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Burgherren damals und heute

1945 1960 1980 2000 2020

Nö. Landesausstellung, Teil 2

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Nö. Landesausstellung, Teil 2

Sicher, festgebaut, romantisch: Trutzburgen und Traumschlösser sind die Klischees, die die "Burg im Kopf" bestimmen. Die niederösterreichische Landesausstellung "Burg und Mensch" in Schloss Waldreichs beginnt mit solchen Bildern, von Diaprojektoren auf eine überdimensionierte Krone geworfen. Kinderbuchillustrationen, Ruinen, Märchen oder das Amtshaus Wien-Hietzing sind zu sehen.

Mit Klischees arbeiteten schon adelige Burgherren, die ihr Image inWappen und Namen verpackten: Sonnberg trug das Sonnensymbol, Dachsberg den Dachs, Kranichberg den Kranich undsoweiter. Modernen Bezug dazu sucht man in Firmenlogos wie Porsche, IBM, Shell oder Apple, die harte Realität des Burgherrendaseins in alten Werkzeugen.

Der Ritter begann als Bauer, die ersten Burgen waren klein, meist aus Holz und verschwanden oft wieder von der Landkarte. Eine Computergrafik des Waldviertels zeigt, wann sie Konjunktur hatten und wie lange sie sich halten konnten. Quadersteine, Türme, Minnesang, Rittertum, die hoheitlich auf Bergen gelegene Pracht der wehrhaften Anlagen: das Mittelalter war die Hochzeit der Burgen, nach einem längeren Dornröschenschlaf entdeckte der Historismus sie wieder. Romantisch glorifiziert mutierte der Burggarten zum Schlosspark, die wilde Natur zur gezähmten, das harte Leben der Ritter zur verklärten Inszenierung.

Eine sehr oberflächliche Schau zum Drüberstreuen, mit vereinzelt wertvollen Exponaten: eine mehr schöne als funktionelle Werkbank für Kaiser Maximilian aus dem Jahr 1493, Falknertaschen, mittelalterliches Werkzeug, alte Tafelbilder (Heimsuchung Mariens, Hl. Florian, die Befreiung der Hl. Barbara aus dem Turm) - aber leider wenig Substanz.

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