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Feuilleton

BERGZAMPANO im Karrierekamin

1945 1960 1980 2000 2020

Luis Trenker hätte seine Freude mit seiner Spielfilmbiographie gehabt: starke Geschichte, starke Hauptdarsteller und er selbst im Mittelpunkt.

1945 1960 1980 2000 2020

Luis Trenker hätte seine Freude mit seiner Spielfilmbiographie gehabt: starke Geschichte, starke Hauptdarsteller und er selbst im Mittelpunkt.

Mit Graten oder glatten Wänden hat es Luis Trenker bereits als Kletterer nicht so gehabt. Sein bevorzugtes Terrain waren die Kamine, die senkrechten Schlufe. Darin hinaufzukommen, war er Meister. Der "Trenker-Kamin" in der Torre del Siella Südwestwand ist eine seiner großen Erstbesteigungen. Stemmen, Schieben, Spreizen ist das Kamin-ABC, mit dem man weiterkommt, und dieses Karrierealphabet hat Trenker wie kein Zweiter zu buchstabieren beherrscht, in lichten Bergeshöhen ebenso wie im grellen Scheinwerferlicht des Film-, Society- und Polit- Business.

Paraderolle "Homo tirolensis"

Regisseur Wolfgang Murnberger lässt das Spielfilmporträt "Der schmale Grat der Wahrheit" mit jener Lebensphase Trenkers beginnen, in der sich dieser nach dem Zweiten Weltkrieg wieder ins große Filmgeschäft stemmen will. Seine Vorkriegskontakte nach Hollywood sollen ihm dafür Halt geben. Als Filmstoff bietet er das Tagebuch der Eva Braun mit schlüpfrigen Details aus dem Liebeslebens Hitlers an. Die 96 Schreibmaschinenseiten haben aber einen Haken, sie sind gefälscht. Ob von Trenker, oder ob er es in die Hände bekommen hat, ist bis heute ungeklärt. Er habe "eigentlich nur einen Jux mitgemacht", erklärte Trenker einmal. Im Film ist die Sache eindeutig: Da beginnt die Rahmenhandlung mit Trenker beim Fälschen des Braun-Tagebuchs, bevor zurückgeblendet wird, in die erfolgreichste Zeit Trenkers als Schauspieler und Regisseur.

Tobias Moretti spielt Luis Trenker, oder besser gesagt, Moretti ist Trenker. Die Rolle ist für ihn maßgeschneidert, ermöglicht ihm 25 Jahre nach seine Paraderolle als Joe in der Piefke-Saga den "Homo tirolensis" am Beispiel Trenker zu präsentieren. Hervorstechendes Merkmal dieser Spezies, die Trenker in Reinform verkörpert hat, ist zu wissen, allen anderen und bevorzugt Deutschen überlegen zu sein. Moretti spielt Trenker als die perfekte Tiroler Melange aus Reinhold Messner (Berg &Geschichtenerzähler), Hansi Hinterseer (Show & Charme) und Alfons Walde (Kunst & Frauenheld). Wobei durch die Drehbuch-Vorgabe - nämlich Trenker vor allem als "Trickser" darzustellen - der Filmkünstler Trenker ein wenig zu kurz gerät, und wenn, dann bloß als polterndes Regie-Ungetüm rüberkommt.

Beeindruckend als Trenkers Frau Hilda auch Barbara Romaner, die jenen Typus Ehefrau perfekt verkörpert, für den der eigene Mann zeitlebens das erste Kind darstellt, das am meisten Sorge und Bemutterung braucht. Und Jedermann-Buhlschaft Brigitte Hobmeier brilliert als Trenker-Buhlschaft sowie - Konkurrentin Leni Riefenstahl, indem sie ihre Rolle als Walküre anlegt, die ihrem Walhall die Treue hält, während Trenker schon lange wieder damit beschäftigt ist, sich den neuen politischen Gegebenheiten anzupassen und wie gewohnt die Erfolgskamine hinaufzuspreizen.

Was hätte Trenker wohl gesagt?

