit aufgeteilt werden ? 50 zu 50 oder wie sonst? KonraD: Es wäre schön, wenn 50 zu 50 möglich wäre. Wie die Ehepartner ihr Zusammenleben gestalten, bleibt natürlich noch immer eine individuelle Angelegenheit. Das ist keine Frage. Das wird nicht genau festgelegt, weil es sich auch nicht messen läßt. Der Gesetzgeber hält nur fest, was er unter einer partnerschaftlichen Aufteilung versteht. So etwas Neues ist das Ganze ja auch wieder nicht, denn im Ehe- und Familienrecht befindet sich diese Verpflichtung in Form eines Satzes ja schon drinnen. Wir wollen sie nur konkreter in einem Pflichtenkodex festhalten.

dieFurche: Warum lehnen die ÖVP-Frauen Ihren Vorschlag eigentlich ab? KonraD: Das frage ich mich auch. Die Reaktionen habe ich jetzt zwar hingenommen, wir werden aber noch Gespräche führen. Es ist allerdings nicht so, daß ich die ÖVP-Frauen frage, ob ich mir was denken darf, oder was ich für wichtig halte. Natürlich versuche ich, alle zu überzeugen, wenn es konkreter wird. Ich kann zwar eine Textierung vorschlagen, aber ich kann sie weder durchsetzen, noch sonst etwas. Ich brauche immer alle anderen dazu. Daher muß ich viele Kontakte pflegen.

dieFurche: Es war zu lesen, daß sich alle männlichen Politiker im Parlament weigerten, mit Ihnen über das Thema zu sprechen KonraD: Das ist eine Zeitungsente. Ich habe nur gesagt, daß diese Frage ein Arbeitsschwerpunkt von mir ist. Dazu habe ich einige Vorstellungen öffentlich geäußert. Nicht mehr und nicht weniger. Ich habe keinen Mann gefragt, ob ich das darf oder nicht.

diefurche: Wns sagen Sie denn zu den innerkirchlichen Auseinandersetzungen um Frauendiskriminierungen? Interessiert Sie das überhaupt? konrad: Ja natürlich, wie andere Diskriminierungen von Frauen auch. Wir haben auch immer wieder intensiven Kontakt mit der Katholischen Frauenbewegung, die oft unterstützend wirkt und Problematiken oft ähnlich sieht wie ich.

DieFurche: Werden Sie sich in die Diskussion einmischen? KonraD: Die gesamte Arbeit, die ich in Richtung Gleichstellungspolitik betreibe, kommt natürlich auch katholischen Frauen zugute. Aber ich müßte schon aufgefordert oder eingeladen werden, hier besonders etwas zu tun. Ich glaube nicht, daß es Sinn hat, mich dort einzumischen.

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