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Das Wunder von Salzburg

Sie grenzt wahrlich an ein Wunder, die Errettung der Osterfestspiele. Das hätten nicht einmal die am Desaster beteiligten Herrschaften zu träumen gewagt. Österliche Auferstehung in wirtschaftlich schlechten Zeiten. Da müssen die Osterglocken heftig gedröhnt haben. Phonstärke scheint beim Vertuschen besonders gefragt zu sein. Die Aufklärung wird wohl auf sich warten lassen.

„Hochkultur ist Wildwest“, heißt es in „Silentium“ von Wolf Haas. Ein prophetischer Krimi über Missstände aus der Welt der Kirche und der Festspiele. Die Salzburger Atmosphäre konnte zwar ihre nicht vorhandene Jungfräulichkeit nicht verlieren, vergiftet ist sie allemal. Durch angeklagte Führungskräfte, Entlassungen, Anzeigen, einen Selbstmordversuch und zahlreiche Verdachtsmomente; vor allem aber durch all jene, die Raffgier, Hochstapelei und Selbstdarstellung in der glitzernden Welt der High Society zu ihrem Lebensprinzip erhoben haben. Erinnert sich noch jemand daran, dass die von Herbert von Karajan als elitäres und einzigartiges Privatfestival gegründeten Osterfestspiele einst ohne Subventionen ausgekommen sind. Längst ist davon keine Rede mehr. Auch die Exklusivität ist verloren gegangen. Simon Rattle, der mit Karajan nicht vergleichbar ist, dirigiert Oper auch anderswo, und jene zwei Vorstellungen, die er mit „seinen“ Berliner Philharmonikern in Salzburg aufführt, werden zuvor beim Festival in Aix-en-Provence gezeigt. Ein neues Konzept hatte nicht zuletzt auch Rattle selbst gefordert.

Wahrscheinlich hätte es einen echten Neubeginn und neue fantasievolle Ideen gebraucht. Davon ist keine Rede mehr. Man fühlt sich in alten Strukturen sicherer. Konzeptlosigkeit als Zeichen der Zeit, finanzielle Absicherung auch wenn Millionen fehlen, sei es durch Betrügereien, sei es durch abgesprungene Gönner. Es ist immer am einfachsten, den Steuerzahler zur Kassa zu bitten. Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht. Seine Scherben werden derzeit mühsam gekittet.

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