#1 Intro: Von Ländlern und Städtern

1945 1960 1980 2000 2020

Mein Holz in Bedrängnis.

1945 1960 1980 2000 2020

Mein Holz in Bedrängnis.

Dass Ländler und Städter nicht aus demselben Holz geschnitzt sind, darüber muss man nicht streiten. Nun bin ich ein Sprössling der ersten Sorte – in die Stadt fuhr man maximal zum Einkaufen in die Shopping City Nord (Wow, ein H&M!) oder, um den Vater in der Arbeit zu besuchen und am Heimweg eine Juniortüte bei McDonalds abzustauben. Dass die Stadtbewohnerinnen und -bewohner anders gestrickt sind, war ein unausgesprochenes Gesetz.

Wie bösartig sie tatsächlich sind, wurde mir am Ende meiner Schullaufbahn bewusst: Juli 2011. Ein viel zu teures Pauschalangebot. Hunderte Maturantinnen und Maturanten aus ganz Österreich in einem Hotel am Mittelmeer. An der Bar wurden gerade drei Mixgetränke hintereinander mit zugehaltener Nase gekippt (es war bereits Ende der Woche und schmecken wollte man zu diesem Zeitpunkt wirklich nicht mehr, was in diesen Bechern als Cappy-Wodka verkauft wurde). Man liebäugelte mit dem Geschlecht seines Interesses, bis schließlich die alles entscheidende Frage gestellt wurde: „Woher seid’s ihr denn?“

Auf die Antwort „Niederösterreich“ reagierte mein Gegenüber nur mit „Haha! – Bauern!!“ Ein Dämpfer, die potentielle Romanze dahin. „Bauern“ sollte dabei keineswegs eine Beleidigung für den landwirtschaftlichen Wirtschaftssektor sein. Nein. Mein Gegenüber verachtete mein Inneres. Mein Holz, das sich von seinem unterschied. Es wuchs zwischen Maisfeldern, Weingärten und Straßen ohne Markierungen heran. Es kannte keine Shoppingmeilen oder hippen Cafés. Es bewegte sich nicht in fahrenden Wagons unter der Erde fort. Und es trug keine High Heels im Club, sondern Gummistiefel am Sportplatz. Mein Holz war in seinen Augen wohl eher ein „Scheitl“.

So sind sie eben: die arroganten Städter. Nun ja, mittlerweile ist es neun Jahre her, dass ich das ländliche Nest verlassen und selbst in die verpönte Hauptstadt gezogen bin. Und ich gebe zu: Wir Niederösterreicher(innen)... wir sind auch nicht astrein. Oder ist das nur die Stimme der in mir gedeihenden Städterin, die versucht, meinen ländlichen Kern zu entwurzeln? Meine eigenen Vorurteile, die sich im Zwischendrin von Stadtleben und Landidylle ineinander verstricken?

Auf die Schnelle wird sich dieser Konflikt nicht lösen lassen. Also bleiben Sie dran und gehen Sie mit mir auf die Suche nach Orientierung in einem Wirrwarr aus festgefahrenen Ressentiments und fragwürdigen Traditionen, Millennials und Babyboomern.

Dass Ländler und Städter nicht aus demselben Holz geschnitzt sind, darüber muss man nicht streiten. Nun bin ich ein Sprössling der ersten Sorte – in die Stadt fuhr man maximal zum Einkaufen in die Shopping City Nord (Wow, ein H&M!) oder, um den Vater in der Arbeit zu besuchen und am Heimweg eine Juniortüte bei McDonalds abzustauben. Dass die Stadtbewohnerinnen und -bewohner anders gestrickt sind, war ein unausgesprochenes Gesetz.

Wie bösartig sie tatsächlich sind, wurde mir am Ende meiner Schullaufbahn bewusst: Juli 2011. Ein viel zu teures Pauschalangebot. Hunderte Maturantinnen und Maturanten aus ganz Österreich in einem Hotel am Mittelmeer. An der Bar wurden gerade drei Mixgetränke hintereinander mit zugehaltener Nase gekippt (es war bereits Ende der Woche und schmecken wollte man zu diesem Zeitpunkt wirklich nicht mehr, was in diesen Bechern als Cappy-Wodka verkauft wurde). Man liebäugelte mit dem Geschlecht seines Interesses, bis schließlich die alles entscheidende Frage gestellt wurde: „Woher seid’s ihr denn?“

Auf die Antwort „Niederösterreich“ reagierte mein Gegenüber nur mit „Haha! – Bauern!!“ Ein Dämpfer, die potentielle Romanze dahin. „Bauern“ sollte dabei keineswegs eine Beleidigung für den landwirtschaftlichen Wirtschaftssektor sein. Nein. Mein Gegenüber verachtete mein Inneres. Mein Holz, das sich von seinem unterschied. Es wuchs zwischen Maisfeldern, Weingärten und Straßen ohne Markierungen heran. Es kannte keine Shoppingmeilen oder hippen Cafés. Es bewegte sich nicht in fahrenden Wagons unter der Erde fort. Und es trug keine High Heels im Club, sondern Gummistiefel am Sportplatz. Mein Holz war in seinen Augen wohl eher ein „Scheitl“.

So sind sie eben: die arroganten Städter. Nun ja, mittlerweile ist es neun Jahre her, dass ich das ländliche Nest verlassen und selbst in die verpönte Hauptstadt gezogen bin. Und ich gebe zu: Wir Niederösterreicher(innen)... wir sind auch nicht astrein. Oder ist das nur die Stimme der in mir gedeihenden Städterin, die versucht, meinen ländlichen Kern zu entwurzeln? Meine eigenen Vorurteile, die sich im Zwischendrin von Stadtleben und Landidylle ineinander verstricken?

Auf die Schnelle wird sich dieser Konflikt nicht lösen lassen. Also bleiben Sie dran und gehen Sie mit mir auf die Suche nach Orientierung in einem Wirrwarr aus festgefahrenen Ressentiments und fragwürdigen Traditionen, Millennials und Babyboomern.

Digital Dirndl V2 - © Illustration: Rainer Messerklinger

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Aufgewachsen im Weinviertel, dann übersiedelt nach Wien, ist Margit Körbel mittendrin im Konflikt von gemütlicher Landidylle und rauschendem Stadtleben, Traditionen und deren Bruch, Millennials und Babyboomern. Wöchentlich schreibt Sie von Ihren Erlebnissen. Hier kostenlos abonnieren.

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