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Countdown im Waldviertler Stupa-Streit

Am 12. Februar stimmt die Bevölkerung in Gföhl über den Bau eines 30 Meter hohen Stupas ab. Die Stimmung ist aufgeheizt, die Fronten verhärtet. Wie die Abstimmung ausgeht, ist ungewiss.

Die Spannung steigt: In wenigen Tagen, am 12. Februar, entscheidet sich das Schicksal des in Gföhl geplanten rund 30 Meter hohen Stupa. Dann stimmt die Bevölkerung des Waldviertler Ortes darüber ab, ob das buddhistische Weltfriedens- und Kraftdenkmal sowie das angrenzende Ordensgebäude samt Meditations- und Kräutergarten, privaten Parkplätzen, WC-Anlagen und Kiosk errichtet werden darf oder nicht.

"Es ist wichtig, dass die Meinung der Bevölkerung gehört wird“, betont Bürgermeister Karl Simlinger. Nehmen mindestens 50 Prozent der Wahlberechtigten an der Volksbefragung teil, ist das Ergebnis bindend. Sind es weniger, entscheidet der Gemeinderat - 21 von 23 Gemeinderäten befürworten das Projekt - über die Umwidmung des bereits erworbenen, zwei Hektar großen Grundstückes. Um gute Stimmung für das Projekt zu machen, hat Simlinger stets den wirtschaftlichen Nutzen des Projektes betont. Zwischen 3000 und 5000 Besucher sollen jährlich den Sakralbau besuchen und Geld in die Kassen spülen. "Derzeit ist der Tourismus bei uns gleich Null“, sagt der Bürgermeister.

Ein Projekt, das Emotionen hervorruft

Das Projekt, mit dessen Bau im Frühjahr dieses Jahres begonnen werden soll, ist alles andere als unumstritten: Während die einen auf Toleranz, Religionsfreiheit und die Bedeutung von Frieden, Stille und Ruhe hinweisen, kritisieren andere die Größe des rund 30 Meter hohen Bauwerks, seine weithin sichtbare Lage an der B 37 und das Tempo, mit dem ihrer Ansicht nach die Angelegenheit abgewickelt werde. Andere wiederum warnen vor einer Missionierung durch die buddhistischen Mönche. "Ich denke, es ist zu wenig daran gedacht worden, dass man es gerade bei so einem Thema nicht nur mit wirtschaftlichen Faktoren, sondern ganz stark auch mit Emotionen zu tun hat“, sagt Christian Haidinger, Abt des nahen Benediktinerstiftes Altenburg.

"Die katholische Kirche braucht nicht zu fürchten, dass wir Anhänger abwerben“, verspricht Gerhard Weißgrab, Präsident der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft (ÖBR). "Wir haben auch nicht von den großen Austrittswellen der letzten Jahre profitiert.“ Eine Missionierung widerspreche darüber hinaus völlig dem buddhistischen Glauben.

"Es ist so notwendig, mit den Christen gemeinsam etwas Positives zu schaffen“, betont Elisabeth Lindmayer von der Lotos-Lindmayer-Privatstiftung, die gemeinsam mit dem Mönch Bon Jon Sunim zu den Initiatoren des Projektes zählt. Sie weist ebenso wie Weißgrab darauf hin, dass die Zahl der Suchenden stetig zunimmt. Einig sind sich die beiden auch, dass es verständlich sei, wenn Menschen sich nicht immer von Neuem angezogen fühlten. "Viele kennen den Buddhismus dem Namen nach, was genau er darstellt, wie er ausgeübt wird, das wissen sie jedoch nicht.“ 1983 hat Österreich als erstes europäisches Land den Buddhismus als staatliche Religionsgemeinschaft anerkannt. Geschätzte 20.000 Buddhisten gibt es hierzulande.

Der Diskussion über den Stupa-Bau im Waldviertel, bekannt für seine spirituellen Zentren und Kraftplätze wie das Kloster Pernegg, die Stifte Altenburg, Geras und Zwettl, Maria Taferl, Maria Dreieichen oder die Steinpyramide bei Groß Gerungs sowie den Skorpionstein bei Kautzen, können Weißgrab und Lindmayr durchaus auch positive Seiten abgewinnen. "Dadurch wachen die Menschen auf, darüber zu sprechen, regt auch zum Denken an.“ Die Auseinandersetzung mit dem Buddhismus führe manche Christen auch ihrer eigenen Religion zurück, glaubt Weißgrab, der Konkurrenz zwischen den Religionen für unsinnig hält. "Das ist dem Weltfrieden nicht zuträglich.“

Nicht die Abwehr aus katholischer Sicht, sondern eher ein Kommunikationsfehler habe dazu geführt, dass die Wogen so hoch gehen, glaubt Haidinger. Natürlich sei es notwendig, den Blick zu öffnen und anderes zuzulassen, betont der Abt, der auf die Erklärung des II. Vatikanums zu den nichtchristlichen Religionen verweist: "Die katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist.“ Gemeinsam mit unter anderem Johann Figl, dem Vorstand des Instituts für Religionswissenschaft der Uni Wien, FURCHE-Herausgeber Heinz Nußbaumer oder Ernst Fürlinger, vom Zentrum Religion und Globalisierung der Donau-Universität Krems, hat er eine Erklärung unterzeichnet, wonach es zwar legitim sei, zum konkreten Vorhaben unterschiedliche Meinungen zu vertreten. Aber es könne nicht angehen, eine Ablehnung mit einer unsachlichen Diffamierung des Buddhismus zu verbinden.

Die Diskussion um den Stupa in Gföhl ist allerdings nicht die erste in Bezug auf die Errichtung eines buddhistischen Bauwerks: 1984 wurde in Feldkirch, Vorarlberg, ein buddhistisches Kloster errichtet: der Letzehof. Auch damals gingen die Wogen hoch, Warnungen vor einer Sekte und ähnlichem wurden geäußert. Mittlerweile haben sich die Vorarlberger an die buddhistischen Mönche - zwischen sechs und zehn sind ständig im Kloster anwesend - gewöhnt und stehen dem Kloster positiv gegenüber.

Friedens- und Kraftdenkmal

In Gföhl werden nach Angaben Lindmayers regelmäßig zwei Mönche anwesend sein, um das Gästehaus, das für sieben Gäste gedacht ist, den Kräuter- und Meditationsgarten sowie den Stupa zu betreuen. Dieser sei übrigens einer der wenigen weltweit, der auch begehbar und somit für Veranstaltungen geeignet ist. "Die Stupas sind sonst geschlossen und können nur umrundet werden“, sagt ÖBR-Präsident Weißgrab. Drei öffentlich zugängliche Stupas gibt es in Österreich: in Wien, Graz und Salzburg. Dazu kommen einige, die sich in Tempeln oder auf Privatgrundstücken befinden.

Stupas gelten als Friedens- und Kraftdenkmal und senden nach buddhistischer Lehre Kraft in alle Himmelsrichtungen aus. Jeder einzelne Teil hat seine eigene Symbolik. Ursprünglich war ein Stupa ein Grabhügel für die Bestattung von Königen in Indien gewesen. Seit dem frühen Buddhismus werden in einem Stupa, auch Tschörten, Thupa, Cai tya, Pagode oder Dagoba genannt, Reliquien des Buddha oder von herausragenden Mönchen aufbewahrt.

Wie das Ergebnis der Volksbefragung ausgehen wird, traut sich niemand zu sagen. Die Initiatoren allerdings haben sich bereits vorsichtshalber nach einem Ersatzplatz umgesehen. "Ein Kompromiss wäre vernünftig“, sagt Haidinger.

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