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Absage an landesweiten Dialogprozess

Die Kirchenreformer haben getagt, Österreichs Bischöfe ebenso. In den jeweiligen Erklärungen wurden einmal mehr die Positionen abgesteckt.

Die vergangenen Tage gehörten, was das mediale Interesse an der katholischen Kirchenlage betrifft, den Vorgängen um die Pfarrer-Initiative. Hatten die streitbaren Priester am ersten Novemberwochenende bei ihrer Generalversammlung in Linz den Kurs ihres Vorstandes und den "Aufruf zum Ungehorsam“ bestätigt, waren am gleichen Wochenende auch andere Reformgruppen in Linz bei einem Studientag zum Thema "Eucharistie in Zeiten des Priestermangels“.

Brisante Thesen zur Eucharistie

Diese Zusammenkunft wurde allerdings von weit geringeren Medienecho begleitet, zeitigte aber durchaus brisante Ergebnisse. Angehörige von "Wir sind Kirche“, der "Laieninitiative“, den "Priestern ohne Amt“ sowie auch der "Pfarrer-Initiative“ verabschiedeten auf dem Studientag sieben Thesen in "Sorge um die Eucharistie in den Gemeinden“. Darin wird ein Abgehen vom Pflichtzölibat für Priester und ein Ende des Diskussionsverbotes über die Weihe von Frauen gefordert.

Wiewohl die "Beauftragung durch den Bischof“ für Eucharistievorsteher bekräftigt wird, lautet die letzte dieser Thesen: "Jede Gemeinde hat das Recht auf einen Vorsteher oder eine Vorsteherin. Wenn der Bischof seiner Verpflichtung, dies sicherzustellen, nicht nachkommt, werden die Gemeinden unter Berufung auf das Allgemeine Priestertum ihre Verantwortung wahrnehmen, um die Feier der Eucharistie … weiterhin zu ermöglichen.“

Konkrete Reaktionen auf diesen Vorstoß blieben bislang aus oder ließen sich nur mittelbar aus der Erklärung der Bischöfe zum "Aufruf zum Ungehorsam“ der Pfarrer-Initiative ableiten. Denn vom 7. bis 10. November war Österreichs Episkopat in Salzburg zu seiner Herbstvollversammlung zusammengekommen; dabei hatten sich die Bischöfe eineinhalb Tage mit den Vorgängen rund um die Pfarrer-Initiative beschäftigt.

Kardinal Christoph Schönborn, der Vorsitzende der Bischofskonferenz, präsentierte am 11. November in Wien die Erklärung unter dem Titel "Erneuerung in Treue zum Zweiten Vatikanischen Konzil“. Dabei wurde den Forderungen der Pfarrer-Initiative eine Absage erteilt, ohne jedoch konkrete Maßnahmen gegen die aufbegehrenden Priester anzusprechen. "Ungehorsam ist ein Kampfwort, das so nicht stehenbleiben kann“, heißt es in dem Dokument und: "Die Rede von einer Eucharistiefeier ohne Weihesakrament ist ein offener Bruch mit einer zentralen Wahrheit unseres katholischen Glaubens.“

Konkrete Anliegen wie Sakramentenzulassung von wiederverheirateten Geschiedenen erwähnt die Erklärung mit keinem Wort. Die einzelnen Bischöfe würden mit ihren Priestern reden heißt es weiter, ein besonderer Schwerpunkt 2012 soll auf der Auseinandersetzung mit dem II. Vatikanum und dem Thema "Was heißt Pfarrer-Sein heute?“ liegen.

Auch auf die kurz zuvor vom ORF präsentierte Umfrage, nach der sieben von zehn Pfarrern die Anliegen der Pfarrer-Initiative teilen würden, ging das Papier ein: Meinungsumfragen könnten einem Priester "die schwerwiegende Verantwortung für eine fundamentale Einheit in der Kirche nicht abnehmen.“

Auf die Frage der FURCHE, ob die Bischöfe einem österreichweiten Prozess - wie es der "Dialog für Österreich 1998“ oder ein Katholikentag sein könnten - nahetreten würden, erklärte Schönborn: Solch ein Prozess sei nicht geplant. Er verwies dabei auf die diözesane Verfasstheit der Kirche.

Nicht nur die Pfarrer-Initiative hatte in der Diskussion der letzten Wochen solch einen landesweiten Dialog gefordert, auch Luitgard Derschmidt, die Präsidentin der Katholischen Aktion, oder prominente Ordensobere wie der Herzogenburger Propst Maximilian Fürnsinn und der Abt des Stiftes Schlägl/OÖ, Martin Felhofer, hatten sich dafür stark gemacht.

Die Antwort der Pfarrer-Initiative

Die Pfarrer-Initiative reagierte enttäuscht auf die Absage der Bischofskonferenz an solch einen österreichweiten "Dialog mit dem Kirchenvolk“. Außerdem stellte die Initiative in einer Erklärung fest, dass "wir das Wort ‚Ungehorsam‘ in unserem Aufruf nicht als ‚Kampfwort‘ und auch nicht leichtfertig verwenden. Es spricht vielmehr offen die Situation unserer Kirche an.“

Unterstützung erhielten die initiativen Pfarrer zuletzt vom Katholischen Akademikerverband Österreichs, der bei seinem Gesamtvorstand am 13. November begrüßte, "dass Priester und Laien in mehrfachen Aufrufen die gegenwärtige Situation als unhaltbar darstellen und ein Ende des Reformstaus fordern.“ Die katholischen Intellektuellen endeten ihre Stellungnahme mit einem Wort Kardinal Königs: "Der Mensch unserer Tage ist sich seiner Freiheit bewusst. Da nützt alles Pochen auf Autorität, alles Einfordern von Gehorsam nichts …“

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