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Finnland will nun also die Schulfächer abschaffen: Um für die Zukunft fit zu werden, soll heuer erstmals landesweit die Lehrmethode "Phänomen-basiertes Lernen" (PBL) angewendet werden, die klassische Unterrichtsfächer langfristig obsolet machen könnte. In den möglichst fächerübergreifenden und kollaborativen Einheiten will man vor allem die Beobachtungsgabe schulen, heißt es: Denn wer genau hinschauen könne, sei später besser für Fake News und andere Späße gewappnet.

Man muss das Abrücken von klassischen Lehrinhalten nicht zwingend großartig finden -ja, man kann sogar, wie der Philosoph und Medienwissenschafter Norbert Bolz unlängst im Magazin Cicero, den Teamgeist als "den größten Feind des Geistes" betrachten und sich lieber mehr Altgriechisch und "faktenbasiertes Lernen" statt irgendwelcher "Lernen lernen"-Kurse wünschen: Aber die Verve, mit der Finnlands Schulpolitik zur Tat schreitet, ringt einem schon Respekt ab.

In Österreich herrscht indes ein reichlich ungesunder, sadistischfatalistischer Spieltrieb vor: Jahrelang haben sich SPÖ, ÖVP und Gewerkschaft im bewährten Mikado-Stil auf das möglichst bewegungsarme Ziehen gegnerischer "Giftzähne" konzentriert - mit dem Ergebnis eines zahnlosen Minimalkompromisses namens Schulautonomie-Paket (vgl. letzte FURCHE). Nun, da sowohl Grüne als auch Blaue ihre Hilfe zur nötigen Zweidrittelmehrheit im Parlament an Bedingungen knüpfen, die entweder für "die neue Volkspartei" (gemeinsame Schule in ganz Vorarlberg) oder für die SPÖ (reine Ausländerklassen für Kinder mit nicht ausreichenden Deutschkenntnissen) inakzeptabel sind, hat man rechtzeitig vor Ende der Beschlussfassungsfrist am 7. Juni auf den Modus "Schwarzer Peter" umgeschwenkt.

Sebastian Kurz hat dabei die besseren Karten: Platzt das Paket, einigt sich eine türkis-blaue Regierung eher auf Bildungsfragen als eine rot-blaue Koalition. Übrig bliebe Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ), die vor ziemlich genau einem Jahr als damals noch parteifreie Rektoren-Chefin angetreten ist, die Schule "neu zu erfinden". Sie wird dieser Tage voll Frust und Staunen nach Finnland blicken. Man kann es ihr nicht verübeln.