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Bisher nicht recht umweltfreundlich

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Die EU-Liberalisierung des Energiemarktes bringt für Haushalte vorläufig keine Strompreiserleichterungen. Ob das ambitionierte Ziel von drei Prozent Ökostrom bis 2005 erreicht wird, hängt von der Höhe der Einspeisetarife und Netzgebühren ab.

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Die EU-Liberalisierung des Energiemarktes bringt für Haushalte vorläufig keine Strompreiserleichterungen. Ob das ambitionierte Ziel von drei Prozent Ökostrom bis 2005 erreicht wird, hängt von der Höhe der Einspeisetarife und Netzgebühren ab.

Die von der Europäischen Union verordnete Liberalisierung des Strommarktes läßt die Preise purzeln, freut sich die Wirtschaft und jammern gleichzeitig die Elektrizitätsversorgungsunternehmen. Noch nichts davon bemerkt? Werden Sie auch so bald nicht. Zumindest nicht, wenn Sie nicht gleich viel Strom wie ein großer Industriebetrieb verbrauchen.

Die Liberalisierung gilt zur Zeit in Österreich nämlich nur für Großkunden, die bereits jetzt ihren Stromlieferanten frei wählen können. Kleinere Firmen mit einem Jahresstromverbrauch unter 40 Gigawattstunden und Haushalte müssen noch warten, bis auch sie in den Genuß der Wahlfreiheit kommen.

Nicht in allen europäischen Ländern lassen die Strompreissenkungen so lange auf sich warten. Ein griechischer Haushalt muß schon jetzt nur noch 40 Prozent des bisherigen Strompreises berappen. Auch in Portugal, Großbritannien und Spanien wurden die Strompreise um zwischen 35 und 50 Prozent gesenkt. Große Industrieunternehmen geben um bis zu 21 Prozent weniger für Strom aus. Einzig die Niederlande haben bis jetzt keinen Preisrückgang zu verzeichnen.

Eine vergleichbare Entwicklung zeichnet sich beim Gas ab. Bis August 2000 müssen die EU-Mitgliedsstaaten den Gasmarkt zumindest teilweise liberalisieren, was ähnliche Preissenkungen wie beim Strom zur Folge haben wird.

Import von Atomstrom Des einen Freud, des anderen Leid: Nicht nur die Energieversorger beklagen sich darüber, daß sie ihr Produkt nicht mehr so teuer wie bisher absetzen können. Geringere Preise haben meist mit einem höheren Verbrauch zur Folge.

Der vermehrte Strom- und Gaskonsum führt zu höheren Umweltbelastungen durch Kraftwerksbau, den Transport der Energieträger, deren Verbrennung usw. Außerdem werden Alternativen wie etwa Energiesparlampen oder Erneuerbare Energieträger, die jetzt schon mit den niedrigen Preisen von Kohle und Atomstrom kämpfen, noch weiter ins Abseits gedrängt.

Dazu kommt, daß im Zuge der Liberalisierung jeder Großabnehmer, darunter auch Energieversorgungsunternehmen, Strom importieren darf. Das ist nicht grundsätzlich schlecht, heißt aber auch, daß jede Art von Strom, egal ob aus veralteten Kohle- oder aus Atomkraftwerken, eingekauft werden darf.

Was das konkret bedeutet, zeigt die Entwicklung der Importe von Atomstrom nach Österreich, deren Anteil sich in den ersten drei Monaten dieses Jahres vervielfacht hat: Von 70 Gigawattstunden (GWh) im Jänner auf 170 GWh im März. Das entspricht immerhin schon vier Prozent der gesamten öffentlichen Elektrizitätsversorgung.

