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Auf den Spuren des Templerordens

Über den geheimnisvollsten Ritterorden des Mittelalters wurde in Österreich lange Zeit ein Mantel des Schweigens gehüllt. Grund genug, sich auf eine spannende Spurensuche zu gesicherten und vermuteten Templerorten in Österreich zu machen.

In einer Zeit, in der durch Wissenschaft und Forschung immer mehr unbeantwortete Fragen gelöst, immer mehr Mythen zerschlagen werden, gibt es nur mehr wenige Themen, welche eine Aura des Rätselhaften umgibt. Eines davon ist die Existenz des Templerordens in Österreich. Während in anderen europäischen Ländern die Bedeutung des Templerordens im 12. und 13. Jahrhundert zum Lehrstoff an den Schulen gehört, scheint man in Österreich den Stellenwert dieses mächtigsten Netzwerkes des Mittelalters eher zu verdrängen. Gabriele Lukacs und Robert Bouchal machen sich auf die Suche nach Spuren der Templer in Österreich und finden ebenso zahlreiche wie auch geheimnisvolle Zeugnisse ihrer Existenz.

1119 gegründet, war der Orden der Erste, der die Ideale des adeligen Rittertums mit jenen der Mönche in Einklang brachte. Gründer und genialer Vordenker war der Zisterzienserabt Bernhard von Clairvaux, der die Idee eines Kontinente verbindenden Netzwerkes hatte. Die ersten Ziele waren, die Strecke zwischen Jaffa und Jerusalem für die christlichen Pilger zu sichern und den Salomonischen Tempel wieder aufzubauen. Demnach sind auch in Österreich die Templer-Stützpunkte entlang der Hauptpilgerrouten ins Heilige Land zu finden. Davon zeugen noch heute viele Burgruinen, Wehrkirchen, Gehöfte und Grabsteine. Von den okkulten Ritualen und vom Geheimwissen des Ordens geht immer noch eine starke Faszination aus. Vielfältig sind die Sagen und Legenden, die sich um die Existenz des Templerordens ranken. Eine der häufigsten Spuren ist das rote Tatzenkreuz, das während der Kreuzzüge auf einem weißen Mantel aufgenäht und zum Erkennungszeichen der Templer wurde. Und es würde sich nicht um den Templerorden handeln, wäre hinter dem Kreuz nicht eine Symbolik versteckt, deren Entschlüsselung komplizierte mathematische Operationen erfordert. Ob Primzahlenkreuz oder magisches Quadrat – die Welt der Templer ist voller versteckter Zeichen und Symbole.

Inquisition, Prozesse und Morde

Vor der Auflösung des Ordens am Freitag, den 13. Oktober 1307, gab es in Europa ca. 9000 Niederlassungen und 15.000 Ordensangehörige. Auf Betreiben von König Philipp IV. von Frankreich wurden alle Templer mit Einverständnis von Papst Clemens V. verhaftet und der Inquisition übergeben. Es kam zu ungerechten Prozessen und grausamen Morden. Eine bekannte Sage aus Wien gibt Zeugnis davon und erklärt sogar die Entstehung des Namens eines Bezirkes: „Die Templer waren die Eigentümer von Hernals. Als der Orden aufgehoben wurde, drang man in ihre Burg ein, ergriff sie am Halse und ermordete sie alle. Dieses traurige Ereignis soll zur Ortsbenennung von Hernals, entstanden aus Herren und Hals, Anlass gegeben haben.“ Diese Sage steht im Widerspruch zu den Auskünften des Bundesdenkmalamtes. Demnach soll in Österreich nie ein Templer gestorben und begraben worden sein. Doch die Autoren dieses Buches lassen sich von Aussagen dieser Art nicht demotivieren. In mühevoller Kleinarbeit listen sie eine Vielzahl von Orten auf, in denen noch heute Bauten und Grabmäler von Templern zu finden sind, und verzeichnen diese auf einer genauen Skizze.

Versunkene Wege und vergessene Templersitze

Einen großen Teil des faszinierenden Buches nimmt die genaue Spurensuche nach den Resten der Templerkultur ein. Charakteristische Templerbauten waren Rundkirchen, Karner und Ritterburgen, die meist mit mittlerweile versunkenen Wegen verbunden waren. Im Osten Niederösterreichs gab es im Bereich von Schwechat bis Fischamend ein urkundlich belegtes Templergut. Auch beim Eingang zur Kirche in Petronell kann niemand deren Templer-Herkunft leugnen.

Der äußerst genauen Spurensuche der Autoren ist es zu danken, dass neben Niederösterreich auch den Templerorten in den benachbarten Bundesländern Burgenland, Steiermark und Wien Bedeutung geschenkt wird. Die Burg Lockenhaus mit ihrem faszinierenden „Kultraum“, die Virgil-Kapelle am Stephansplatz und die Gedenktafel in Erdberg als Erinnerung an die Gefangennahme von Richard Löwenherz durch Leopold von Österreich sind nur einige davon.

Um dem Leser die Reise auf den Spuren der Templer zu erleichtern, haben die Autoren zu den jeweiligen Orten genaue Tipps für die Anreise angeführt.

Ein Verzeichnis aller Orte mit möglichen Templerspuren auf den letzten Seiten des Buches bietet eine hilfreiche Zusammenfassung.

Das geheime Netz der Templer

Wege und Spuren in Österreich

Gabriele Lukacs; Fotos: Robert Bouchal

Pichler Verlag, 2010 e 24,95

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