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Das Kreuz mit Der transparenz

Es war ein unwürdiges Gezerre, das - allzu spät - ein einigermaßen versöhnliches Ende fand: Montag dieser Woche stimmten die Verantwortlichen im oberösterreichischen Stift Kremsmünster doch noch zu, die Studie des Münchener Instituts für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) zu den zahlreichen Missbrauchsfällen im Kloster nicht nur online zur Verfügung zu stellen, sondern auch in Buchform herauszubringen. Zunächst hatte man eine solche Veröffentlichung der Studie, die 350 Fälle sexueller, körperlicher oder psychischer Gewalt ausmacht und von einem "Systemversagen" im Kloster spricht, nicht als notwendig erachtet. Nun hat man sich dem Druck der Autoren und Betroffenen, die im Sinne der weiteren, wissenschaftlichen Aufarbeitungsmöglichkeit auf der Papierform beharrten, doch noch gebeugt: Wenn ein Buch "hilfreich für Opfer und Prävention sei", zitierten Ex-Schüler aus einem Schreiben von Abt Ambros Ebhart, so freue es ihn.

Ende gut, alles gut? Nicht wirklich. Angesichts des immensen Vertrauensverlustes, mit dem die katholische Kirche insgesamt durch die Missbrauchsfälle konfrontiert ist, empfinden die Opfer jedes noch so kleine Zaudern bei der Aufarbeitung - zu Recht - als Schlag ins Gesicht. Wie groß das Misstrauen gegenüber kirchlichen Institutionen ist, zeigt nicht zuletzt die Reaktion der Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt auf die jüngste Ehrung der "Klasnic-Kommission" durch Heinz Fischer. Dass der scheidende Bundespräsident die "Unabhängige Opferschutzkommission" - wiederum zu Recht - für ihre "Pionierarbeit" und ihr Engagement auszeichnete, stieß dort auf Empörung. "Die Klasnic-Kommission wurde von der Kirche eingesetzt, um teure Klagen abzuwenden und Opfer auszuhorchen", wurde moniert.

Tatsächlich hat die Kommission unter der Leitung von Waltraud Klasnic - abseits strafrechtlicher Verjährungen - über 1600 Gewalt-Betroffenen finanzielle bzw. therapeutische Hilfestellungen von über 22 Millionen Euro zugesprochen. Es dürfe freilich "keinen Schlussstrich" geben, die Bewusstseinsarbeit müsse weitergehen, so Klasnic. Das muss allen klar sein - in Kremsmünster und überall sonst.

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