#21 Tor! Tor! – Ist mir egal!

1945 1960 1980 2000 2020

Ein kesser Look zum öden Spiel

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Ein kesser Look zum öden Spiel

Ich interessiere mich nicht für Fußball. Auch nicht, wenn es die Europa- oder Weltmeisterschaft ist. Es ändert nichts daran, dass 22 Hanseln 90 Minuten lang einem Ball nachlaufen. Ob das nun die U14 aus Unterstinkenbrunn oder die österreichische Nationalmannschaft ist – I don’t care. Umso unerklärlicher ist es mir, dass plötzlich all jene Menschen dem Fußballfieber verfallen, die in ihrem Leben noch nie auch nur ansatzweise in der Nähe eines Spielfelds waren. Und jetzt? Mit rot-weiß-roten Bäckchen auf zum Public Viewing!

Ein einziges Mal fand ich die WM spannend. Das war 2006. Ich hatte mir beim Late Night Shopping in good old Mistelbach City ein Oberteil mit dem Aufdruck „Italy“ gekauft. Nicht, weil ich die italienische Mannschaft mochte, sondern, weil das Teil nur einen Ärmel hatte – die andere Seite war schulterfrei (!). „Kess“, hatte meine Mutter gesagt. Ich fand mich supercool und fieberte mit Italien mit, um das Shirt möglichst lange tragen zu können.

Vielleicht ist es ja bei den Fußballfans-auf-Zeit genauso. Vielleicht geben ihnen Meisterschaften Legitimation für irgendetwas, dass sie sonst nicht tun. Ein Monat lang Couch-Potato sein. Regelmäßiger Bierkonsum. In Sportbars gehen. Immer Gesprächsstoff haben. An etwas Großem teilhaben.

Aus meinem „Italy“-Shirt war ich bald rausgewachsen – ich fürchte, der EM-Hype wird bleiben. Vielleicht gründe ich eine Gegenbewegung und feiere stattdessen die Meisterschaften der Frauenliga. Die gibt’s nämlich auch, das wird aber gerne vergessen. Dabei kicken sich die Damen auch Mal ins Halbfinale. Ein „Austria“-Shirt würde sich da schon auszahlen. Diesmal aber eins mit zwei Ärmeln.

Ich interessiere mich nicht für Fußball. Auch nicht, wenn es die Europa- oder Weltmeisterschaft ist. Es ändert nichts daran, dass 22 Hanseln 90 Minuten lang einem Ball nachlaufen. Ob das nun die U14 aus Unterstinkenbrunn oder die österreichische Nationalmannschaft ist – I don’t care. Umso unerklärlicher ist es mir, dass plötzlich all jene Menschen dem Fußballfieber verfallen, die in ihrem Leben noch nie auch nur ansatzweise in der Nähe eines Spielfelds waren. Und jetzt? Mit rot-weiß-roten Bäckchen auf zum Public Viewing!

Ein einziges Mal fand ich die WM spannend. Das war 2006. Ich hatte mir beim Late Night Shopping in good old Mistelbach City ein Oberteil mit dem Aufdruck „Italy“ gekauft. Nicht, weil ich die italienische Mannschaft mochte, sondern, weil das Teil nur einen Ärmel hatte – die andere Seite war schulterfrei (!). „Kess“, hatte meine Mutter gesagt. Ich fand mich supercool und fieberte mit Italien mit, um das Shirt möglichst lange tragen zu können.

Vielleicht ist es ja bei den Fußballfans-auf-Zeit genauso. Vielleicht geben ihnen Meisterschaften Legitimation für irgendetwas, dass sie sonst nicht tun. Ein Monat lang Couch-Potato sein. Regelmäßiger Bierkonsum. In Sportbars gehen. Immer Gesprächsstoff haben. An etwas Großem teilhaben.

Aus meinem „Italy“-Shirt war ich bald rausgewachsen – ich fürchte, der EM-Hype wird bleiben. Vielleicht gründe ich eine Gegenbewegung und feiere stattdessen die Meisterschaften der Frauenliga. Die gibt’s nämlich auch, das wird aber gerne vergessen. Dabei kicken sich die Damen auch Mal ins Halbfinale. Ein „Austria“-Shirt würde sich da schon auszahlen. Diesmal aber eins mit zwei Ärmeln.

Digital Dirndl V2 - © Illustration: Rainer Messerklinger

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Aufgewachsen im Weinviertel, dann übersiedelt nach Wien, ist Margit Körbel mittendrin im Konflikt von gemütlicher Landidylle und rauschendem Stadtleben, Traditionen und deren Bruch, Millennials und Babyboomern. Wöchentlich schreibt Sie von Ihren Erlebnissen. Hier kostenlos abonnieren.

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