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Feuilleton

Abfälle als Energielieferanten

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Biogasanlagen sind eine Zukunftstechnologie: Sie erzeugen Wärme, Strom, Biokompost, und verwerten dabei problematische Abfälle beispielsweise altes Speiseöl.

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Biogasanlagen sind eine Zukunftstechnologie: Sie erzeugen Wärme, Strom, Biokompost, und verwerten dabei problematische Abfälle beispielsweise altes Speiseöl.

Pro Kopf fallen im Jahr etwa drei Liter Altspeiseöl in den österreichischen Haushalten an. Wesentlich mehr Altspeiseöl verbraucht der Bereich "Fast Food". So fallen in einem McDonald's Restaurant im Schnitt monatlich 1.000 Liter "Fritieröl" an.

Von den 24.000 Tonnen Öl aus österreichischen Privathaushalten werden bisher nur vier Prozent wiederverwertet. Der Rest belastet überwiegend die Kläranlagen. Dort könnte die Wiederverwertung von Altspeiseöl dazu beitragen, Kosten zu sparen. Pro Liter Fett fallen nämlich mindestens sechs Schilling Reinigungskosten an: erkaltetes zähes Altspeiseöl "verklebt" nämlich Kanal und Kläranlagen. Aus diesem Grund sollte die Altspeisefettsammlung mit eigens für den Haushalt angeschafften Behältern (mit einem Inhalt von 2, 5 bis zehn Litern) erfolgen und periodisch durchgeführt werden. Danach kann man die Fette entweder in einer Biogasanlage zu Biogas vergären oder in einer Biodiesel-Raffinerie, wie etwa bei SEEG in Mureck, zu Biodiesel verarbeiten.

Aus dem in der Biogasanlage entstehenden Gas lässt sich Wärme und Strom gewinnen. Dadurch werden fossile Brennstoffe wie Erdöl, Erdgas und Kohle eingespart. Es wird sozusagen russisches Erdgas durch österreichisches Biogas ersetzt.

"Aus 200.000 Kubikmetern Biogas gewinnt man dezentral pro Jahr etwa 650.000 Kilowattstunden Strom, die rund 60.000 Liter Erdöl ersetzen - die Menge entspricht dem Energieeinsatz des jährlichen Warmwasserverbrauchs von 350 Personen beziehungsweise dem Energieverbrauch von 20 Häusern", rechnet Armin Temeßl von der "Arge Erneuerbare Energie" vor.

Als Endprodukt der Vergärung gewinnt man wertvollen geruchslosen Wirtschaftsdünger für unsere Äcker. Er kann sogar in Wasserschutzgebieten ausgebracht werden. Für den Landwirt ist eine Biogasanlage somit eine moderne Kompostieranlage, mit der wichtige Nährstoffe in den Boden zurückgeführt werden. Das hat den Vorteil, dass chemischer Stickstoffdünger, der mit fossilen Brennstoffen erzeugt werden muss, überflüssig wird.

Aus Altspeiseöl können also Wärme, Strom und hochwertiger Wirtschaftsdünger dezentral hergestellt werden. Die Umwelt wird durch die Schonung der Abwässer, die Reduzierung von Klimagasen und durch die effiziente Ausnutzung regionaler Wirtschaftskreisläufe geschont. Es entstehen aber auch Arbeitsplätze in der Region. Für den Raum Villach mit etwa 120.000 Einwohnern rechnet man mit etwa zehn Arbeitsplätzen, die für die Sammellogistik notwendig sind. Eine eigens dafür gegründete Beschäftigungsgesellschaft soll die Logistik für die Altspeisefettsammlung aufbauen und in weiterer Folge die Sammlung der Altspeisefette durchführen.

Das gesammelte Altspeiseöl könnte neben Speiseabfällen oder Gräsern als Zusatz, mehrere Biogasanlagen der Region speisen. Mit Unterstützung der Stadt Villach und der "Arge Erneuerbare Energie" wurde dieses Konzept bereits vom Villacher Biobauern Friedrich Draxl modellhaft umgesetzt: "Ich besitze 150 Schweine, die von hofeigenen Futtermitteln gefüttert werden müssen. In meiner drei Millionen Schilling teuren Biogasanlage verwende ich neben Gülle, Gräsern und Speiseabfällen pro Jahr etwa 30 Tonnen Altspeiseöl. Das Altspeiseöl liefern mir die Gaststätten der Umgebung. Die Biogasanlage schenkt mir hochwertigen Wirtschaftsdünger, der meine Äcker fruchtbar macht und auf den ich als Biobauer nicht verzichten kann", schwärmt Friedrich Draxl.

Wärme und Strom Die Abwärme der Biogasanlage dient in erster Linie dem eigenen Hof. Um die Wirtschaftlichkeit zu gewährleisten, wird sie auch zur Beheizung der Berufsschule für Gastgewerbe in seiner Nachbarschaft eingesetzt. Die nicht verbrauchte elektrische Energie, wird in das Stromnetz der "Kelag" eingespeist.

So ist insbesondere in ländlichen Regionen die Verwertung von Abfällen wie eben dem Altspeiseöl in Biogasanlagen optimal. Durch viele kleine Biogasanlagen wird der ländliche Raum sicher besser gestärkt als durch große Biodiesel-Raffinerien, die eine komplizierte und energieintensive Transport- und Versorgungslogistik benötigen.

Schon mit 100 Millionen Schilling wären mehr als 30 Biogasanlagen finanzierbar. Sie würden die nachhaltige Entwicklung im ländlichen Raum durch die Produktion von Wirtschaftsdünger für den Biolandbau, die Erzeugung von Wärme für Heizung und Warmwasser sowie die Lieferung von Öko-Strom fördern. Und außerdem könnte der Nährstoffkreislauf der Regionen auf diese Weise annähernd geschlossen werden.

Der Autor ist Mitarbeiter von Klimabündnis Kärnten.