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Schule in Zeiten von Corona

DISKURS
Ethik

Wertebildung in der Schule

1945 1960 1980 2000 2020

Solidarität, Gemeinschaft, Zivilcourage – in der Schule gilt es, Inhalte abseits von Fachwissen zu vermittelt. Doch Fächer wie Religion oder Ethik stehen nicht allen offen. Über eine bildungspolitische Schieflage.

1945 1960 1980 2000 2020

Solidarität, Gemeinschaft, Zivilcourage – in der Schule gilt es, Inhalte abseits von Fachwissen zu vermittelt. Doch Fächer wie Religion oder Ethik stehen nicht allen offen. Über eine bildungspolitische Schieflage.

Nicht zuletzt die Coronakrise hat gezeigt, welche Defizite entstehen können, wenn aufgrund von Home-Schooling und Distance-Learning die Gemeinschaftsbildung, das regelmäßige Miteinander und der damit einhergehende Zusammenhalt in den Hintergrund rücken.

Dennoch ist es genau dieses Fundament, auf dessen Grundlage Werte vermittelt und erlernt werden können. Ganz besonders in Bildungsstätten, an denen Wertebildung abseits von Religions- und Ethikunterricht umgesetzt werden muss. Betroffen sind hier vor allem die Mittelschulen: Laut Statistik Austria werden die ehemaligen Hauptschulen immer mehr von Schülerinnen und Schüler ohne Religionsbekenntnis besucht – beziehungsweise von jenen, die einer nicht anerkannten Glaubensgemeinschaft angehören.

Diese Entwicklung kompensieren könnte möglicherweise das Fach Ethik – das im September 2021 zwar an Oberstufen verpflichtend eingeführt wurde, nicht aber an Mittelschulen. Deren private Pendants (meist in Händen katholischer Träger) behelfen sich damit, dass auch konfessionslose Schüler(innen) verpflichtet sind, an einem Religionsunterricht ihrer Wahl teilzunehmen. Ein Kompromiss, der vielleicht nicht immer optimal ist, aber auch Erkenntnisgewinne befeuert.

Anders in öffentlichen Mittelschulen, die nach wie vor Heranwachsenden aus sozial schwächeren Milieus vorbehalten zu sein scheinen. Eine Wahrnehmung, die der aktuelle „Nationale Bildungsbericht“ zuletzt auch in Zahlen gegossen hat. Im Vergleich zu privaten Mittelschulen besuchen demnach vor allem im dicht besiedelten städtischen Gebiet um bis zu 20 Prozent mehr Schüler(innen) aus sogenannten bildungsfernen Gruppen, oft mit Migrationshintergrund, die öffentlichen Mittelschulen.

24 Erstsprachen und ein Leitbild

Dort steht man damit vor der Herausforderung, neben einem lehrplangemäßen Unterricht auch die verschiedenen kulturellen und sozialen Hintergründe der Schüler(innen) einzubinden – auch um sich einen gemeinsamen Orientierungskompass und eine Haltung des Miteinanders aufzubauen. Die Vermittlung von Werten muss daher abseits von Religion und Ethik erfolgen. Eine Herausforderung. Interkulturalität, Mehrsprachigkeit und Solidarität müssen im Schulalltag Platz finden, auch um Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit zu wahren.

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