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Ars Electronica: eine Reihe von Zufällen

Was klein begann, hat sich zu einem Unternehmen gemausert. In einem eigenen Haus, dem Ars Elecronica Center mit dem Future Lab sind rund 80 Mitarbeiter, weltweit engagiert. Mastermind, damals wie heute, Hannes Leopoldseder im Gespräch.

FURCHE: Das kulturelle Linz der 70er-Jahre war, abgesehen von Brucknerfest, nicht besonders aufregend. Im Westen Salzburger Hochkultur, im Süden der Grazer Steirische Herbst und im Osten Wien. Was macht die Stahlstadt Linz?

Hannes Leopoldseder: Der zündende Anstoß kam von damaligen ORF-Generalindentanten Gerd Bacher, der zu den Landesstudioverantwortlichen schlagwortartig gesagt hat, sie sollen Impulsgeber in ihrer Region sein. Darüber habe ich mir als junger Intendant Gedanken gemacht.

Erste Gelegenheiten kam im Herbst 1978 mit dem Linzer Elektronikmusiker Hubert Bognermayr, der mit der Frage aufgetaucht ist, ob wir seinen Symposiumsvorschlag für das Brucknerfest zum Thema Musik und Computer mitmachen wollen.

Ich habe mich dann schlau gemacht in der Nationalbibliothek, habe Bücher verschlungen, mich in das Thema eingelesen.

FURCHE: Mit welchem Ergebnis?

Leopoldseder: Durch ein Buch des Kybernetikers Herbert W. Franke ist der Groschen gefallen. Das ist es, habe ich mir damals gedacht, aber nur dann, wenn das damals obligate zweitägige Symposium erweitert und die Bevölkerung eingebunden und auf den gesamten Kulturbereich ausbreiten werden kann.

FURCHE: Ein Jahr später, 1979, ist dann das erste ARS Electronica Festival über die Bühne gegangen. Woran erinnern sie sich?

Leopoldseder: An die Reise nach München zu Herbert W. Franke zusammen mit dem Bognermayr. Erfreulich war, dass Franke gleich dabei war und erstaunlich, dass er ein fix und fertiges Konzept in der Lade hatte, ursprünglich gedacht für die Wiener Secession, aber nicht realisiert.

FURCHE: Seit Jahren ist ein Ereignis in Linz nicht mehr wegzudenken: die Linzer Klangwolke. Wie ist es dazu gekommen?

Leopoldseder: Springender Punkt für die Linzer Klangwolke war der Vorschlag, den Komponisten Walter Haupt einzuladen. Für das erste Symposium waren wir zu spät. Trotzdem habe ich seine Biografie genau gelesen und bin dabei auf eine kleine Anmerkung seines langen Werkeverzeichnisses gestoßen, wo er "Musik für eine Landschaft“ erwähnt. Warum nicht auch für Linz. Letztendlich wurde eine mehrspurige Rundfunkaufnahme der 8. Brucknersymphonie gefunden in Quadrophonie abgespielt.

* Das Gespräch führte Franz Mangelberger

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