Auf der anderen Seite könnte die Liberalisierung auch eine Chance für die Umweltpolitik darstellen: Etwa wenn die Preissenkungen nur zum Teil an die Konsumenten weitergeben und der verbleibende "Gewinn" für Energiesparmaßnahmen und für erneuerbare Energieträger reinvestiert würde. Diese von Umweltgruppen seit langem und von der Regierung immer wieder versprochene Form der Energiebesteuerung wurde allerdings bereits zu Jahresbeginn stillschweigend aus den Arbeitsprogrammen der großen Koalition verbannt.

Das neue Elektriziätswirtschafts- und -organisationsgesetz (kurz ElWOG) setzt nicht nur die Vorstellungen der Europäischen Union zur Liberalisierung des Strommarktes durch. Auch zum Thema der umweltfreundlichen Stromerzeugung sind einige wichtige Bestimmungen enthalten.

So wird zum Beispiel vorgeschrieben, daß spätestens im Jahr 2005 drei Prozent des Stroms aus erneuerbaren Quellen stammen müssen. Erneuerbare Quellen sind zum Beispiel Biomasse, Biogas, Wind, Sonne, geothermische Energie oder Deponie- und Klärgas. Da die entsprechenden Technologien zur Stromgewinnung zum Teil noch relativ jung und nicht am Markt etabliert sind, kann dieses ambitionierte Ziel nur dann verwirklicht werden, wenn geeignete Rahmenbedingungen geschaffen werden, um einen kostendeckenden Betrieb zu ermöglichen.

Dafür, daß der Ökostrom unter die Leute gebracht wird, sieht das ElWOG zwei Möglichkeiten vor: Entweder kann Ökostrom ins Stromnetz eingespeist und dem regionalen Energieversorgungsunternehmen verkauft werden, das diesen dann an die Konsumenten weiterverkauft. Oder die Endverbraucher, also auch Haushalte, kaufen direkt beim Erzeuger ein.

Beide Varianten haben einen Haken. Bei der Einspeisung von Ökostrom ins Netz ersparen sich die Anbieter zwar Schritte wie Geschäftsanbahnung und Einzelabrechnung. Dafür müssen sie sich mit dem Preis abfinden, den der jeweilige Netzbetreiber oder Energieversorger zu zahlen bereit ist.

Schlußlicht Österreich Während die Lieferanten von Ökostrom kostendeckende Einspeisetarife für sauberen Strom fordern, drücken die konventionellen Energieversorger die Preise, da ungewiß ist, inwieweit sie diese Kosten auf die Konsumenten abwälzen können.

Die tatsächliche Höhe der Einspeisetarife wird per Verordnung von den Bundesländern festgelegt werden. Derzeit ist Österreich hier europaweites Schlußlicht.

Die andere Möglichkeit besteht in der Direktvermarktung von Ökostrom, also dem direkten Zugang sämtlicher Kunden zu Strom aus erneuerbaren Energieträgern. Allerdings gibt dafür noch keinen Markt und bis dato erst einen einzigen Kunden: Greenpeace Österreich bezieht den Strom für sein Wiener Büro nicht mehr vom regionalen Energieversorgungsunternehmen Wienstrom, sondern aus einer Windkraftanlage in Wolkersdorf.

Möglich ist er also, der direkte Bezug von Ökostrom. Leider es gibt noch ein Problem dabei: Greenpeace zahlt dem Windkraftwerk 1,35 Schilling pro Kilowattstunde. Das ist zwar ein angemessener und leistbarer Preis, macht aber nur einen Teil der tatsächlichen Kosten aus.

Der Netzbetreiber - die Wienstrom - möchte für die Durchleitung des Stroms nämlich eine Netzgebühr. Wie hoch diese Entschädigung tatsächlich ausfallen wird, steht noch nicht fest. Der von der Wienstrom geforderte eine Schilling pro Kilowattstunde würde Ökostrom unerschwinglich machen. Das Drei-Prozent-Ziel des ElWOG würde damit in weite Ferne rücken.

Die Autorin ist Expertin für Energiewirtschaft am Österreichischen Ökologie-Institut für Angewandte Umweltforschung.

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