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Feuilleton

Aus dunklen Tiefen

1945 1960 1980 2000 2020

William Blake: Eine exemplarische interpretierende Biographie.

1945 1960 1980 2000 2020

William Blake: Eine exemplarische interpretierende Biographie.

Dank einer Maske, die 1823 dem Lebenden abgenommen wurde, wissen wir genau, wie William Blake ausgesehen hat. Er blickt grimmig. Dran könnten die Strohhalme schuld sein, die ihm J. Deville in die Nase steckte, damit er atmen konnte, während der Gips hart wurde.

Immer wieder erlebt das Helle, Klare, Rationale, kurz das Klassische, seine Zeit. Und immer wieder kehrt das Dunkle, Geheimnisvolle, Irrationale zurück. Goethe steht für einen Höhepunkt des Klassizismus. Nur acht Jahre nach Goethe wurde William Blake geboren, der aus düsteren Visionen Schöpfende, der wieder einmal alles über den Haufen werfen und die Regeln des Klassizismus hinwegfegen sollte. Blake, der Patron des Jugendstils. Ein Urahn aller, die aus den dunklen Tiefen der Seele schöpfen. In einem gewissen Sinne auch eines neuen Irrationalismus.

Ohne Vorwort, ohne sich über seine Absichten zu verbreiten, springt Peter Ackroyd mitten hinein in die Vita des visionären Malers, Kupferstechers und Dichters. Brillanter Auftakt einer William Blake kongenial interpretierenden Biographie. Aus dem Milieu einer Dissenter-Familie (welcher Sekte Blakes Eltern angehörten, ist ungeklärt, aber sie förderten das schwierige Kind) und den Anlagen eines eigenwilligen, störrischen Knaben, der keiner Grundschule zumutbar war (und keine ihm), wird das solide Fundament einer Biographie gezimmert: "Gott sei Dank ward ich nie in die Schule gebracht, / wo mit Prügeln aus Kindern Narren man macht." Blake war ein harter, ausdauernder Arbeiter als Kupferstecher, aber dem Dichter flogen die Verse nur so zu. Blake, ein Mann von tiefer Religiosität, integrierte in seinem Kosmos religiöse, sexuelle, aus Traumtiefen aufsteigende und freimaurerische Symbolik, ohne dass man wüsste, ob er einer der Ihren war.

WILLIAM BLAKE. Dichter, Maler,

Visionär. Von Peter Ackroyd.

Albrecht Knaus Verlag, München 2001

476 Seiten, Bilder, geb., öS 423,-/e 30,77

Dank einer Maske, die 1823 dem Lebenden abgenommen wurde, wissen wir genau, wie William Blake ausgesehen hat. Er blickt grimmig. Dran könnten die Strohhalme schuld sein, die ihm J. Deville in die Nase steckte, damit er atmen konnte, während der Gips hart wurde.

Immer wieder erlebt das Helle, Klare, Rationale, kurz das Klassische, seine Zeit. Und immer wieder kehrt das Dunkle, Geheimnisvolle, Irrationale zurück. Goethe steht für einen Höhepunkt des Klassizismus. Nur acht Jahre nach Goethe wurde William Blake geboren, der aus düsteren Visionen Schöpfende, der wieder einmal alles über den Haufen werfen und die Regeln des Klassizismus hinwegfegen sollte. Blake, der Patron des Jugendstils. Ein Urahn aller, die aus den dunklen Tiefen der Seele schöpfen. In einem gewissen Sinne auch eines neuen Irrationalismus.

Ohne Vorwort, ohne sich über seine Absichten zu verbreiten, springt Peter Ackroyd mitten hinein in die Vita des visionären Malers, Kupferstechers und Dichters. Brillanter Auftakt einer William Blake kongenial interpretierenden Biographie. Aus dem Milieu einer Dissenter-Familie (welcher Sekte Blakes Eltern angehörten, ist ungeklärt, aber sie förderten das schwierige Kind) und den Anlagen eines eigenwilligen, störrischen Knaben, der keiner Grundschule zumutbar war (und keine ihm), wird das solide Fundament einer Biographie gezimmert: "Gott sei Dank ward ich nie in die Schule gebracht, / wo mit Prügeln aus Kindern Narren man macht." Blake war ein harter, ausdauernder Arbeiter als Kupferstecher, aber dem Dichter flogen die Verse nur so zu. Blake, ein Mann von tiefer Religiosität, integrierte in seinem Kosmos religiöse, sexuelle, aus Traumtiefen aufsteigende und freimaurerische Symbolik, ohne dass man wüsste, ob er einer der Ihren war.

WILLIAM BLAKE. Dichter, Maler,

Visionär. Von Peter Ackroyd.

Albrecht Knaus Verlag, München 2001

476 Seiten, Bilder, geb., öS 423,-/e 30,77