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Abschied von Deutschlands Privatdetektiv

Es gibt Fernsehereignisse, die schon immer da waren. Zumindest wenn einen die Erinnerung nicht trügt. Die auch vom ORF übernommene ZDF-Serie "Ein Fall für zwei“ gehört da sicher dazu.

Falsch erinnert! Denn erst seit kurzen einundreißig Jahres, also seit 1981 ermittelt Privatdetektiv Matula alias Claus Theo Gärtner an der Seite eines umtriebigen Rechtsanwalts in Kriminalfällen, wo die Polizei zu unfähig oder -willig ist, um den wahren Täter zu finden.

Doch 1981 bis 2012 ist in Fernsehdimensionen doch ein Zeitraum, in den mehrere Äonen hineinpassen. Und man sieht dem mittlerweile 69-jährigen Gärtner auch schon ein wenig an, dass er in die Jahre gekommen ist.

Matula war und blieb das konstante Element aller "Fälle für zwei“. Bei den hauptdarstellenden Anwälten hingegen verschliss die Serie gleich vier, einer davon, Dr. Johannes Voss, den Matthias Herrmann in den Episoden 149 bis 182 zwischen 1997 und 2000 spielte), starb den Bildschirmtod.

Am nachhaltigsten hat sich dennoch der erste der Anwälte, Dr. Dieter Renz, der in den ersten 60 Episoden bis 1988 on air war, im Gedächtnis festgesetzt: Günter Strack (1929-99) hatte die Figur und auch die Serie populär gemacht und umgekehrt diese ihn. Doch nach Stracks Ausscheiden galt Gärtner unangefochten als der Star der Serie, was zuletzt durch die eher blasse Performance seines derzeitigen Auftraggebers, Dr. Markus Lessing (Paul Frielinghaus), noch verstärkt wurde .

Vor Kurzem hat Claus Theo Gärtner erklärt, mit der schon abgedrehten Episode 300 aus der Serie auszusteigen. Das ZDF zog die einzig logische Konsequenz - und stellt nun "Ein Fall für zwei“ ein.

Ein weiteres Stück Fernsehen ist somit Geschichte. Und ein Rekordfall: Denn Claus Theo Gärtner überflügelt mit 300 Folgen den bisherigen Spitzenreiter Horst Tappert, der es in der Titelrolle der ebenfalls vom ZDF ausgestrahlten Serie "Derrick“ (1974-98) "nur“ auf 281 Episoden gebracht hat.

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