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Sommerzeit -Streberzeit

1945 1960 1980 2000 2020

Der Sprachreise-und Nachhilfemarkt boomt - auch in Westösterreich, hier Streiflichter auf das Salzburger Angebot.

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Der Sprachreise-und Nachhilfemarkt boomt - auch in Westösterreich, hier Streiflichter auf das Salzburger Angebot.

Ein schlechter Schüler wird auch in vier Wochen in England nicht Englisch lernen.” Eine erstaunliche Bemerkung aus dem Munde eines „Sprachreiseleiters”. Günther Schrenk ist der Salzburg-Geschäftsführer der „SFA-Sprachreisen”. Seit 27 Jahren organisiert „SFA-Sprachreisen” „Schülerferien im Ausland”.

„Wir sind mit 7.000 Reisenden pro Jahr der größte Veranstalter in Österreich”, berichtet Günther Schrenk. „Unsere Sommerkurse sind keine spezielle Vorbereitung auf eine Nachprüfung. Sie sind vielmehr für Schüler gedacht, die verstehen wollen, warum sie eine Fremdsprache lernen.” „SFA-Sprachreisen” bietet betreute Flugreisen nach England, Irland, Frankreich, Malta, Kanada und Amerika an. Unterrichtsdauer und Gruppengröße variieren je nach Kursart. Die Jugendlichen sind bei Gastfamilien untergebracht. Eine besondere Form sind Unterbringung und Unterricht bei einer englischen Lehrerfamilie. Ein 22-Tagekurs in London/Green-wich kostet zum Beispiel 13.480 Schilling. Ein 29tägi-ger Französisch-Kurs in Saint Malo und Paris kommt auf 18.690 Schilling.

Stil statt pauken

„Österreichische Lehrer betreuen die Kinder in der Freizeit und übernehmen vor Ort ein Drittel des Unterrichts, weil sie besser in der Lage sind, auf die österreichischen Lehrpläne einzugehen”, meint Günther Schrenk. Für Besichtigungen und Ausflüge gebe es ein Standardprogramm, welches „aber genug Zeit läßt für individuelle Bedürfnisse und Interessen”.

Die Beaufsichtigung ist streng: „Natürlich würden.die Jugendlichen gerne einmal etwas auf eigene Faust unternehmen. Aber sie können eine Großstadt mit acht Millionen Einwohnern nicht abschätzen.”

„Selbstkontrolle” ist in diesem Unternehmen groß geschrieben: So füllen zum Beispiel alle Schüler nach drei Tagen einen Fragebogen über ihre Gastfamilie aus: „Nur durch persönlichen Kontakt und ständiges Überprüfen können wir jenen Standard bieten, der garantiert, daß unsere Kunden auch wiederkommen.” „SFA-Sprachreisen” ist Mitglied des „Verbandes österreichischer Studien-und Sprachreisenveranstalter”, deren Angebote regelmäßig von einem Beirat, in dem das Bundesministerium für Unterricht und Kunst vertreten ist, überprüft werden.

Das „English Institute Salzburg” ist noch eher ein „Newcomer” unter den Salzburger Sprachschulen. Es wurde 1980 von Andrew R. Kidman gegründet. Der Leiter hat ein Sprachen- und Pädagogikstudium an der Universität Cambridge absolviert, selbst an englischen und österreichischen Schulen unterrichtet und mehrere Lehrbücher für die Handelsakademie verfaßt.

Die Bilder in Mister Kid-mans Büro, feierliche Prozessionen von Universitätsmitgliedern in Talar und Barett, Studenten in Ruderbooten auf dem Cambridge River, ehrwürdige College-Gebäude, vermitteln einen kleinen Einblick in die Unternehmensphilosophie: Hier werden keine Paukerkurse angeboten, hier wird mit Stil und Lebensgefühl geworben.

Andrew Kidman über sein

„Unterrichtsziel”: „Jede Schülerin und jeder Schüler wird von einem Auslandsaufenthalt profitieren, Eindrücke sammeln, andere Perspektiven gewinnen. Unsere Kurse sind allerdings am effektivsten für relativ gute Schüler. Unser Ziel ist es, ohne Notendruck das Sprachgefühl zu wecken und die aktive Kommunikation zu verbessern.” Das „English Institute” biete auch schulspezifische Kurse während des Jahres in Salzburg an. Aber es gebe, so Kidman, seit zehn Jahren eine eindeutige Tendenz: „Immer mehr wollen nach England.

Die Bereitschaft der Eltern, Geld dafür auszugeben, ist gestiegen.”

In den Kursen unterrichten ausschließlich Pädagogen, deren Muttersprache Englisch ist: „Die Jch-zeig's-euch-mal'-Einstellung mancher Lehrer brauchen wir als nati-ve-speakers nicht”, betont Andrew Kidman und übt Kritik am herkömmlichen Notensystem: „Das negative Bewertungssystem ist unproduktiv. Bevor sie Fehler machen, sagen viele Schüler lieber gar nichts.” Mit dem Notendruck falle auch die Angst vor Fehlern weg, kommunikative Entfaltung werde möglich.

Der Kursort in England ist Cambridge. Die Teilnehmer werden in Gastfamilien untergebracht. Der Unterricht umfaßt drei Stunden täglich. Die Schüler werden nach einem Einstufungstest in kleine Lerngruppen (sieben bis acht Schüler) eingeteilt. Drei Wochen Aufenthalt kosten 17.490 Schilling. Im Preis inbegriffen sind Flüge, Unterkunft, Vollpension, Ausflüge, Lernmateriäl, Unterricht, Freizeitbetreuung, Zeugnis und Abschlußbericht. Der sechswöchige Kurs kostet 29.890 Schilling.

Kurse mit Garantie

Ein Unternehmen, das auf seine Nachprüfungskurse sogar eine Garantie bietet, ist die Privatschule Obermair. „In punkto Lernferien machen wir seit genau zwanzig Jahren dasselbe: Vorbereiten auf die Nachprüfung”, erzählt Gottfried Obermair. „Wir bieten auch dreiwöchige Englandaufenthalte an. Aber hier ist die Nachfrage rückläufig. Unser Schwerpunkt liegt bei den Lernferien.”

Im Lerncamp am Holz-östersee wird in Gruppen zu maximal acht Schülern Nachhilfe-Unterricht in allen Hauptgegenständen angeboten. In den letzten beiden Augustwochen wird bis zu sechs Stunden am Tag „gepaukt”: „Wir haben natürlich auch ein Freizeitprogramm, aber vor allem die älteren Schüler wollen nach dem Unterricht zuerst einmal in Ruhe gelassen werden. Sie sind dieses Unterrichtstempo nicht gewohnt.” Zwei Wochen Lernferien am Holzöstersee kosten 11.480 Schilling.

Gottfried Obermair führt am Holzöstersee ein eigenes Haus: „Nur so kann ich bestimmen, welches Schnitzel auf die Teller kommt und wie die Betten beschaffen sind. Ich gestatte auch nicht, daß sich eine Lerngruppe etwa in einem Hobbyraum zum Unterricht trifft. Jede Gruppe hat ihr eigenes Klassenzimmer in einer der Schulen der näheren Umgebung.” Alle Obermair-Lehrer haben ihr Lehramtsstudium abgeschlossen und verfügen selbstverständlich über mehrjährige Unterrichtspraxis.

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