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Absolut kein Heiligenschein

Es gibt ganz wenige, aber doch noch wirklich Gute in diesem Land. Seit uns Atha Athanasiadis, seines Zeichens Chefredakteur, im Editorial des letztwöchigen News in dicken Lettern beschied: "FPÖ-werbefrei. Andere nehmen ihr Geld. Wir nicht.", wollten wir aus unserem Herzen keine Mördergrube machen: Ja, es sind in diesem Land doch noch gute Menschen zu finden, die sich der mit rechter Rüpelhaftigkeit gespickten Wahlkampagne verweigern. Und das in der Wirtschaftskrise, das die Inserate für Printmedien wegbrechen ließ wie nie. So weit, so edel.

In besagtem Editorial ereifert sich der Chefredakteur dann auch über die "verehrten Kollegen", die sich den Vorwurf gefallen lassen müssten, "dass sie fürs liebe Geld jeden ihrer sonst hehren Vorsätze über Bord werfen. Und zwar sofort und ohne Bedenken."

Gemach! Gemach! Wer im Glashaus sitzt …

Die angesprochene Ausgabe von News zierte bekanntlich eine Fotomontage, in der in ein Hitler-Konterfei der Kopf von Strache und in ein Göring-Bild jener von Martin Graf montiert war. HC & Co schäumten darob und drohten mit Klage.

Wir geben zu: Letzteres beunruhigt uns weniger. Dennoch ist die Aufmachung dieses News-Heftes und seiner Cover-Story empörend. Denn allen Schalmeientönen des Chefredakteurs zum Trotz liegt auch hier ein wirtschaftliches Kalkül zugrunde: Hitler sells und HC Strache sells - eine Kombination aus beiden treibt die Aufregung und somit die Aufmerksamkeit verkaufsfördernd erst recht in die Höhe.

Dass dabei einmal mehr Hitler oder Göring verniedlicht werden, nimmt solch ein Blatt nonchalant in Kauf. Ja: Der politische Anstand gebietet es, dass sich Medien menschenverachtenden Polit-Inserate verweigern. Aber ebendieser Anstand verbittet sich auch jedwede Verharmlosung der NS-Zeit.

Nein, News gebührt kein Heiligenschein. Sondern ein Extrapreis für Scheinheiligkeit.

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