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Chaotisch wie die Welt im Jahr 2000

Ein künstlerisches Mammutprojekt liefert Reflexionen, Befindlichkeiten und Zukunftsvisionen zum Jahr 2000. "Zeitwenden" heißt die Kooperative zwischen Bonn und Wien, die nun im Künstlerhaus und im Museum Moderner Kunst im 20er Haus zu sehen ist. 33 Kuratoren verschiedener Generationen aus fünf Kontinenten wählten 80 Künstler aus, die sich zum Millenium den Kopf zerbrachen. Das Resultat bildet einen bunt gemischten Querschnitt durch die internationale Gegenwartskunst mit sehr unterschiedlichen Standpunkten.

Shirin Neshat ist mit ihren starken filmischen Frauenbildern genauso vertreten wie "Klassiker" Georg Baselitz oder ein Monumentalwerk von Gilbert&George. Besonders witzig ist der Ausreißer-Beitrag des thailändischen Künstlers Navin Rawanchaikul, dessen sieben "Kunsttaxis" als kleine mobile Museen mit ihren Taxihimmeln im Inneren während der Dauer der Ausstellung durch Wien kurven. Huang Yong Pings "Zeitenwagen" reflektiert den Umgang mit Zeit: verschieden große Räder mit asiatischen Schriftzeichen symbolisieren 60 Jahre in Monaten und Wochen, die krönende Statue eines Philosophen weist gen Osten. Feng Mengbo sucht die Zeit Gottes, Gloria Friedmanns "Welt III", eine Installation aus Spiegeln und unzähligen tickenden bunten Uhren, die sich scheinbar unendlich vervielfachen, drückt lyrisch das Verweilen im Augenblick beim gleichzeitigen Fortgang der Zeit aus. Mike Kelley entwirft in einer Installation aus Computeranimationen, Modellen, Grafiken und Statistiken eine Vision der fiktiven Superman-Stadt Kandor-Con 2000. Auch Bodys Isek Kingelez erschafft aus popartigen Turmgebilden eine bunte Metropole der Zukunft.

Eine "Zeitwende", so vielgestaltig, divergierend und chaotisch wie die Welt im Jahr 2000.

Bis 1. Oktober

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