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Soll man weitere Laufkraftwerke bauen?

1945 1960 1980 2000 2020

Alle Reserven der erneuerbaren und sauberen Energiequelle Elektrizität sollen genutzt werden. Daher fordert die E-Wirtschaft den Vollausbau der Wasserkraft in Osterreich.

1945 1960 1980 2000 2020

Alle Reserven der erneuerbaren und sauberen Energiequelle Elektrizität sollen genutzt werden. Daher fordert die E-Wirtschaft den Vollausbau der Wasserkraft in Osterreich.

Doch die Kraftwerke bewirken einen unersetzbaren Verlust ursprünglicher Landschaften. Der Vollstau würde 200 Milliarden Schilling kosten. In den Plänen der E-Wirtschaft sind bereits 150 konkrete Projekte zu finden. Nach Berechnungen des Forum Österreichischer Wissenschaftler gab es im Jahr 1900 übrigens noch mehr als 1.900 km nicht beanspruchte Fließstrecken mit über 30m5/s Wasserführung. 1950 waren es nur noch 1.600 km, 1993 650 km.

Durch den Vollausbau könnte die inländische Energieaufbringung um 20 Prozent gesteigert werden. Verglichen mit derselben Menge an Energie, gewonnen durch die Verbrennung von Öl, würde die CO2-Einsparung etwa 6,6 Millionen Tonnen betragen - das sind nur elf Prozent der gesamten österreichischen Emissionen. Dieses Gedankenexperiment des Ökologie Institutes beweist, wie unsinnig der horrende finanzielle Aufwand wäre.

Selbst wenn es der E-Wirtschaft gelingen sollte, bis zum Jahr 2005 Wasserkraftwerke mit einer Leistung von insgesamt 5.400 Gigawatt-stunden in Betrieb zu nehmen, würden die GCvEmissionen weiter zunehmen.

Jahreszeitlich bedingt können Wasserkraftwerke nämlich nur mit sqhr großen Schwankungen Energie erzeugen. Sie sind nur während der Sommermonate voll einsetzbar - im Winter liefern kalorische Kraftwerke den fehlenden Strom. Diese tragen wiederum zum Ansteigen der CCVEmissionen bei. Derzeit sind es zum Großteil Werke im Ausland (zum Teil auch Atomkraftwerke). Dieser Teufelskreis läßt sich nur durch Sparmaßnahmen beim Stromverbrauch durchbrechen.

20 Prozent Einsparungen

Und diese Einsparung ist im Bereich des Möglichen: Eine Studie der Energie Verwertungs Agentur zeigt, daß eine COvReduktion um 20 Prozent durch Energiesparen bis 2005 durchaus machbar ist. Die nötigen Maßnahmen sind ohne Komfortverlust verwirklichbar, ihr Potential ist größer als das noch vorhandene Ausbaupotential der Wasserkraft. „Bau und Betrieb eines Wasserkraftwerkes bewirken außerdem eine schwerwiegende und dauerhafte (Zer)störung der hochkomplexen und empfindlichen Kreisläufe des Ökosystem Fließgewässer”, hält Stefan Moidl, Experte für Fließgewässer im World Wildlife Fund fest. Flüsse sind Lebensadern und wesentliche Bestandteile der Landschaft.

Kraftwerke verändern die Fließ-geschwindigkeit des Wasser- und des Grundwasserspiegels in der unmittelbaren Umgebung. Langfristig verringert sich das Selbstreinigungsvermögen des Flusses - diese Faktoren gefährden nicht nur alle Tiere und Pflanzen, die im Biotop Fluß und Ufer leben, sondern auch die Qualität des Trinkwassers, gerade wenn dieses etwa aus Uferfiltraten gewonnen wird.

Viele Tier- und Pflanzenarten gehen durch die Auswirkungen eines Wasserkraftwerkes unwiederbringlich verloren. Von der E-Wirtschaft wird die „Natur aus zweiter Hand” (Moidl) propagiert. So werden beim

Kraftwerk Freudenau etwa Fische in einem eigenen „Bio”-Bereich ausgesetzt. Unbestreitbar ist, daß sich im Staubereich wieder Arten ansiedeln, aber etliche andere verschwinden für immer. Die Donau-Auen beherbergen etwa noch über 100 verschiedene Brutvögel. Viele Arten sind bereits jetzt auf der „Roten Liste” der vom Aussterben bedrohten Tiere zu finden.

Darum spricht sich auch der hochkarätig besetzte wissenschaftliche Beirat der Kommission zur Nationalparkvorbereitung in seiner Stellungnahme einstimmig gegen eine Kombination von noch so „kleinen” Wasserkraftwerken und der Einrichtung eines reduzierten Nationalparks aus. „Eine Abdämmung eines Flusses ist mit dem Leben einer Au einfach unvereinbar”, stellt Karl Burian, Vorstand des Instituts für Pflanzenphysiologie am Biozentrum der Universität Wien und Vorsitzender des Beirats fest.

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