Muttersprache

Tag der Muttersprache: Wie Worte auf die Weltsicht wirken

1945 1960 1980 2000 2020

Am „Internationalen Tag der Muttersprache“ - 21. Februar - wird die Bedeutung der Erstsprache in den Vordergrund gerückt. Welche tragende Rolle sie spielt, wird gerade jetzt in der Coronakrise wieder deutlich. Bei Kindern mit Migrationshintergrund gilt es, das zu berücksichtigen.

1945 1960 1980 2000 2020

Am „Internationalen Tag der Muttersprache“ - 21. Februar - wird die Bedeutung der Erstsprache in den Vordergrund gerückt. Welche tragende Rolle sie spielt, wird gerade jetzt in der Coronakrise wieder deutlich. Bei Kindern mit Migrationshintergrund gilt es, das zu berücksichtigen.

An den Begriff „Patschen“, erinnert sich Sven Schneider. Das in seiner Heimat gebräuchliche Wort für Hausschuhe ist das einzige Vokabel, wofür er als Fünfjähriger im Kindergarten aktiv nach einer Übersetzung fragen musste. Seine Mutter stammt aus Südafrika, der Vater ist Vorarlberger. Obwohl im Ländle geboren, war Schneider in seinen ersten Lebensjahren ausschließlich mit Englisch konfrontiert. „Unsere Familiensprache war Englisch. Später wurde es ein Mischmasch. Wir sagten so Sätze wie ‚What food essen wir am Abend?‘. Wenn man mich nach meiner Muttersprache fragt, sage ich Englisch. Weil es eben die Sprache meiner Mama ist und ich sie als erstes verstanden und gesprochen habe. Aber eigentlich sind es zwei, Englisch und Deutsch.“

Dass er tatsächlich beide Sprachen mit exakt gleicher Kompetenz und gleichem Wortschatz beherrscht, glaubt er nicht. Deutsch sei heute prominenter im Leben, das merke er auch in Bezug auf sein Englisch. Doch in beiden Sprachen nicht nur sprichwörtlich daheim zu sein, sei ein unbezahlbarer Vorteil.

Inhalte als lebenslanger Input

Ein Privileg, dass auch Barbara Artner gerne für sich beanspruchen würde. Die Chance dafür, für immer vertan. Denn Barbaras Mutter, die in den 1970er Jahren aus der damaligen Tschechoslowakei nach Österreich emigrierte, sprach ausschließlich Deutsch mit ihrer Tochter. „Dabei redet sie mit starkem Akzent und macht viele Fehler. Sie sagt, sie und mein Vater, ein Wiener, hatten damals Angst, ich würde verwirrt und nicht ordentlich Deutsch lernen, wenn sie mit mir Tschechisch gesprochen hätte“, erzählt Artner.

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau