Digital In Arbeit

Viele Wünsche an den neuen Minister

Das grundlegend positive Echo, das die Akteure des Hochschulsektors auf die Ernennung von Karlheinz Töchterle (Foto) zum Wissenschaftsminister verlauten ließen, hat sich zuletzt in einer hoffnungsvollen Forderung manifestiert: Die Universitätsrektoren formulierten am Dienstag nach Ostern den Wunsch an ihren Ex-Kollegen - Töchterle war Rektor der Innsbrucker Uni -, er möge den anstehenden Bundesfinanzrahmen für die Jahre 2012 bis 2015 blockieren, falls ihnen darin nicht das geforderte Budgetplus von 300 Millionen Euro jährlich zukomme.

Töchterle selbst hatte jedoch schon kurz nach seiner Angelobung am Gründonnerstag gemeint, in dieser Sache wohl wenig ausrichten zu können: Der Finanzrahmen sei bereits unter seiner Amtsvorgängerin Beatrix Karl, nunmehr Justizministerin, abgeschlossen worden. ÖVP-Chef und Vizekanzler Michael Spindelegger habe ihm lediglich zugesichert, dass Töchterle seine Vorstellungen in die im Herbst startenden Verhandlungen um das Budget 2012 einbringen könne. Und dabei werde er die Wünsche der Rektoren, die er in einem Brief an das Wissenschaftsministerium kürzlich noch selbst mit formuliert habe, selbstverständlich nach bestem Gewissen vertreten.

Die staatlichen Unis werden dabei nicht die einzigen Institutionen des Sektors sein, die auf eine Höherdotierung aus sind. Für die Fachhochschulen (FH) hofft Kurt Koleznik, Generalsekretär der FH-Konferenz, auf die Finanzierung von jeweils 500 Studienplätzen zusätzlich pro Jahr, bis inklusive 2020.

Studienplatzfinanzierung als Zukunftsmodell

Ein Viertel aller Studierenden solle schlussendlich in einem FH-Studium zu finden sein, pocht Koleznik auf die Effizienz dieser Hochschulform: "Jeder achte Student geht schon heute an eine Fachhochschule. Demgegenüber steht die Tatsache, dass jeder vierte Absolvent von einer FH kommt.“ Sprich: Die Drop-out-Quote sei weitaus geringer als an den Universitäten. Der Staat wisse demnach schon bei der Zuteilung des Budgets, dass diese Investition eine nachhaltige sei.

Die Studienplatzfinanzierung, mit der sich mittlerweile auch einige Universitätsleiter anfreunden könnten, wäre demnach die beste Möglichkeit, um "rasch eine höhere Akademikerquote zu erreichen“.

Zu den Bittstellern des frischgebackenen Ministers zählen auch die vielen außeruniversitären Forschungseinrichtungen, deren Finanzierung mit dem aktuellen Budget gestrichen wurde, sowie die heimischen Wissenschaftsverlage. Deren Bezuschussung durch das Wissenschaftsministerium soll ab 2012 völlig eingestellt werden. Für das laufende Jahr werden 700.000 Euro ausgeschüttet. Das ist bereits nur noch die Hälfte dessen, was es 2010 gab. (mad)

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau