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Der CV braucht Silentium ex

Dieser Tage hat sich der Geburtstag von Heinrich Drimmel zum 100. Mal gejährt. Und Ernst Wolfram Marboe haben wir zur letzten Ruhestätte geleitet. Beide waren sie CVer - konservativ der eine, Neuerungen zugetan der andere, beide auf ihre Art exemplarisch. Und ohne große Nachfolger. Die Traditionsvereinigung farbentragender katholischer Akademiker hat, wie auch ihre Kirche, immer beide gebraucht: intelligente Bewahrer und intelligente Vorwärtsdränger. Drimmel war ab 1954 zehn Jahre Unterrichtsminister und zuvor CV-Amtsträger für Hochschulpolitik und fünf Jahre Verbandsvorsitzender. Alles "Linke“ war ihm suspekt, aber er handelte mit Vatikan und SPÖ ein für damalige Verhältnisse modernes Konkordat aus, und ich erinnere mich gut, wie sehr er bei Besuchen junger CV-Studenten unsere damaligen Wünsche nach Neuerungen verstand und auch unterstützte.

In den Fünfziger- und Sechzigerjahren waren der ÖCV und dessen Verbandszeitschrift Academia Schauplätze herzeigbarer Richtungsdebatten. Heute: Funkstille. Silentium. Man darf nicht ungerecht sein: Es gibt eine Vielzahl von Vorträgen und Debatten in den Verbindungen und in der CV-Bildungsakademie. Qualitätsbeiträge in der Academia werden immer noch auch von interessierten Nichtmitgliedern gelesen. Aber es fehlt das Konzept für einen akademischen Diskurs über die Zukunft des CV, der katholischen Kirche, des Landes, Europas und der Welt. Und es fehlen Leitfiguren, die als weithin sichtbare Leuchttürme eines aufgeklärten Konservativismus ebenso wie der kirchlichen Reformbewegung Junge und Alte mitreißen.

Mitreißen wobei? Bei dem, wozu der CV vor eineinhalb Jahrhunderten gegründet worden ist: als Reformbewegung für eine gerechtere Gesellschaft, in der jeden Menschen nicht nur Eigennutz, sondern das Wohlergehen auch der anderen kümmert. Aller anderen.

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