Aber eine Rezension über einen Trenker-Film bleibt Stückwerk, wenn nicht der Filmmeister selbst seinen Kommentar abgibt. Deshalb der Versuch einer Antwort auf die Frage: Was hätte Trenker zu diesem Spielfilm 25 Jahre nach seinem Tod gesagt?

Luis Trenker: Dieser Film war überfällig, ich hätte mir schon viel früher erwartet, dass mein Leben verfilmt wird. Ich bin ja, wie man sehen kann, nach wie vor eine derart starke Marke, dass ich einen großen Spielfilm tragen kann.

DIE FURCHE: Mit dem Titel "Schmaler Grat der Wahrheit" und dem Inhalt sind Sie zufrieden?

Trenker: Der Titel ist "Luis Trenker". Was Sie da zitieren, ist eine Pirouette des Drehbuchschreibers, der geglaubt hat, er muss meine Geschichte mehr politisch unterfüttern als es nötig gewesen wäre.

DIE FURCHE: Aber es geht doch zentral um Ihren, nobel gesagt, leichtfertigen Umgang mit der Wahrheit

Trenker: Ach woher denn, lassen Sie mich damit in Frieden! So jung sind Sie auch nicht mehr, da könnten Sie schon mitbekommen haben, dass das Leben keine Gratwanderung ist, bei der man sich immer eindeutig für links oder rechts, gut oder böse, schwarz oder weiß entscheiden kann. Das Leben ist, das haben Sie ja richtig geschrieben, wie eine Kaminkletterei, wo man sich einmal da und einmal dort abstützen muss, um raufund rauszukommen.

DIE FURCHE: Wie zufrieden sind Sie mit dem Hauptdarsteller?

Trenker: Moretti ist ein Tiroler, sehr gut. Ein fescher Mann, ein guter Kopf - wunderbar! Im Dülfersitz richtig abseilen, das muss er halt noch lernen ...

DIE FURCHE: Und sein Umgang mit Frauen?

Trenker: Da ist er mir ein bissl zu weich. Sagen wir so: Beim Skifahren mehr in die Knie und dafür bei den Frauen ein wenig mehr Kante, aber das kriegen wir schon hin. DIE FURCHE: Sie glauben, es wird weitere Trenker-Filme geben?

Trenker: Selbstverständlich, das Kino braucht gute Geschichten, und mein Leben und meine Geschichten sind großes Kino.

Mit Graten oder glatten Wänden hat es Luis Trenker bereits als Kletterer nicht so gehabt. Sein bevorzugtes Terrain waren die Kamine, die senkrechten Schlufe. Darin hinaufzukommen, war er Meister. Der "Trenker-Kamin" in der Torre del Siella Südwestwand ist eine seiner großen Erstbesteigungen. Stemmen, Schieben, Spreizen ist das Kamin-ABC, mit dem man weiterkommt, und dieses Karrierealphabet hat Trenker wie kein Zweiter zu buchstabieren beherrscht, in lichten Bergeshöhen ebenso wie im grellen Scheinwerferlicht des Film-, Society- und Polit- Business.

Paraderolle "Homo tirolensis"

Regisseur Wolfgang Murnberger lässt das Spielfilmporträt "Der schmale Grat der Wahrheit" mit jener Lebensphase Trenkers beginnen, in der sich dieser nach dem Zweiten Weltkrieg wieder ins große Filmgeschäft stemmen will. Seine Vorkriegskontakte nach Hollywood sollen ihm dafür Halt geben. Als Filmstoff bietet er das Tagebuch der Eva Braun mit schlüpfrigen Details aus dem Liebeslebens Hitlers an. Die 96 Schreibmaschinenseiten haben aber einen Haken, sie sind gefälscht. Ob von Trenker, oder ob er es in die Hände bekommen hat, ist bis heute ungeklärt. Er habe "eigentlich nur einen Jux mitgemacht", erklärte Trenker einmal. Im Film ist die Sache eindeutig: Da beginnt die Rahmenhandlung mit Trenker beim Fälschen des Braun-Tagebuchs, bevor zurückgeblendet wird, in die erfolgreichste Zeit Trenkers als Schauspieler und Regisseur.

