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Feuilleton

Dann doch den Olymp erklettert

1945 1960 1980 2000 2020

Österreichs potentester Getränkehersteller holt in "Cerro-Torre - Nicht den Hauch einer Chance" den Alpinisten David Lama vor den Vorhang und verleiht dem Bergfilm-Genre neue Flügel.

1945 1960 1980 2000 2020

Österreichs potentester Getränkehersteller holt in "Cerro-Torre - Nicht den Hauch einer Chance" den Alpinisten David Lama vor den Vorhang und verleiht dem Bergfilm-Genre neue Flügel.

Es ist unmöglich, sagen die Kletterlegenden, es ist auch nur ein Berg, sagt David Lama und macht sich daran, den Cerro Torre zu befreien und aus sich einen Alpinisten zu formen.

"Cerro-Torre - Nicht den Hauch einer Chance", der neue Film aus der Abenteuer-Doku-Schmiede des Getränkeherstellers "Red Bull", erzählt die Geschichte eines klassischen Bildungsromans: Der Held steht vor einer riesigen Herausforderung. Sein erster ungestümer Anlauf scheitert, doch er gibt nicht auf, geht in sich, reift und kann den Dämon bezwingen, sich und die Welt befreien.

Die Welt dieses Films ist eine gut 3000 Meter hohe Felsnadel in Patagonien. An diesem Berg ist alles extrem - der glatte Fels, der spröde Eispanzer, das widrige Wetter und die dramatische Geschichte seiner Erstbesteigung: 1959 behauptet der Italiener Cesare Maestri, er war mit dem Tiroler Toni Egger auf dem Gipfel. Aber beim Abstieg wird Egger von einer Eislawine getötet. Er und seine Kamera mit dem angeblichen Gipfelfoto sind seither verschollen. Maestri wird als Lügner abgestempelt. Verbittert kehrt er 1970 an den Berg zurück, um es allen zu beweisen: Mit einem Kompressor und 300 Bohrhaken schraubt er sich die Südwest-Flanke hoch bis knapp unter den Gipfel. Dort kehrt er um, nicht ohne den Fluch zurück zu lassen, dass ohne seine Bohrhaken nie ein Mensch auf dieser Route auf diesen Gipfel kommen werde ...

Bis heute hängt Maestris Kompressor unter dem Gipfel und bis zum 21. Jänner 2012 hat Maestris Fluch gehalten, hat niemand seine "Kompressorroute" ohne seine Bohrhaken als Aufstiegshilfe klettern können.

Mehr als ein Alpin-Fitzcarraldo

An diesem Tag im patagonischen Sommer bricht David Lama den Bann und schafft es "frei" kletternd, Seil und Haken nur zur Absicherung im Falle eines Sturzes benutzend, bis ganz hinauf. Der Kletterer hat sein Ziel erreicht und die Filmemacher?

"Nicht den Hauch einer Chance" gilt auch für Regisseur Thomas Dirnhofer: "Stein aus Schrei" von Altmeister Werner Herzog hat diesem Berg 1991 ein filmisches Denkmal gesetzt -kann Dirnhofer da noch was drauf setzen? Er kann, weil er einen Alpin-Fitzcarraldo als Hauptdarsteller hat; und weil er - so wie Lama am Fels - die Grenzen des Dokumentarfilms sprengt, Altes (Archivaufnahmen, nachgestellte Szenen, Interviews) mit Neuem (Zeichentrick, Zeitlupe) kombiniert und Aufnahmen von Helm-und Hubschrauberkameras integriert. Dieser Bergfilm kommt mit neuen Flügeln daher und hebt sich von anderen ab - weil auch er kein "unmöglich" akzeptiert.

Reinhold Messner warnt am Anfang des Films, dass Lama von "Red Bull" missbraucht werden könnte. Als einer, der als lebensgroße Pappkartonfigur in den 1980er-Jahren für eine Rum-Marke vor jedem Kiosk entlang des Alpenbogens Werbung gemacht hat, weiß Messner wovon er spricht. Lama schiebt die Warnung mit einer lässigen Bemerkung beiseite. Sein erster Besteigungsversuch am Cerro Torre im Winter 2009/10 zeigt jedoch, wie knapp er daran vorbeischrammt, als Marketing-Kletterkasperl zu verkommen. Regisseur Dirnhofer hat neben Maestris Haken noch viele weitere in den Fels bohren lassen, um sein Kamerateam die Wand hochzuhieven. Die Kletterszene reagiert empört, Lama wird mit Maestri auf die gleiche, unterste Stufe gestellt. Doch mit dem Cerro Torre findet Lama einen Verbündeten. Der Berg lässt ihn und das Kamerateam scheitern: einmal, zweimal, bis beim dritten Mal der Kletterer und der Regisseur reif sind für eine sehr große Tour und einen großen Film.

Cerro Torre - Nicht den Hauch einer Chance

A 2013. Regie: Thomas Dirnhofer.

Mit David Lama. Lunafilm. 104 Min.

Es ist unmöglich, sagen die Kletterlegenden, es ist auch nur ein Berg, sagt David Lama und macht sich daran, den Cerro Torre zu befreien und aus sich einen Alpinisten zu formen.

"Cerro-Torre - Nicht den Hauch einer Chance", der neue Film aus der Abenteuer-Doku-Schmiede des Getränkeherstellers "Red Bull", erzählt die Geschichte eines klassischen Bildungsromans: Der Held steht vor einer riesigen Herausforderung. Sein erster ungestümer Anlauf scheitert, doch er gibt nicht auf, geht in sich, reift und kann den Dämon bezwingen, sich und die Welt befreien.

Die Welt dieses Films ist eine gut 3000 Meter hohe Felsnadel in Patagonien. An diesem Berg ist alles extrem - der glatte Fels, der spröde Eispanzer, das widrige Wetter und die dramatische Geschichte seiner Erstbesteigung: 1959 behauptet der Italiener Cesare Maestri, er war mit dem Tiroler Toni Egger auf dem Gipfel. Aber beim Abstieg wird Egger von einer Eislawine getötet. Er und seine Kamera mit dem angeblichen Gipfelfoto sind seither verschollen. Maestri wird als Lügner abgestempelt. Verbittert kehrt er 1970 an den Berg zurück, um es allen zu beweisen: Mit einem Kompressor und 300 Bohrhaken schraubt er sich die Südwest-Flanke hoch bis knapp unter den Gipfel. Dort kehrt er um, nicht ohne den Fluch zurück zu lassen, dass ohne seine Bohrhaken nie ein Mensch auf dieser Route auf diesen Gipfel kommen werde ...

Bis heute hängt Maestris Kompressor unter dem Gipfel und bis zum 21. Jänner 2012 hat Maestris Fluch gehalten, hat niemand seine "Kompressorroute" ohne seine Bohrhaken als Aufstiegshilfe klettern können.

Mehr als ein Alpin-Fitzcarraldo

An diesem Tag im patagonischen Sommer bricht David Lama den Bann und schafft es "frei" kletternd, Seil und Haken nur zur Absicherung im Falle eines Sturzes benutzend, bis ganz hinauf. Der Kletterer hat sein Ziel erreicht und die Filmemacher?

"Nicht den Hauch einer Chance" gilt auch für Regisseur Thomas Dirnhofer: "Stein aus Schrei" von Altmeister Werner Herzog hat diesem Berg 1991 ein filmisches Denkmal gesetzt -kann Dirnhofer da noch was drauf setzen? Er kann, weil er einen Alpin-Fitzcarraldo als Hauptdarsteller hat; und weil er - so wie Lama am Fels - die Grenzen des Dokumentarfilms sprengt, Altes (Archivaufnahmen, nachgestellte Szenen, Interviews) mit Neuem (Zeichentrick, Zeitlupe) kombiniert und Aufnahmen von Helm-und Hubschrauberkameras integriert. Dieser Bergfilm kommt mit neuen Flügeln daher und hebt sich von anderen ab - weil auch er kein "unmöglich" akzeptiert.

Reinhold Messner warnt am Anfang des Films, dass Lama von "Red Bull" missbraucht werden könnte. Als einer, der als lebensgroße Pappkartonfigur in den 1980er-Jahren für eine Rum-Marke vor jedem Kiosk entlang des Alpenbogens Werbung gemacht hat, weiß Messner wovon er spricht. Lama schiebt die Warnung mit einer lässigen Bemerkung beiseite. Sein erster Besteigungsversuch am Cerro Torre im Winter 2009/10 zeigt jedoch, wie knapp er daran vorbeischrammt, als Marketing-Kletterkasperl zu verkommen. Regisseur Dirnhofer hat neben Maestris Haken noch viele weitere in den Fels bohren lassen, um sein Kamerateam die Wand hochzuhieven. Die Kletterszene reagiert empört, Lama wird mit Maestri auf die gleiche, unterste Stufe gestellt. Doch mit dem Cerro Torre findet Lama einen Verbündeten. Der Berg lässt ihn und das Kamerateam scheitern: einmal, zweimal, bis beim dritten Mal der Kletterer und der Regisseur reif sind für eine sehr große Tour und einen großen Film.

Cerro Torre - Nicht den Hauch einer Chance

A 2013. Regie: Thomas Dirnhofer.

Mit David Lama. Lunafilm. 104 Min.