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Aus Leidenschaft christlich und sozial

Bregenz, Anfang Oktober: Im Festspielhaus verzaubert José Carreras mit dem Glanz seiner Stimme. Als der Applaus verklingt, sind 80.000 Euro in der Kasse. Nicht für den Star-Tenor, sondern für eine Schule in Äthiopien – 140 Kilometer von Addis Abeba entfernt.

Das Benefizkonzert des Startenors ist ein Geschenk an Carreras’ Schwiegervater: Der ist Vorarlberger – und eine der Lichtgestalten heimischer Nachkriegspolitik. Über ein Vierteljahrhundert war er auch Mitherausgeber der FURCHE: Bertram Jäger. Am Donnerstag dieser Woche wird er 80 Jahre alt.

Fast unvorstellbar, wie viele Spuren der sportlich-drahtige Jubilar gezogen hat – und noch immer zieht: in seiner Vorarlberger Heimat, in der Bundespolitik – und auch auf anderen Kontinenten. Immer angetrieben von einer Prägung, die ihm schon in der Kindheit aus kleinsten Verhältnissen und später aus der katholischen Soziallehre zugewachsen war. Steil führte ihn der Weg vom kleinen Betriebsrat über den Sitz im Landtag bis zur sensationellen Wahl zum ersten „schwarzen“ Arbeiterkammerpräsidenten in Österreich, zum ÖVP-Vize unter Alois Mock – und, für acht Jahre, zum Landtagspräsidenten.

Unbestritten war Bertram Jäger lange Zeit der populärste Politiker im „Ländle“ – glaubwürdig, bodennah und beispielhaft umtriebig. Nie ein Scharfmacher, aber immer ein Kämpfer für sozialpolitische Anliegen. Und das nicht nur in der bis dahin einfärbig roten AK-Spitze, sondern auch im eigenen Parteigehege. Ihm verdankte die ÖVP wesentliche Impulse zu Mitbestimmung und Steuerpolitik, zur Vermögensbildung der Arbeitnehmer – und zur Sozialpartnerschaft. Und zudem den öffentlichen Eindruck, das Zeug zu einer „echten Volkspartei“ zu haben.

Die Retter der FURCHE

48 Jahre war Jäger, Vater von sechs Kindern, politisch hochaktiv – und dazu von 1976 bis 2003 auch Schutzpatron der damals von Stürmen gebeutelten FURCHE; im Trio mit dem legendären Styria-Chef Hanns Sassmann und Ex-Finanzminister Wolfgang Schmitz (später kam der Publizist Felix Gamillscheg dazu).

Engagiert und aufmerksam-kritisch verfolgt Bertram Jäger auch heute noch den Weg dieser Zeitung. Sein Credo hat er schon im ersten redaktionellen Beitrag formuliert: „Die grundsätzliche Orientierung an der katholischen Soziallehre ist für jeden, der Politik aus christlicher Verantwortung zu verwirklichen versucht, unerlässlich.“ Den redaktionellen Freiraum hat er dennoch nie einzuschränken versucht.

Was Jäger dann, jenseits der Pensionsgrenze, noch ins Visier genommen und realisiert hat, ist beispielhaft – und konsequent: Schillingmillionen hat er für P. Sporschills rumänische Straßenkinder erbettelt. Im südamerikanischen Ecuador hat er nach einem Erdbeben ein Altersheim und Waisenhaus renoviert, in Afrika Ausbildungswerkstätten, Brunnen und Schulen durch Spendenaktionen finanziert. Noch immer leitet er den „Integrativen Sportverein“ der Vorarlberger Caritas – und ist „Vize“ bei Arnold Schwarzeneggers „Special Olympics“ für mental behinderte Sportler.

Erfüllte, geschenkte Zeit. Von einem Höheren gnädig geführt und beschützt, hält er es – auch mit 80 – mit einem Lied aus der Jugend: „Wechselnde Pfade, Schatten und Licht, alles ist Gnade, fürchte Dich nicht!“

Die FURCHE gratuliert herzlich und dankt!

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