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Gezahlt, gewogen, gebaut

Die Diözese St. Pölten hat heuer zum erstenmal den Versuch gewagt, im Ausstellungsraum des mederösterreichischen Landesmuseums in Wien in der Zeit vom 14. bis 28. April in einer kleinen Ausstellung einen Querschnitt durch die kirchliche Bautätigkeit der letzten Jahre der Öffentlichkeit zu geben. Der Erfolg hat den Versuch gerechtfertigt. In der kurzen Zeit konnten wir fast tausend Besucher dieser bescheidenen Ausstellung zählen.

Um auch dem Leserkreis der „Furche“ einen kleinen Einblick in das Schaffen unserer Diözese auf dem Sektor des kirchlichen Bauwesens in den letzten drei Jahren zu geben, ist die folgende kurze Zusammenstellung geschrieben.

Es sei von vornherein bemerkt, daß die kirchlichen Bauten der Diözese nicht gezählt, sondern gewogen werden müssen. Ein ganz großes Bauprojekt hat alle anderen Bauvorhaben überschattet: der Bau des großen Exerzitien- und Bildungshauses in St. Pölten, das heuer im Oktober geweiht und eröffnet werden soll. Über dieses große Werk wird ein eigener Artikel des jungen Architekten Ing. Julius Eberhardt die Leser unterrichten. Trotzdem wurde der eigentliche Kirchenbau tatkräftig fortgeführt.

Im Juli 1959 wurde die neuerbaute Kirche in Krems-Lerchenfeld geweiht. Sie wurde nach den Plänen des Herrn Architekten Dr. Julius Bergmann, Wien-Perc'ntoldsdorf, gebaut.

Im September 1959 wurde die neue Kirche in Stephanshart eingeweiht — Architekt: Ingenieur Dr. Franz Barnath, St. Pölten. Der Bau der Kirche war notwendig geworden, da die alte gotische Kirche durch Erdrutsch derart ruinös geworden war, daß sie gesperrt werden mußte. Eine Renovierung war infolge des ungünstigen Geländes nicht mehr möglich. Zur Ehre der Pfarrgemeinde Stephanshart sei erwähnt, daß sie fast eineinhalb Millionen Schilling für ihre Kirche aus Eigenmitteln aufgebracht hat, obwohl der Großteil dieser Pfarre im Inundationsgebiet der Donau liegt und durch die Überschwemmungen der Donau in den letzten Jahren viel gelitten hat.

Ein Herzenswunsch unserer hochwürdigsten Bischöfe konnte im Vorjahr mit der Weihe der Kirche in Nagelberg — Architekt Ing. Josef Friedl, Wien — erfüllt werden. Dieses Gebiet der Mutterpfarre Brand bei Gmünd ist äußerstes Grenzland gegen die Tschechoslowakei hin. Die neue Kirche ist kaum einen Kilometer von der Staatsgrenze entfernt. Infolge der weiten Entfernung von der Mutterkirche war eine richtige seelsorgliche Betreuung dieser fast reinen Industriebevölkerung von Alt- und Neunagelberg (Glasindustrie) kaum möglich. Nun steht dort eine neue Kirche, ein ansehnliches Pfarrhaus und ein schmucker, ganz moderner Kindergarten.

Fertiggestellt und am 19 März dieses Jahres geweiht wurde die große Kirche Maria-Lourdes im nördlichen Teil St. Pöltens (Architekt Ingenieur Dr. Franz Barnath, St. Pölten). Mit der Kirche wurden ein neues Pfarrhaus und ein Haus für den Seelsorger des städtischen Krankenhauses errichtet.

Im Rohbau werden heuer noch fertiggestellt: die neue Kirche in Traunstein (Architekt Dipl.-Ing. Dr. Ladislaus Hruska, Wien) und Prinzersdorf a. d. Westbahn (Architekt Doktor Julius Bergmann, Wien). Die alte Kirche in Traunstein bei Ottenschlag war so klein, daß die Kirchenbesucher, die zum großen Teil einen langen, beschwerlichen Kirchenweg haben, auf den Altarstufen und auf den Stufen zur Kanzel sitzen mußten. Von der alten Kirche bleiben nur der Turm, der um vier Meter erhöht werden muß, ein kleiner Rest des Presbyteriums und eine winzige gotische Kapelle erhalten, so daß praktisch von einem Neubau gesprochen werden muß. Notwendig wurde auch der Bau der Kirche in Prinzersdorf. Durch die soziale Umschichtung der Bevölkerung wurde der Pfarrort Gerersdorf derart in die Minderheit gedrängt, daß die bisherige Filiale eine eigene Pfarre mit einer selbständigen Pfarrkirche werden muß.

Das Zisterzienserstift Lilienfeld baut unter Mithilfe der Diözese im Industrieort Traisen eine neue Kirche, deren Rohbau ebenfalls heuer noch fertig werden soll.

Die bereits im Rohbau bestehenden Kirchen in Neustift-Innermanzing (Pfarre Altlengbach), Vestental (Pfarre Haidershofen) und Greifenstein (Pfarre St. Andrä vorm Hagental) sind fertigzustellen. Da letztere Kirche eine Pfarrkirche werden soll, wurde heuer mit dem Bau eines Pfarrhauses begonnen (Architekt Doktor Petermeier, Wien).

Das Bischöfliche Bauamt hat ferner in eigener Planung (Bauinspektor Ing. Johann Kräftner und Assistent Franz Glatz) eine Notkirche in Kienberg (Pfarre Gaming) errichtet. Gerade dieser Bau ist ein typischer Beweis für die Notwendigkeit von Kirchen, auch in rein industriellen Gebieten. Bisher wurde der Sonntagsgottesdienst in der Volksschule gehalten. Durchschnittlich besuchten 40 bis 50 Gläubige den Gottesdienst. Das Bauamt war optimistisch und plante eine Notkirche, die später, nach Erbauung der Kirche, als Pfarrheim verwendet werden kann, mit einem Fassungsraum von 150 Sitzplätzen. Vom Tag der Einweihung an besuchen mehr als 200 Gläubige Sonntag für Sonntag die hl. Messe.

In Planung ist eine Kirche in Neuda bei Pöchlarn, die ebenfalls durch die Industrialisierung dieses Gebietes erzwungen wird.

Auf der nordwestlichen Anhöhe von Amstetten, dem sogenannten Krautberg, ist eine große Siedlung entstanden, die eines kirchlichen Mittelpunktes bedarf. Mit dem Bau eines modernen Kindergartens wurde bereits heuer begonnen.

Einige andere Pfarreien haben bereits drin genden Bedarf an neuen Kirchen gemeldet. Von den Renovierungen, die ja jedes Jahr einige Dutzend Kirchen umfassen, sei nur die besonders gut gelungene der Stadtpfarrkirche Horn erwähnt. Dank der Munifizenzen des Stiftes Altenburg, dem die Pfarre Horn inkorporiert ist, und unter Beihilfe der Diözese wurde diese, in der Reformation als evangelisches Gotteshaus erbaute Kirche nach den Plänen des Herrn Architekten Dr. Petermeier, Wien, teilweise erweitert und mustergültig restauriert. Das Hauptschiff präsentiert sich nun als eine der schönsten Renaissancehallen in österreichischen Ländern.

Ferner seien noch erwähnt die Umbauten beziehungsweise Vergrößerungen an den Kirchen in St. Ägyd am Neuwald, Altenmarkt im Ysper- tal, Echsenbach, Eggenburg, Wieselburg an der Erlauf.

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