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Amerikanische Werte

Einst war die Postmoderne gut. Sie zeigte neue Wege der Betrachtung, sie hinterfragte den Scientismus und den Glauben, die Wissenschaft könne alles erklären. Jetzt aber werden die Führungspersönlichkeiten zu Businessmen, die nicht viel mit Werten zu tun haben. Was genau bedeutet Trumps "Let's make America great again"? In welchem Sinne "great again"? Um welche Größe geht es da, um welchen Wert? Die geografische Größe kann es nicht sein, denn die USA sind heute so groß wie immer. Die Größe des Militärapparats? Die USA waren selten in einer stärkeren Position seit dem Kollaps der Sowjetunion. Ökonomisch? Sicher hat Trumps persönliche Nähe zum Reichtum zu der Vorstellung bei seinen Anhängern geführt, dass auch jene reicher würden, die ihn wählten. Ich meine, viele Amerikaner haben auch das Bedürfnis, einer "Firma USA" anzugehören.

Aber in Wahrheit geht es nicht um Geld und Reichtum. Es geht darum, den Amerikanern ihren Stolz zurückzugeben. Dass ihre Werte wieder geschätzt werden. Nun ist es gerade das Paradox Trumps, dass er auf vielen dieser Werte herumtrampelt. Etwa auf der Vision, dass Amerika ein Land ist, das jedem offen steht, gleich welcher Religion oder welcher Profession. Was kann Amerikaner stolz darauf machen, dass beinahe jeder politische Akt im In-und Ausland zu Demonstrationen oder zumindest zu Missverständnissen führte? Die Art, wie Trump Gesetze macht, zeigt dass er Symbolik der Strategie vorzieht. Wenn der Präsident kein tiefergehendes Programm hat, dann werden die Werte, auf denen Amerika gebaut ist, weiter erodieren. Trump kann das nicht bloß tun, weil die Relativierung von Wahrheit, Werten, Erziehung in der Postmoderne relativiert wurden. Er kann es tun, weil Philosophen und andere Denker scheitern, Politikern eine Richtung vorzugeben, ein Feld, das auf tiefergehende Reflexionen gegründet ist.

Der Autor ist Professor für Ökonomie an der Karlsuniversität Prag

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