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Schneller, höher, mutiger

OLYMPIA IN ÖSTERREICH. Herausgegeben von Kurt Bernegger im Auftrag des Olympischen Komitees. Österreichischer Bundesverlag, Wien und München, 1963. Ganzleinen, farbiger Schutzumschlag, 57 Photos. 132 Seiten. Preis 185 S. — ÖSTERREICHISCHES SPORTJAHRBUCH 1962. Herausgegeben vom Bundesministerium für Unterricht unter Mitwirkung der österreichischen Sportverbände und Sportjournalisten. Österreichischer Bundesverlag. Ganzleinen, 324 Seiten, 115 Photos, 10 Zeichnungen. Preis 210 S.

Citius, altius, fortius (schneller, höher, mutiger) ist auf der Olympiamedaille zu lesen. Und im Vorwort des ÖOC-Präsi-denten und Unterrichtsministers Doktor Drimmel, das den zwei Feinden des modernen Sports, dem Professionalismus und dem Mammonismus, den Krieg erklärt, heißt es unter anderem: „Es geht um die Wesensfrage des Sports: Ist er ein Mittel, den Menschen zu harmonischer Dreiheit von Seele, Geist und Körper zu führen, oder dient er der Versklavung des Körpers für nationale oder materielle Ambitionen? Wird der Sport Segen oder Fluch unseres Zeitalters?“

Es ist also ein guter Geist, der über dieser literarischen Präparation („O1 y m-pia in Österreich“) zum größten Ereignis in der Geschichte des österreichischen Sports waltet: den erstmals in Österreich veranstalteten Olympischen Winterspielen in Innsbruck vom Mittwoch, 29. Jänner 1964, bis Sonntag, 9. Februar 1964. In bestechend schönen Bildern wird der Schauplatz der kommenden Winterolympiade aufgeblättert, in klugen Texten und übersichtlichen Tabellen eine Art Heerschau vor dem ritterlichen Kampf geboten.

Österreichs Wintersportchronik ist aller Ehren voll. Toni Sailers dreifacher Goldmedaillensieg auf der Winterolympiade in Cortina 1956 und unser Sensationssieg mit 15 Medaillen und 47 Punkten bei den Weltmeisterschaften 1962 in Chamonix sind die Höhepunkte. In der Gesamtwertung der Olympischen Winterspiele 1924/1960 (alpine und nordische Disziplinen) steht Österreich mit 12 Goldmedaillen, 18 in Silber und 16 in Bronze an fünfter Stelle des Weltsports, überflügelt nur von Norwegen, den USA, Finnland

und Schweden. Höchst eindrucksvoll ist Österreichs regelrechte Weltherrschaft im alpinen Skilauf. Hier führt Österreich vor allen Nationen der Welt in den olympischen Bewerben mit 7/10/10 (27 Medaillen) vor der Schweiz mit nur 12 Medaillen, bei den Weltmeisterschaften von 1931 bis 1960 mit 29/28/27 Medaillen und 256 Punkten vor der Schweiz mit 184 Punkten. Auch im Eiskunstlauf hat Österreich außer dem Phänomen Karli Schäfer noch ein Dutzend Meister und Meisterinnen gestellt.

Es ist mehr als Träumerei, wenn wir in Innsbruck 1964 einen weiteren ehrenvollen Ausbau dieser Position erwarten. Vorläufig nur ein frommer Wunsch ist allerdings: daß die Sommerolympiade 1972 in Wien stattfindet und damit auch dem österreichischen Leichtathletiksport den lange fälligen Auftrieb verleiht.

Eine Art Generalmobilisierung für Innsbruck stellen die jüngsten sportlichen Leistungen Österreichs dar, wie sie das „Österreichische Sportjahrbuch 1962“ in gleich reicher Ausstattung wie die „Olympiade“ und mit gewichtigen Beiträgen und Statistiken ausbreitet. Die Redaktion: Franz Gfatter, Dr. Friedrich Langer, Dr. Rudolf E d 1-h o f e r und Ludwig Stecewicz, hat ganze Arbeit geleistet. Neben nur wenigen konventionellen Photos gibt es Bilder von atemberaubender Dynamik und Schönheit. Fünf Jahre erst ist das Jahressportbuch alt und hat sich in dieser Zeit bei den Sportlern und Sportfreunden eingelebt. Liest man zwischen den Zeilen, so wird man überdies zu vielen Gedanken angeregt, die der moderne Massensport und Leistungssport aufwirft.

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