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Feuilleton

Das echte Afrika

1945 1960 1980 2000 2020

"Malerei aus dem Kongo" im Wiener Völkerkundemuseum.

1945 1960 1980 2000 2020

"Malerei aus dem Kongo" im Wiener Völkerkundemuseum.

Traditionelle Masken und Skulpturen aus Afrika haben mehr mit europäischen Phantasien und Wunschvorstellungen über den Schwarzen Kontinent zu tun, als mit der afrikanischen Wirklichkeit. Echte, authentische Kunst aus Afrika wird derzeit im Museum für Völkerkunde ausgestellt: "Malerei aus dem Kongo 1990 bis 2000".

Bewaffnete Kämpfe, Straßen- und häusliche Szenen, bedeutende historische Ereignisse, oder mythische Figuren wie etwa die Reichtum und Macht spendende Sirene Mami Wata - das sind die Sujets, die sich im Kongo der größten Beliebtheit erfreuen. Diese Gemälde sind nicht für ein Kunstpublikum geschaffen, sondern erfüllen verschiedene andere Funktionen: In einem Land, wo viele Menschen die Verkehrssprache nicht beherrschen, sind Bilder ein wichtiges Medium der Kommunikation und Berichterstattung. Sie dienen dazu, die Besitzer in ethnischer oder religiöser Hinsicht zu positionieren, sie repräsentieren das kollektive Gedächtnis der Bevölkerung und werden ohne Gnade ausgemustert, wenn das Dargestellte für die Gegenwart irrelevant wird.

Größtenteils sind die Werke aus westlicher Sicht "naiv", dennoch lässt sich aus ihnen viel über das heutige Afrika herauslesen. "Lumumba verhaftet" von Matanda wa Matanda zum Beispiel zeigt den 1961 ermordeten Nationalhelden in den Händen von Soldaten, deren moderne Uniformen an jene der Truppen Mobutus erinnern. Damit wird die Verwicklung des Langzeitdiktators Mobutu Sese Seko in den Tod Patrice Lumumbas angedeutet, ebenso wie die Verstrickung des Westens durch die moderne Industrielandschaft im Hintergrund.

Bis 1. Juli