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Feuilleton

Das Ende der #Filmfreaks#

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Eine Institution in Sachen Film sperrt zu: die Wiener Videothek Alphaville. Über unmögliche Verleihzeiten und mögliche Gründe.

So wie es begonnen hat, endet es auch: mit einem Ausverkauf. Damals, im Frühjahr 1997, kauften die befreundeten Filmliebhaber Georg Schneider und Norman Shetler den Bestand einer Wiener Videothek auf, die zusperren musste. Mit den 2300 Videokassetten, die meisten davon in Originalsprache, gründeten sie ihre eigene: #Alphaville # International Video Store#. Heute, 13 Jahre später, prangert in großen Lettern #SALE# an der Glasfront des Alphaville. Seit 1. September wird in der Videothek für fremdsprachige Filme gekauft statt geliehen.

Bereits nach den ersten drei Tagen war mehr als die Hälfte der insgesamt 13.000 Filme weg. Jemand, der den gesamten Bestand aufkauft, habe sich nicht gefunden, erzählt Georg Schneider # und fügt hinzu: #Verhandlungen hat es schon welche gegeben, aber die sind leider gescheitert. Viele kämpfen selber, und für die ist es schwer zu sagen: Super, jetzt kaufe ich noch eine Videothek und habe dann zwei Probleme.#

Im Unterschied zu anderen Videotheken, die auf möglichst aktuelle Blockbuster setzen, versteht sich das Alphaville als Filmbibliothek mit einem möglichst breit gefächerten Angebot, auch die Genres betreffend: Familienkomödien füllten ebenso die Regale wie bekannte US-Serien oder koreanische Horrorfilme. #Das lässt sich nicht mehr verwirklichen#, klagt Schneider. #Auf der Mehrheit der Filme bleiben wir einfach sitzen.# Dass die goldenen Filmverleihzeiten vorbei seien, habe sich die letzten Jahre bereits abgezeichnet, erzählt er. Im Sommer 2006 sei ihm der Besucherschwund erstmals gravierend aufgefallen. Die Zeit im Sommer beschreibt Schneider generell als eine der härtesten im Videothekengeschäft, die damalige Fußball-EM tat ihr Übriges. Hauptsächlich macht der Alphaville-Mitgründer jedoch technologische Veränderungen verantwortlich für die sinkenden Besucherzahlen, allen voran das Internet: Filme seien dadurch #leicht und kostenfrei# verfügbar. Ein Klick genügt und der neueste Film kann gratis angesehen werden, oftmals noch vor der offiziellen Kinopremiere. Wer braucht da noch eine Videothek? Wozu ausleihen, wenn Kauf-DVDs oft kaum mehr kosten als die Leihgebühr? #Das Medium ist einfach weniger wert geworden, und das macht uns zu schaffen#, kommentiert Georg Schneider die Entwicklungen.

Filmwelten im Keller

Nicht jeder zieht aus den veränderten Bedingungen einen radikalen Schlussstrich: #Viele haben sich nebenbei ein Standbein geschaffen, wo sie dann den Filmverleih, als Hobby, weiter betreiben#, erklärt Georg Schneider. So wie Albert Schmidleitner, Chef dreier Spielstätten (Kabarett Simpl, Vindobona und Palais Nowak) und Besitzer der Satyr-Filmwelt: #Die lasse ich momentan ein bisschen mitrennen.# In einem Kellergeschoss warten Drehbücher, Kinoplakate, Soundtracks und mehr auf Filmliebhaber und sollen auch gekauft werden. Das passiert in der Filmbuchhandlung immer seltener. #Die Informationsbeschaffung ist heute eine andere#, erklärt Schmidleitner. Früher seien Shops wie das Satyr die einzige Quelle gewesen, an Informationen rund um Film zu gelangen. #Heute gibt es den Computer.# Zusätzlich vermisst Schmidleitner die #Freaks# in Sachen Film.

Georg Schneider kennt das Satyr aus seiner Jugendzeit: #Da habe ich viel Geld gelassen, mit Freude.# Das letzte Mal dort war er vor vielen Jahren. Vom Medium Film will er, zumindest beruflich, in nächster Zeit Abstand nehmen. Im Alphaville bleibt noch bis Anfang November Zeit, sich Filme zu leihen oder gleich zu kaufen, auch wenn man keines der 23.000 Alphaville-Mitglieder ist. #Die sind natürlich nicht alle gekommen#, so Georg Schneider, #sonst würde es uns noch geben.#

Eine Institution in Sachen Film sperrt zu: die Wiener Videothek Alphaville. Über unmögliche Verleihzeiten und mögliche Gründe.

