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Feuilleton

Ankommen in der Normalität

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

" Der ORF muss sich jedenfalls neu aufsetzen. Auch am alten Standort.“

Franz Küberl, Mitglied im Stiftungsrat des ORF bringt es auf den Punkt: "Wenn Generaldirektor Alexander Wrabetz ankündigt, den ORF neu aufsetzen zu wollen, kann ich nur sagen: Das ist richtig und wichtig.“ Ab dann, und diese Hinzufügung wird wohl von allen in Stiftungsrat und Führung des ORF geteilt, beginnt das Dilemma.

Der ORF gehört neu aufgesetzt, und wie bei allen Unternehmen ist dies zumeist auf der grünen Wiese am ehesten möglich. Das Grün hieße diesfalls neuer Standort in St. Marx, einem von der Wiener Stadtregierung mit Ehrgeiz und Ausdauer betriebenen Erschließungsprojekt. Zwar will Wrabetz dort hin, aber alle anderen wollen nicht weg vom Küniglberg.

Neu und kostengünstig aufsetzen ließen sich das Gebäude, die Infrastruktur, die Technik, die Produktion, das Personal et cetera. Den Traum aller Gründer durfte sich Wrabetz-Vorgänger Gerd Bacher am Küniglberg erfüllen, nicht aber die neue Generation.

So sehr manche Logik der Beriebsführung und Marktpositionierung des ORF für einen neuen Standort sprächen, so sehr sprechen politische Umstände - ihrer ganz spezifischen Logik folgend - dagegen. Behält der ORF seine auf politischer Zustimmung beruhenden Erlöse aus Gebühr und Refundierung? Erzielt er Gewinne aus Veräußerungen? Wäre er Herr am neuen Grundstück? Und generell: Traut sich eine von AKH bis Skylink durch Bauskandale schockgelähmte Politik überhaupt, auch nur irgendeinem Großprojekt Zustimmung und Zuwendung zu erteilen? Fürchtet sie nicht - in Kenntnis inhärenter Versuchungen - Misswirtschaft und Skandal so sehr, dass sie sogar dem Parlamentsgebäude die fällig Sanierung verweigert?

Diese Politik hält sich den ORF, ist ihm aber keine Hilfe. Der wäre gut beraten, auch hinsichtlich der Erlös- und Kostenstruktur in der Normalität anzukommen und sich damit dort zu behaupten, wo Medien und Märkte längst sind. Dazu muss er sich neu aufsetzen. Auch dann, wenn er bleibt, wo er ist.

" Der ORF muss sich jedenfalls neu aufsetzen. Auch am alten Standort.“

Franz Küberl, Mitglied im Stiftungsrat des ORF bringt es auf den Punkt: "Wenn Generaldirektor Alexander Wrabetz ankündigt, den ORF neu aufsetzen zu wollen, kann ich nur sagen: Das ist richtig und wichtig.“ Ab dann, und diese Hinzufügung wird wohl von allen in Stiftungsrat und Führung des ORF geteilt, beginnt das Dilemma.

Der ORF gehört neu aufgesetzt, und wie bei allen Unternehmen ist dies zumeist auf der grünen Wiese am ehesten möglich. Das Grün hieße diesfalls neuer Standort in St. Marx, einem von der Wiener Stadtregierung mit Ehrgeiz und Ausdauer betriebenen Erschließungsprojekt. Zwar will Wrabetz dort hin, aber alle anderen wollen nicht weg vom Küniglberg.

Neu und kostengünstig aufsetzen ließen sich das Gebäude, die Infrastruktur, die Technik, die Produktion, das Personal et cetera. Den Traum aller Gründer durfte sich Wrabetz-Vorgänger Gerd Bacher am Küniglberg erfüllen, nicht aber die neue Generation.

So sehr manche Logik der Beriebsführung und Marktpositionierung des ORF für einen neuen Standort sprächen, so sehr sprechen politische Umstände - ihrer ganz spezifischen Logik folgend - dagegen. Behält der ORF seine auf politischer Zustimmung beruhenden Erlöse aus Gebühr und Refundierung? Erzielt er Gewinne aus Veräußerungen? Wäre er Herr am neuen Grundstück? Und generell: Traut sich eine von AKH bis Skylink durch Bauskandale schockgelähmte Politik überhaupt, auch nur irgendeinem Großprojekt Zustimmung und Zuwendung zu erteilen? Fürchtet sie nicht - in Kenntnis inhärenter Versuchungen - Misswirtschaft und Skandal so sehr, dass sie sogar dem Parlamentsgebäude die fällig Sanierung verweigert?

Diese Politik hält sich den ORF, ist ihm aber keine Hilfe. Der wäre gut beraten, auch hinsichtlich der Erlös- und Kostenstruktur in der Normalität anzukommen und sich damit dort zu behaupten, wo Medien und Märkte längst sind. Dazu muss er sich neu aufsetzen. Auch dann, wenn er bleibt, wo er ist.