Apfel, Stein, Papier: Tablets als Chance für Zeitung

Ob die Erfindung des iPads Fluch oder Segen für Printmedien war, darüber diskutierten Medienmacher beim "European Newspaper Congress“ in Wien.

Die Gratiskultur ist ein sprichwörtlicher Stein, den sich die Zeitungen beim Aufbruch ins Internetzeitalter in den Weg gelegt haben. Darüber war man sich auch am "European Newspaper Congress“ einig. Von 1. bis 3. Mai diskutierten Zeitungsmacher in Wien, ob Tablet-PCs dabei helfen können, den Stein aus dem Weg zu räumen oder ihn zumindest zu umgehen.

Neue Trauben für neue Flaschen

Seit Apple vor fast genau einem Jahr das iPad auf den Markt brachte, schöpfen Zeitungsmacher wieder Hoffnung auf lukrativeres Geschäft. Carlo Campos von der Media Consulting Group in London gibt Tablets eine gute Chance - wenn die Medien nicht wieder den Fehler machen und ihr Pulver verschießen, ohne Geld zu verlangen. Doch bloß pdf-Files auf den Tablet-Bildschirm zu bringen werde zu wenig sein. Mit Campos’ Worten: "Man kann alten Wein nicht in neue Flaschen schütten.“ Man muss also neue Trauben anbauen: Nachrichten, die für Augen und Finger gemacht sind. Videos, Diashows, Animationen werden wichtiger. Es müssen Nachrichten zum Angreifen und zum Erleben sein.

Animiertes "Gagazeug“

Darin sieht auch Alfredo Trivino, Kreativdirektor bei Rupert Murdochs Medienkonzern News International, die Möglichkeit für Zeitungen, auf Tablets Fuß zu fassen. Mit den Breaking News werde man nicht konkurrieren können, die werden die Menschen weiter auf Nachrichtenseiten abrufen.

So positiv die Stimmung für Tablets ist, so kritisch ist sie oft gegenüber dem iPad. "Apple möchte der Kiosk der Welt werden“, so Campos. "Beißen Sie nicht aus Impuls in den Apfel. Wir dürfen nicht dasselbe Schicksal erleiden, wie die Musikindustrie.“

Peter Hogenkamp, Leiter Digitale Medien der Schweizer NZZ-Gruppe, kann sich für Tablets nicht sonderlich begeistern. Lesen bleibt für ihn die Hauptfunktion. Auf "animiertes Gagazeug“ bei Tablets, wie er es nennt, kann er verzichten. Keine wirkliche Freude beschert es ihm etwa, die Haare von Prinz William virtuell wegzurubbeln, um zu sehen wie der frisch gebackene Ehemann als Glatzkopf aussieht.

Der einen Kritik, der anderen Hoffnung: Der Spaßeffekt bleibt umstritten. Ob die Produkte schon Erfolg bringen, darf aber bezweifelt werden. Selbst die größten Anhänger der Tablets wollten keine aktuellen Leserzahlen nennen.

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