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Chronist des goldenen Wienerherzens

Als anno 1975 die Fernsehserie "Ein echter Wiener geht nicht unter“ on air ging, gab es in einigen gutbürgerlichen Haushalten Bröseln: Denn die im Drehbuch grundgelegte und von Karl Merkatz kongenial umgesetzte Figur des Edmund Sackbauer sprengte (wie so vieles zu jener Zeit) den Anstand, dem die öffentlich-rechtliche Anstalt verbunden zu sein hatte. Dabei fußte der in den Episoden dargestellte Mikrokosmos des goldenen Wienerherzens auf einer Tradition, die längst durch Qualtingers Herrn Karl und, wenn man will, sogar durch den Dauergrant eines Hans Moser vorgespielt worden war.

Nur: Dass die 1970er eben andere Akzente als die 1960er oder noch früheren Jahrzehnte des vergangenen Jahrhunderts setzten. Ernst Hinterberger, der unerreichte Chronist und Beobachter des Gemeindebaus, wird als Vater des Mundl im literarischen wie televisionären Gedächtnis bleiben.

Auch mit seinem zweiten Fernsehstreich, dem "Kaisermühlen-Blues“ (ab 1992) konnte Hinterberger reüssieren, wenn auch die Bösartigkeit beziehungsweise Hinterfotzigkeit, die den Echten Wiener ausgezeichnet hatte, da schon ein wenig abgeschliffen war. Ab 2000 folgte dann das Spin-off dazu, die Kriminal-Serie "Trautmann“, in der Hinterberger mit Wolfgang Böck wieder eine Seele an Protagonisten zur Verfügung hatte.

Hörspiele, Prosa, Drehbücher zum "Tatort“, Fernsehspiele - der bis zuletzt in seiner kleinen Gemeindebau-Wohnung lebende Autor ist einer der Meister der österreichischen Alltagsliteratur geworden. Vor genau zwei Jahren konnte der schon von Krankheit Gezeichnete noch den Axel-Corti-Preis für sein Lebenswerk entgegennehmen.

Mit dem Tod des Achtzigjährigen am 14. Mai ist auch ein Stück Fernsehkultur endgültig Geschichte geworden.

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