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Bildung

Unis in der Zwickmühle

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Im Konflikt um den freien Zugang zu den Universitäten ist keine Lösung in Sicht. Daran werden die Studieneingangsphase oder die verpflichtende Studienvoranmeldung nichts ändern.

"Ich bin nicht für eine Beschränkung der Akademikerquote“, stellt Christoph Badelt klar. Ein FURCHE-Kommentar in der letzten Woche schien den WU-Rektor in die Nähe dieser Position zu rücken. "Ich glaube im Gegenteil, dass eine Kombination aus Zugangsregelungen und Kapazitätserweiterungen die Quote sogar erhöhen kann.“ Damit nennt er zugleich einen von mehreren Lösungsvorschlägen für jenes Problem, das die Hochschullandschaft derzeit am stärksten prägt. Der freie Hochschulzugang ist nicht zu halten, meinen die einen. Er stehe nicht zur Debatte, kontern die anderen. Die Situation des tertiären Sektors in Österreich ist von Disputen und wechselhaften Allianzen geprägt. Mehr Geld für die Unis, das wünschen alle. Doch im Detail bestehen teils große Unterschiede zwischen den universitätspolitischen Vorstellungen von Rektoren, Hochschülerschaft (ÖH), Regierung und den Wissenschaftssprechern der fünf Parteien.

Was die meisten Interessenvertreter eint, ist ihre Kritik an der Bundesregierung. Offiziell betont diese ihr Bekenntnis zu Wissenschaft, Forschung und Bildung. Ebenso zum Ziel, die Investitionen in den tertiären Sektor bis 2020 auf zwei Prozent des BIP zu erhöhen. Mit dem im Mai verabschiedeten Finanzrahmengesetz stehen den Universitäten ab 2013 allerdings budgetäre Einschnitte ins Haus.

Problematisch und unmoralisch

Badelt attestiert der Regierung deshalb unverblümt "Widersprüchlichkeit“: "Einerseits sollen die Unis jeden Studierenden aufnehmen. Aber gleichzeitig bekommen wir nicht die dafür nötige Finanzierung.“ Das sei rechtlich problematisch und darüber hinaus unmoralisch, weil die Studierenden so zu unverdient Leidtragenden werden. "Mehr Geld oder Zugangsregelungen“, lautet deshalb die Botschaft der Rektoren.

Badelts Befreiungsschlag ist bekannt: er klagt vor der Schlichtungskommission auf jährlich 64,4 Millionen Euro zusätzlich für die Wirtschaftsuni. Der Vorstoß könnte Nachahmer finden. Heinrich Schmidinger, Rektor der Universität Salzburg, dachte bereits laut über eine Klage nach. Zudem verhandeln die Universitäten ab 2012 über die Leistungsvereinbarungen für die Finanzierungsperiode 2013 bis 2015. Es ist denkbar, dass sie ihre Verhandlungsposition mit dem Hinweis stärken, bei Nichteinigung die Schlichtungskommission anzurufen.

Zwei neue Instrumente der Hochschulsteuerung treten mit kommendem Wintersemester in Kraft. Zum einen muss sich jeder neue Studierende bis 31. August online an seiner Wunschuni für das geplante Studium voranmelden. Erst danach ist die formale Studienzulassung möglich. Davon ausgenommen sind jene Unis und Studienrichtungen, die bereits jetzt Zugangsregelungen haben. Zum anderen gibt es die neue einsemestrige Studieneingangs- und Orientierungsphase (STEOP): Erst nachdem alle Prüfungen dieser Phase erfolgreich absolviert sind, darf weiter studiert werden. "Die Studieneingangsphase ist eine Möglichkeit, die Überlast ein wenig zu kanalisieren“, sagt Heribert Wulz, Generalsekretär der Universitätenkonferenz. "Aber das eigentliche Problem wird damit nicht adressiert, nämlich die Kapazitätsengpässe.“

Schikane oder doch eine Lösung?

Richtig glücklich ist niemand mit dem jüngsten universitätspolitischen Wurf der Regierung. Die ÖH vermutet dahinter "eine Schikane“ und die Hoffnung, viele junge Menschen würden die Frist versäumen und die Studienanfängerzahlen so gering bleiben. "Die Regelung hat manche Schwächen, ist nicht das Gelbe vom Ei“, kommentiert die Sprecherin der Uni Wien, Cornelia Moll. "Aber immerhin erhöht sie die Planungssicherheit für die Universität.“ Bislang war erst nach Ablauf der Immatrikulationsfrist klar, wie viele Studierende sich tatsächlich eingeschrieben haben, also einen Monat nach Beginn des Semesters. In der Ausgestaltung der neuen Regeln bestehen Unterschiede zwischen den Universitäten. So lässt die Uni Wien, wie vom Gesetzgeber gewünscht, in der Studieneingangsphase nur eine Wiederholungsprüfung zu. Die TU Wien hingegen erlaubt zwei Wiederholungen und verzichtet gleich ganz auf die Online-Anmeldung. Auch die Universität für Bodenkultur gibt sich renitent und empfiehlt Unschlüssigen, sich im Zweifelsfall an mehreren Unis, bzw. für mehrere Studienrichtungen anzumelden. Sollten viele Studierende dieser Empfehlung folgen, könnte das neue Instrument damit ad absurdum geführt werden. Die Probleme des freien Hochschulzugangs lösen Online-Voranmeldung und Studieneingangsphase jedenfalls nicht.