Tobias Moretti spielt Luis Trenker, oder besser gesagt, Moretti ist Trenker. Die Rolle ist für ihn maßgeschneidert, ermöglicht ihm 25 Jahre nach seine Paraderolle als Joe in der Piefke-Saga den "Homo tirolensis" am Beispiel Trenker zu präsentieren. Hervorstechendes Merkmal dieser Spezies, die Trenker in Reinform verkörpert hat, ist zu wissen, allen anderen und bevorzugt Deutschen überlegen zu sein. Moretti spielt Trenker als die perfekte Tiroler Melange aus Reinhold Messner (Berg &Geschichtenerzähler), Hansi Hinterseer (Show & Charme) und Alfons Walde (Kunst & Frauenheld). Wobei durch die Drehbuch-Vorgabe - nämlich Trenker vor allem als "Trickser" darzustellen - der Filmkünstler Trenker ein wenig zu kurz gerät, und wenn, dann bloß als polterndes Regie-Ungetüm rüberkommt.

Beeindruckend als Trenkers Frau Hilda auch Barbara Romaner, die jenen Typus Ehefrau perfekt verkörpert, für den der eigene Mann zeitlebens das erste Kind darstellt, das am meisten Sorge und Bemutterung braucht. Und Jedermann-Buhlschaft Brigitte Hobmeier brilliert als Trenker-Buhlschaft sowie - Konkurrentin Leni Riefenstahl, indem sie ihre Rolle als Walküre anlegt, die ihrem Walhall die Treue hält, während Trenker schon lange wieder damit beschäftigt ist, sich den neuen politischen Gegebenheiten anzupassen und wie gewohnt die Erfolgskamine hinaufzuspreizen.

Was hätte Trenker wohl gesagt?

Aber eine Rezension über einen Trenker-Film bleibt Stückwerk, wenn nicht der Filmmeister selbst seinen Kommentar abgibt. Deshalb der Versuch einer Antwort auf die Frage: Was hätte Trenker zu diesem Spielfilm 25 Jahre nach seinem Tod gesagt?

Luis Trenker: Dieser Film war überfällig, ich hätte mir schon viel früher erwartet, dass mein Leben verfilmt wird. Ich bin ja, wie man sehen kann, nach wie vor eine derart starke Marke, dass ich einen großen Spielfilm tragen kann.

DIE FURCHE: Mit dem Titel "Schmaler Grat der Wahrheit" und dem Inhalt sind Sie zufrieden?

Trenker: Der Titel ist "Luis Trenker". Was Sie da zitieren, ist eine Pirouette des Drehbuchschreibers, der geglaubt hat, er muss meine Geschichte mehr politisch unterfüttern als es nötig gewesen wäre.

DIE FURCHE: Aber es geht doch zentral um Ihren, nobel gesagt, leichtfertigen Umgang mit der Wahrheit

Trenker: Ach woher denn, lassen Sie mich damit in Frieden! So jung sind Sie auch nicht mehr, da könnten Sie schon mitbekommen haben, dass das Leben keine Gratwanderung ist, bei der man sich immer eindeutig für links oder rechts, gut oder böse, schwarz oder weiß entscheiden kann. Das Leben ist, das haben Sie ja richtig geschrieben, wie eine Kaminkletterei, wo man sich einmal da und einmal dort abstützen muss, um raufund rauszukommen.

DIE FURCHE: Wie zufrieden sind Sie mit dem Hauptdarsteller?

Trenker: Moretti ist ein Tiroler, sehr gut. Ein fescher Mann, ein guter Kopf - wunderbar! Im Dülfersitz richtig abseilen, das muss er halt noch lernen ...

DIE FURCHE: Und sein Umgang mit Frauen?

Trenker: Da ist er mir ein bissl zu weich. Sagen wir so: Beim Skifahren mehr in die Knie und dafür bei den Frauen ein wenig mehr Kante, aber das kriegen wir schon hin. DIE FURCHE: Sie glauben, es wird weitere Trenker-Filme geben?

Trenker: Selbstverständlich, das Kino braucht gute Geschichten, und mein Leben und meine Geschichten sind großes Kino.