#23 Niksen, na und?

1945 1960 1980 2000 2020

Faulenzen auf Millennial-Art

1945 1960 1980 2000 2020

Faulenzen auf Millennial-Art

Samstagmorgen, eine Schnellbahn unterwegs von Wien Floridsdorf nach Mistelbach, zwei Damen kurz vor der Pensionierung. Eine sehr gesprächsbedürftig. Jedes Wochenende fährt sie aufs Land. Von Hernals dauert’s nur knapp zwei Stunden. Jetzt ist Urlaubszeit, da bleibt sie länger. Der Mann erwartet sie schon. Er ist ja schon pensioniert und verbringt den ganzen Sommer dort. Ans Meer fahren, das brauchen die beiden nicht. Stundenlang nur herumliegen? Nein, danke. Es gibt ja immer etwas zu tun. Den Garten pflegen, kochen, ein bisschen staubsaugen. Heut kommen gar die Kinder zu Besuch…

In drei Wochen geht’s für mich auch in den Urlaub. Ans Meer. Stundenlang herumliegen. Keine Balkonpflanzen-Pflege, kein Kochen, sicher kein Staubsaugen. „Niksen“, würde man in der heutigen Zeit sagen. Ein Begriff aus dem Holländischen, der dem Faulenzen einen neuen Anstrich verpasst und es zum Wellnesstrend erhebt. Ganz ohne Selbstoptimierungszwang. Für mich als Millennial eine völlig neue Weltanschauung. Kein ergebnisorientiertes Handeln, kein Sinn, kein Zweck, keine 30-days-change-my-life-experience. Nicht einmal als Meditation muss man das Niksen tarnen.

Die Damen in der S-Bahn wären angesichts dieses Konzepts bestimmt von den Socken. Oder sie würden mich fragen, ob mir schon aufgefallen ist, wie schwachsinnig es ist, einen hippen Begriff zu brauchen, um ein paar Tage Auszeit zu legitimieren. Wobei – am Meer, weit weg vom Alltagsstress ist mir das Faulenzen noch nie schwer gefallen. Zuhause lässt sich daran noch arbeiten. Und schon ist die Optimierung wieder im Spiel! Niksen vs. Millennial-Weltschmerz: 0:1. Das war knapp.

Samstagmorgen, eine Schnellbahn unterwegs von Wien Floridsdorf nach Mistelbach, zwei Damen kurz vor der Pensionierung. Eine sehr gesprächsbedürftig. Jedes Wochenende fährt sie aufs Land. Von Hernals dauert’s nur knapp zwei Stunden. Jetzt ist Urlaubszeit, da bleibt sie länger. Der Mann erwartet sie schon. Er ist ja schon pensioniert und verbringt den ganzen Sommer dort. Ans Meer fahren, das brauchen die beiden nicht. Stundenlang nur herumliegen? Nein, danke. Es gibt ja immer etwas zu tun. Den Garten pflegen, kochen, ein bisschen staubsaugen. Heut kommen gar die Kinder zu Besuch…

In drei Wochen geht’s für mich auch in den Urlaub. Ans Meer. Stundenlang herumliegen. Keine Balkonpflanzen-Pflege, kein Kochen, sicher kein Staubsaugen. „Niksen“, würde man in der heutigen Zeit sagen. Ein Begriff aus dem Holländischen, der dem Faulenzen einen neuen Anstrich verpasst und es zum Wellnesstrend erhebt. Ganz ohne Selbstoptimierungszwang. Für mich als Millennial eine völlig neue Weltanschauung. Kein ergebnisorientiertes Handeln, kein Sinn, kein Zweck, keine 30-days-change-my-life-experience. Nicht einmal als Meditation muss man das Niksen tarnen.

Die Damen in der S-Bahn wären angesichts dieses Konzepts bestimmt von den Socken. Oder sie würden mich fragen, ob mir schon aufgefallen ist, wie schwachsinnig es ist, einen hippen Begriff zu brauchen, um ein paar Tage Auszeit zu legitimieren. Wobei – am Meer, weit weg vom Alltagsstress ist mir das Faulenzen noch nie schwer gefallen. Zuhause lässt sich daran noch arbeiten. Und schon ist die Optimierung wieder im Spiel! Niksen vs. Millennial-Weltschmerz: 0:1. Das war knapp.

Digital Dirndl V2 - © Illustration: Rainer Messerklinger

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Aufgewachsen im Weinviertel, dann übersiedelt nach Wien, ist Margit Körbel mittendrin im Konflikt von gemütlicher Landidylle und rauschendem Stadtleben, Traditionen und deren Bruch, Millennials und Babyboomern. Wöchentlich schreibt Sie von Ihren Erlebnissen. Hier kostenlos abonnieren.

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