So wie es begonnen hat, endet es auch: mit einem Ausverkauf. Damals, im Frühjahr 1997, kauften die befreundeten Filmliebhaber Georg Schneider und Norman Shetler den Bestand einer Wiener Videothek auf, die zusperren musste. Mit den 2300 Videokassetten, die meisten davon in Originalsprache, gründeten sie ihre eigene: #Alphaville # International Video Store#. Heute, 13 Jahre später, prangert in großen Lettern #SALE# an der Glasfront des Alphaville. Seit 1. September wird in der Videothek für fremdsprachige Filme gekauft statt geliehen.

Bereits nach den ersten drei Tagen war mehr als die Hälfte der insgesamt 13.000 Filme weg. Jemand, der den gesamten Bestand aufkauft, habe sich nicht gefunden, erzählt Georg Schneider # und fügt hinzu: #Verhandlungen hat es schon welche gegeben, aber die sind leider gescheitert. Viele kämpfen selber, und für die ist es schwer zu sagen: Super, jetzt kaufe ich noch eine Videothek und habe dann zwei Probleme.#

Im Unterschied zu anderen Videotheken, die auf möglichst aktuelle Blockbuster setzen, versteht sich das Alphaville als Filmbibliothek mit einem möglichst breit gefächerten Angebot, auch die Genres betreffend: Familienkomödien füllten ebenso die Regale wie bekannte US-Serien oder koreanische Horrorfilme. #Das lässt sich nicht mehr verwirklichen#, klagt Schneider. #Auf der Mehrheit der Filme bleiben wir einfach sitzen.# Dass die goldenen Filmverleihzeiten vorbei seien, habe sich die letzten Jahre bereits abgezeichnet, erzählt er. Im Sommer 2006 sei ihm der Besucherschwund erstmals gravierend aufgefallen. Die Zeit im Sommer beschreibt Schneider generell als eine der härtesten im Videothekengeschäft, die damalige Fußball-EM tat ihr Übriges. Hauptsächlich macht der Alphaville-Mitgründer jedoch technologische Veränderungen verantwortlich für die sinkenden Besucherzahlen, allen voran das Internet: Filme seien dadurch #leicht und kostenfrei# verfügbar. Ein Klick genügt und der neueste Film kann gratis angesehen werden, oftmals noch vor der offiziellen Kinopremiere. Wer braucht da noch eine Videothek? Wozu ausleihen, wenn Kauf-DVDs oft kaum mehr kosten als die Leihgebühr? #Das Medium ist einfach weniger wert geworden, und das macht uns zu schaffen#, kommentiert Georg Schneider die Entwicklungen.

Filmwelten im Keller

Nicht jeder zieht aus den veränderten Bedingungen einen radikalen Schlussstrich: #Viele haben sich nebenbei ein Standbein geschaffen, wo sie dann den Filmverleih, als Hobby, weiter betreiben#, erklärt Georg Schneider. So wie Albert Schmidleitner, Chef dreier Spielstätten (Kabarett Simpl, Vindobona und Palais Nowak) und Besitzer der Satyr-Filmwelt: #Die lasse ich momentan ein bisschen mitrennen.# In einem Kellergeschoss warten Drehbücher, Kinoplakate, Soundtracks und mehr auf Filmliebhaber und sollen auch gekauft werden. Das passiert in der Filmbuchhandlung immer seltener. #Die Informationsbeschaffung ist heute eine andere#, erklärt Schmidleitner. Früher seien Shops wie das Satyr die einzige Quelle gewesen, an Informationen rund um Film zu gelangen. #Heute gibt es den Computer.# Zusätzlich vermisst Schmidleitner die #Freaks# in Sachen Film.

Georg Schneider kennt das Satyr aus seiner Jugendzeit: #Da habe ich viel Geld gelassen, mit Freude.# Das letzte Mal dort war er vor vielen Jahren. Vom Medium Film will er, zumindest beruflich, in nächster Zeit Abstand nehmen. Im Alphaville bleibt noch bis Anfang November Zeit, sich Filme zu leihen oder gleich zu kaufen, auch wenn man keines der 23.000 Alphaville-Mitglieder ist. #Die sind natürlich nicht alle gekommen#, so Georg Schneider, #sonst würde es uns noch geben.#