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Feuilleton

Citizen Rupert Murdoch

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Mit Entsetzen blickt die britische Öffentlichkeit derzeit auf die Verbindung des Medienmoguls Rupert Murdoch mit ihrem | Premier David Cameron. Abseits strafrechtlicher Ahndung wären weitere Konsequenzen zu ziehen. Nicht nur in London.

Medien und Politik hängen in London so fest zusammen, dass der eine im Absturz den anderen mitzureißen vermag: Der Skandal um die eingestellte britische Sonntags-Zeitung News of the World des australischen Medienmoguls Rupert Murdoch ist geeignet, die britische Regierung unter dem konservativen Premier David Cameron zu erschüttern. Die historischen Parallelen von Murdoch zum US-Verleger William Randolph Hearst und die aktuellen Bezüge zu Boulevardmedien und deren Verflechtungen mit der Politik sind, auch in Österreich, nicht zu übersehen.

Es ist der Kampagnen- und Entblößungs-Journalismus, der Verleger wie Hearst und Murdoch zu den großen Medienunternehmern ihrer jeweiligen Zeit werden ließ. Gleiches gilt für Axel Springer in Deutschland und Hans Dichand in Österreich (die allerdings, anders als Hearst, ausdrücklich keine Kriegstreiber und auch sonst weniger brachial waren). Und es sind einzelne Politiker, die mit diesen Machertypen gerne Geschäfte auf Gegenseitigkeit abschließen. Eine fatale Gemengelage.

Strategische Allianzen

Die Medien - die sich im Unterschied zu allen anderen Industriezweigen auf politischen Märkten bewegen - gewähren in Einzelfällen den Mächtigen öffentliche Aufmerksamkeit und Kritiklosigkeit. Im Gegenzug erhalten diese Parvenüs die Möglichkeit, mit ihren Zeitungsfabriken die Vorteile der Größe, also Skalenvorteile, zu nutzen und Konzentrationsprozesse zu beschleunigen. Im Klartext: Mit Millionen an Lesern lassen sich Millionen in der jeweiligen Landeswährung verdienen. Die Folgen? Die Meinungsfreiheit verkommt zur Erwerbsfreiheit. Aufregung steigert die Auflage. Kampagnen beleben die Konkurrenz. Papier und Druck sind nicht mehr der Demokratie dienliche Plattformen, sondern entwürdigend instrumentalisierte Bühnen der vom Schweizer Soziologen Kurt Imhof so bezeichneten Empörungsbewirtschaftung.

Die Kritik- und Kontrollfunktion der Massenmedien, Voraussetzung jeglicher Demokratie, wird von diesen Medien, von diesen Titeln, von diesen Geschäftsleuten nicht mehr wahrgenommen. Ganz im Gegenteil, sie wird den strategischen Allianzen geopfert, weil mit einer von externen Zielen geleiteten Berichterstattung die Unabhängigkeit geopfert und die Demokratie untergraben wird. Gelegentliche Enthüllungen dieser Boulevardtitel wie News of the World widerlegen den Befund keinesfalls.

Nun droht der mit Rupert Murdoch und geteilten Mitarbeitern eng verbundene David Cameron mit dem Verleger in Turbulenzen gezogen zu werden. Murdoch wird sein ohnehin inakzeptabel groß und global gewordenes Medienimperium nicht mehr vergrößern. Sein politischer Günstling Cameron hat größte Schwierigkeiten, seinen Leumund gegen die Nähe zu Murdoch und dessen Leute zu retten, sofern das noch gelingen kann. Denn manche Leute Murdochs stehen unter schweren Beschuldigungen.

Kartellrecht und Anstand

Es sage keiner, man wäre nicht gewarnt worden: Orson Welles hat 1941 mit Citizen Kane einen Film über William Randolph Hearst (1863-1951) gedreht. Hearst hat übrigens Welles Geld geboten, um die Verbreitung des Filmes zu verhindern. Ähnliches behauptet die Journalistin Nathalie Borgers von Hans Dichand. Sie hat für ARTE eine Krone-Dokumentation gedreht.

Was hier an den großen Unternehmen der Medienbranche zu beobachten ist, haben Lutz Hachmeister und Günther Rager unübertreffbar ausgedrückt: "Im Wachstumsfeld Medien hat die Konfusion der Interessen auf breiter Basis amoralische Zweckbündnisse hervorgebracht, die von einer Ökonomisierung der Publizistik künden und kaum noch von politisch-ideologischen Verankerungen herkömmlichen Stils gehalten werden.“

Diesem Misstand ist, wenn überhaupt, nur mit Kartellgesetzen und angewandtem Anstand beizukommen. Global und lokal. Es muss ja nicht stets ein Hearst oder ein Murdoch sein, der sich als Verleger und Bürger Kane zu viel herausnimmt.

claus.reitan@furche.at

Mit Entsetzen blickt die britische Öffentlichkeit derzeit auf die Verbindung des Medienmoguls Rupert Murdoch mit ihrem | Premier David Cameron. Abseits strafrechtlicher Ahndung wären weitere Konsequenzen zu ziehen. Nicht nur in London.