Im Konflikt um den freien Zugang zu den Universitäten ist keine Lösung in Sicht. Daran werden die Studieneingangsphase oder die verpflichtende Studienvoranmeldung nichts ändern.

"Ich bin nicht für eine Beschränkung der Akademikerquote“, stellt Christoph Badelt klar. Ein FURCHE-Kommentar in der letzten Woche schien den WU-Rektor in die Nähe dieser Position zu rücken. "Ich glaube im Gegenteil, dass eine Kombination aus Zugangsregelungen und Kapazitätserweiterungen die Quote sogar erhöhen kann.“ Damit nennt er zugleich einen von mehreren Lösungsvorschlägen für jenes Problem, das die Hochschullandschaft derzeit am stärksten prägt. Der freie Hochschulzugang ist nicht zu halten, meinen die einen. Er stehe nicht zur Debatte, kontern die anderen. Die Situation des tertiären Sektors in Österreich ist von Disputen und wechselhaften Allianzen geprägt. Mehr Geld für die Unis, das wünschen alle. Doch im Detail bestehen teils große Unterschiede zwischen den universitätspolitischen Vorstellungen von Rektoren, Hochschülerschaft (ÖH), Regierung und den Wissenschaftssprechern der fünf Parteien.

Was die meisten Interessenvertreter eint, ist ihre Kritik an der Bundesregierung. Offiziell betont diese ihr Bekenntnis zu Wissenschaft, Forschung und Bildung. Ebenso zum Ziel, die Investitionen in den tertiären Sektor bis 2020 auf zwei Prozent des BIP zu erhöhen. Mit dem im Mai verabschiedeten Finanzrahmengesetz stehen den Universitäten ab 2013 allerdings budgetäre Einschnitte ins Haus.

Problematisch und unmoralisch

Badelt attestiert der Regierung deshalb unverblümt "Widersprüchlichkeit“: "Einerseits sollen die Unis jeden Studierenden aufnehmen. Aber gleichzeitig bekommen wir nicht die dafür nötige Finanzierung.“ Das sei rechtlich problematisch und darüber hinaus unmoralisch, weil die Studierenden so zu unverdient Leidtragenden werden. "Mehr Geld oder Zugangsregelungen“, lautet deshalb die Botschaft der Rektoren.

Badelts Befreiungsschlag ist bekannt: er klagt vor der Schlichtungskommission auf jährlich 64,4 Millionen Euro zusätzlich für die Wirtschaftsuni. Der Vorstoß könnte Nachahmer finden. Heinrich Schmidinger, Rektor der Universität Salzburg, dachte bereits laut über eine Klage nach. Zudem verhandeln die Universitäten ab 2012 über die Leistungsvereinbarungen für die Finanzierungsperiode 2013 bis 2015. Es ist denkbar, dass sie ihre Verhandlungsposition mit dem Hinweis stärken, bei Nichteinigung die Schlichtungskommission anzurufen.

Zwei neue Instrumente der Hochschulsteuerung treten mit kommendem Wintersemester in Kraft. Zum einen muss sich jeder neue Studierende bis 31. August online an seiner Wunschuni für das geplante Studium voranmelden. Erst danach ist die formale Studienzulassung möglich. Davon ausgenommen sind jene Unis und Studienrichtungen, die bereits jetzt Zugangsregelungen haben. Zum anderen gibt es die neue einsemestrige Studieneingangs- und Orientierungsphase (STEOP): Erst nachdem alle Prüfungen dieser Phase erfolgreich absolviert sind, darf weiter studiert werden. "Die Studieneingangsphase ist eine Möglichkeit, die Überlast ein wenig zu kanalisieren“, sagt Heribert Wulz, Generalsekretär der Universitätenkonferenz. "Aber das eigentliche Problem wird damit nicht adressiert, nämlich die Kapazitätsengpässe.“

Schikane oder doch eine Lösung?

Richtig glücklich ist niemand mit dem jüngsten universitätspolitischen Wurf der Regierung. Die ÖH vermutet dahinter "eine Schikane“ und die Hoffnung, viele junge Menschen würden die Frist versäumen und die Studienanfängerzahlen so gering bleiben. "Die Regelung hat manche Schwächen, ist nicht das Gelbe vom Ei“, kommentiert die Sprecherin der Uni Wien, Cornelia Moll. "Aber immerhin erhöht sie die Planungssicherheit für die Universität.“ Bislang war erst nach Ablauf der Immatrikulationsfrist klar, wie viele Studierende sich tatsächlich eingeschrieben haben, also einen Monat nach Beginn des Semesters. In der Ausgestaltung der neuen Regeln bestehen Unterschiede zwischen den Universitäten. So lässt die Uni Wien, wie vom Gesetzgeber gewünscht, in der Studieneingangsphase nur eine Wiederholungsprüfung zu. Die TU Wien hingegen erlaubt zwei Wiederholungen und verzichtet gleich ganz auf die Online-Anmeldung. Auch die Universität für Bodenkultur gibt sich renitent und empfiehlt Unschlüssigen, sich im Zweifelsfall an mehreren Unis, bzw. für mehrere Studienrichtungen anzumelden. Sollten viele Studierende dieser Empfehlung folgen, könnte das neue Instrument damit ad absurdum geführt werden. Die Probleme des freien Hochschulzugangs lösen Online-Voranmeldung und Studieneingangsphase jedenfalls nicht.