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Blockbuster oder "Provinz"?

Will man eine extrem erfolgreiche Ausstellung beschimpfen, nennt man sie Blockbuster. Der martialische Begriff ("Wohnblock-Knacker") war die englische Bezeichnung für die Luftminen der Alliierten im Zweiten Weltkrieg. Als Filme wie "Der weiße Hai" oder "Star Wars" einschlugen wie eine Bombe und ganze Wohnblocks leerfegten wie seinerzeit die Luftminen, nannte man sie Blockbuster. Hätten sich die Strategen der Massenunterhaltung besser entlarven können?

Worauf sie stolz waren, ist mittlerweile ein gängiges Schimpfwort, wenn ein Wiener Museum mit einer Ausstellung (die mit den eigenen Beständen oft nur am Rande zu tun hat) auf Massenpublikum zielt. Die Konkurrenz ist groß in der Hauptstadt, und seit der Ausgliederung ist man auf Einnahmen dringend angewiesen. Das Konzept geht auf, die Massen kommen.

Wer allein sein will mit einem Kunstwerk, der braucht nur in die Landeshauptstädte zu fahren. In der eben zu Ende gegangenen großartigen Hans Staudacher-Retrospektive in Klagenfurt, in der konzeptionell beeindruckenden Ausstellung über Strawinsky und die Kunst im Salzburger Rupertinum im Vorjahr oder bei manchen Installationen im Linzer Lentos konnte man Kunst begegnen, wie man sich das immer erträumt hat: in konzentrierter Stille, allein.

Für das jeweilige Museum ist das existenzbedrohend, und nicht nur Stella Rollig in Linz ist Angriffen ausgesetzt, wenn sie ein Jahr keinen Publikumsmagneten wie Gottfried Helnwein im Programm hat. Dass dort wirklich Entdeckungen stattfinden oder dass eine so wichtige Künstlerin wie Lisl Ponger derzeit ausgerechnet in der Oberösterreichischen Landesgalerie ihre größte Museumsausstellung hat, geht völlig unter.

Fazit: Reisen in die Provinz sind dringend geboten. Vor allem, wenn man ständig auf "Blockbuster" schimpft.

cornelius.hell@furche.at

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