#11 Auf gute Nachbarschaft

1945 1960 1980 2000 2020

Klopf, klopf. Hier kommt der gratis Konflikt.

1945 1960 1980 2000 2020

Klopf, klopf. Hier kommt der gratis Konflikt.

Als wir im vergangenen Sommer in unsere jetzige Wiener Wohnung gezogen sind, gab es eine einzige Nachbarin, die an unserer Tür geklingelt hatte. Angelika. Sie wohnt direkt unter uns. Wollte sich nur kurz vorstellen. Auf gute Nachbarschaft. Alle anderen Hausbewohner(innen) blieben in städtischer Manier in Anonymität gehüllt. Nach und nach lernt man die einzelnen Gesichter dann bei der Paketübergabe kennen, wenn man für den Zustelldienst wieder einmal nicht anzutreffen war, obwohl man den ganzen Tag über zuhause war. Die aufgebauten Beziehungen reichen für ein „Hallo“ im Vorbeigehen im Treppenhaus, mehr will auch niemand. Außer Angelika.

Angelika sucht regelmäßig Kontakt. Der Fernseher sei zu laut. Das Klavier dröhne zu stark. Und neuerdings: Es tropfe Wasser von unserem Balkon. Angelika scheint uns nicht böse zu sein – schließlich waren die Vormieter ja noch schlimmer: Die hatten ein Baby! Nicht auszumalen, wie Angelika litt, wenn das Kind weinte. Bisher konnten wir uns immer schnell einigen: den Subwoofer etwas runterdrehen, musizieren möglichst nicht nach 20 Uhr und der Frühjahrsputz am Balkon ist sowieso beendet.

„So ist das eben in einer Wohnung“, schenkt uns unser ländliches Umfeld Mitgefühl, „da darf man nur mehr auf Zehenspitzen gehen.“ Das ist in einem Haus mit Garten am Land natürlich anders. In meiner Heimatgemeinde im Weinviertel klingelte regelmäßig die Polizei bei unseren Nachbarn. Man habe eine Beschwerde über zu lautes Geigenspiel erhalten. Bei anderen kam das Arbeitsinspektorat vorbei, weil sonntägliches Holzschneiden nur illegales Wirtschaften bedeuten kann. Neulich erfuhr ich von der Verzögerung bei Hausbauplänen einer Bekannten. Die zukünftige Nachbarin hat Einspruch erhoben, da die geplante Terrasse zu groß sei. Die Sache geht womöglich vor Gericht.

„Wer ein Haus kauft, kauft die Nachbarn mit“, sagt man. So gesehen sind die Troubles mit Angelika weit weniger dramatisch. Haben sie ja nur gemietet.

Als wir im vergangenen Sommer in unsere jetzige Wiener Wohnung gezogen sind, gab es eine einzige Nachbarin, die an unserer Tür geklingelt hatte. Angelika. Sie wohnt direkt unter uns. Wollte sich nur kurz vorstellen. Auf gute Nachbarschaft. Alle anderen Hausbewohner(innen) blieben in städtischer Manier in Anonymität gehüllt. Nach und nach lernt man die einzelnen Gesichter dann bei der Paketübergabe kennen, wenn man für den Zustelldienst wieder einmal nicht anzutreffen war, obwohl man den ganzen Tag über zuhause war. Die aufgebauten Beziehungen reichen für ein „Hallo“ im Vorbeigehen im Treppenhaus, mehr will auch niemand. Außer Angelika.

Angelika sucht regelmäßig Kontakt. Der Fernseher sei zu laut. Das Klavier dröhne zu stark. Und neuerdings: Es tropfe Wasser von unserem Balkon. Angelika scheint uns nicht böse zu sein – schließlich waren die Vormieter ja noch schlimmer: Die hatten ein Baby! Nicht auszumalen, wie Angelika litt, wenn das Kind weinte. Bisher konnten wir uns immer schnell einigen: den Subwoofer etwas runterdrehen, musizieren möglichst nicht nach 20 Uhr und der Frühjahrsputz am Balkon ist sowieso beendet.

„So ist das eben in einer Wohnung“, schenkt uns unser ländliches Umfeld Mitgefühl, „da darf man nur mehr auf Zehenspitzen gehen.“ Das ist in einem Haus mit Garten am Land natürlich anders. In meiner Heimatgemeinde im Weinviertel klingelte regelmäßig die Polizei bei unseren Nachbarn. Man habe eine Beschwerde über zu lautes Geigenspiel erhalten. Bei anderen kam das Arbeitsinspektorat vorbei, weil sonntägliches Holzschneiden nur illegales Wirtschaften bedeuten kann. Neulich erfuhr ich von der Verzögerung bei Hausbauplänen einer Bekannten. Die zukünftige Nachbarin hat Einspruch erhoben, da die geplante Terrasse zu groß sei. Die Sache geht womöglich vor Gericht.

„Wer ein Haus kauft, kauft die Nachbarn mit“, sagt man. So gesehen sind die Troubles mit Angelika weit weniger dramatisch. Haben sie ja nur gemietet.

Digital Dirndl V2 - © Illustration: Rainer Messerklinger

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Aufgewachsen im Weinviertel, dann übersiedelt nach Wien, ist Margit Körbel mittendrin im Konflikt von gemütlicher Landidylle und rauschendem Stadtleben, Traditionen und deren Bruch, Millennials und Babyboomern. Wöchentlich schreibt Sie von Ihren Erlebnissen. Hier kostenlos abonnieren.

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