Medien und Politik hängen in London so fest zusammen, dass der eine im Absturz den anderen mitzureißen vermag: Der Skandal um die eingestellte britische Sonntags-Zeitung News of the World des australischen Medienmoguls Rupert Murdoch ist geeignet, die britische Regierung unter dem konservativen Premier David Cameron zu erschüttern. Die historischen Parallelen von Murdoch zum US-Verleger William Randolph Hearst und die aktuellen Bezüge zu Boulevardmedien und deren Verflechtungen mit der Politik sind, auch in Österreich, nicht zu übersehen.

Es ist der Kampagnen- und Entblößungs-Journalismus, der Verleger wie Hearst und Murdoch zu den großen Medienunternehmern ihrer jeweiligen Zeit werden ließ. Gleiches gilt für Axel Springer in Deutschland und Hans Dichand in Österreich (die allerdings, anders als Hearst, ausdrücklich keine Kriegstreiber und auch sonst weniger brachial waren). Und es sind einzelne Politiker, die mit diesen Machertypen gerne Geschäfte auf Gegenseitigkeit abschließen. Eine fatale Gemengelage.

Strategische Allianzen

Die Medien - die sich im Unterschied zu allen anderen Industriezweigen auf politischen Märkten bewegen - gewähren in Einzelfällen den Mächtigen öffentliche Aufmerksamkeit und Kritiklosigkeit. Im Gegenzug erhalten diese Parvenüs die Möglichkeit, mit ihren Zeitungsfabriken die Vorteile der Größe, also Skalenvorteile, zu nutzen und Konzentrationsprozesse zu beschleunigen. Im Klartext: Mit Millionen an Lesern lassen sich Millionen in der jeweiligen Landeswährung verdienen. Die Folgen? Die Meinungsfreiheit verkommt zur Erwerbsfreiheit. Aufregung steigert die Auflage. Kampagnen beleben die Konkurrenz. Papier und Druck sind nicht mehr der Demokratie dienliche Plattformen, sondern entwürdigend instrumentalisierte Bühnen der vom Schweizer Soziologen Kurt Imhof so bezeichneten Empörungsbewirtschaftung.

Die Kritik- und Kontrollfunktion der Massenmedien, Voraussetzung jeglicher Demokratie, wird von diesen Medien, von diesen Titeln, von diesen Geschäftsleuten nicht mehr wahrgenommen. Ganz im Gegenteil, sie wird den strategischen Allianzen geopfert, weil mit einer von externen Zielen geleiteten Berichterstattung die Unabhängigkeit geopfert und die Demokratie untergraben wird. Gelegentliche Enthüllungen dieser Boulevardtitel wie News of the World widerlegen den Befund keinesfalls.

Nun droht der mit Rupert Murdoch und geteilten Mitarbeitern eng verbundene David Cameron mit dem Verleger in Turbulenzen gezogen zu werden. Murdoch wird sein ohnehin inakzeptabel groß und global gewordenes Medienimperium nicht mehr vergrößern. Sein politischer Günstling Cameron hat größte Schwierigkeiten, seinen Leumund gegen die Nähe zu Murdoch und dessen Leute zu retten, sofern das noch gelingen kann. Denn manche Leute Murdochs stehen unter schweren Beschuldigungen.

Kartellrecht und Anstand

Es sage keiner, man wäre nicht gewarnt worden: Orson Welles hat 1941 mit Citizen Kane einen Film über William Randolph Hearst (1863-1951) gedreht. Hearst hat übrigens Welles Geld geboten, um die Verbreitung des Filmes zu verhindern. Ähnliches behauptet die Journalistin Nathalie Borgers von Hans Dichand. Sie hat für ARTE eine Krone-Dokumentation gedreht.

Was hier an den großen Unternehmen der Medienbranche zu beobachten ist, haben Lutz Hachmeister und Günther Rager unübertreffbar ausgedrückt: "Im Wachstumsfeld Medien hat die Konfusion der Interessen auf breiter Basis amoralische Zweckbündnisse hervorgebracht, die von einer Ökonomisierung der Publizistik künden und kaum noch von politisch-ideologischen Verankerungen herkömmlichen Stils gehalten werden.“

Diesem Misstand ist, wenn überhaupt, nur mit Kartellgesetzen und angewandtem Anstand beizukommen. Global und lokal. Es muss ja nicht stets ein Hearst oder ein Murdoch sein, der sich als Verleger und Bürger Kane zu viel herausnimmt.

claus.reitan@furche.at